Willibald Katzenschlager: Kommt der Coronacrash?

Eine Rezension von Ulrich Kirstein
Bild: Ausschnitt Umschlag, Verlag edition a
Der Autor des schmalen Bändchens "Kommt der Coronacrash? Was Sie jetzt über ihren Job und Ihr Geld wissen sollten", Willibald Katzenschlager, ist Director Sales Trading & Capital Markets der renommierten Privatbank Liechtensteinische Landesbank Österreich. Er definiert sich als Praktiker unter den Privatbankern und im Vorwort heißt es: „Sein Job besteht darin, die Wahrheit zu erkennen, zu kommunizieren und Investmentstrategien auf ihr aufzubauen. Schlicht und einfach, weil er nur mit ihr im Sinne seiner Kunden und seiner Bank Geld verdienen kann.“ Dann begeben wir uns einmal auf die Spur dieser Wahrheit.

Gebeutelte Branchen

Katzenschlager betont gleich zu Beginn, dass schon Ende 2019, Anfang 2020, also bereits vor der Epidemie, in der Wirtschaft nicht alles Gold war, was glänzte. Nun erfordert die Pandemie eine rasche Umwandlung der Ökonomie mit direkten und fatalen Folgen für viele Unternehmen und Beschäftigte. Noch werden viele Zombie-Unternehmen durch die Unterstützungsmaßnahmen der Staaten am Leben erhalten, doch was passiert, wenn diese auslaufen?
 
Ein Beispiel, das besonders hart von den Lockdowns getroffen wurde, ist der Tourismus. Auch hier macht Katzenschlager aber eine Reihe von Problemen aus, die bereits vor Corona latent vorhanden waren. Viele Betriebe hätten am Rande der Rentabilität agiert, angewiesen auf jährliche Wachstumsraten. Diese sind wegen Corona jedoch völlig eingebrochen. Bleibt die Frage, ob dies schnell wieder aufgeholt werden kann, oder eben nicht. Denn wird es wirklich wieder eine Reiselust in den oftmals ungesunden Ausmaßen wie früher geben? Wird es noch Messe- und Kongresscenter geben, nachdem doch virtuelle Veranstaltungen gut funktionieren? Werden Trolly-Geschäftsreisende nicht bald eher lächerlich als notwendig sein? Und wäre dies nicht zuletzt auch ein Dienst am Umweltschutz? Bis zu dreißig Prozent der Tourismusbetriebe dürften nach Katzenschlagers Ansicht wegfallen – keine rosigen Aussichten für die Beschäftigen. Mit in den Abgrund gerissen werden die Flughäfen, die Luftfahrtgesellschaften – die ebenfalls bereits vor Corona hart am Wind flogen – und die verwöhnte Branche der Flugzeughersteller. Und, diese denkt Katzenschlager - im Gegensatz zur Politik und ihrer Hilfsmaßnahmen - immer auch mit, die Zulieferer und die Zulieferer der Zulieferer, und wenn es der Metzger am Ort ist, der vom Tourismus oder vom florierenden Betrieb eines Turbinenherstellers lebt.

Kein Weg zurück

Skeptisch gibt sich Katzenschlager über den Konsum der Menschen. Angst vor Jobverlust herrsche bei vielen vor und so wird in erster Linie am Konsum gespart. Das beweist schon die sprunghaft gestiegene Sparquote, obwohl Sparen ja bei der momentanen Zinssituation spaßbefreit ist. Die Frage der Fragen ist: Werden die Menschen ihr Verhalten grundlegend ändern oder wird es nach dem Ende der Pandemie so weiter gehen wie bisher? Katzenschlager wird hier fast philosophisch: Entwickelt sich unser Leben vom „Haben“ zum „Sein“, entrümpeln wir unser Leben vom Materiellen, nicht Notwendigen? Für eine bessere, ökologischere Welt? Wird künftig Verzicht großgeschrieben? Und führt dieses Verzichten letzten Endes dann nicht auch auf einen Verzicht an Leistung? Aber machen wir die Welt besser, wenn es sich mehr und mehr potenzielle Leistungsträger auf dem Sofa gemütlich machen, um vom Erbe, kleinen Jobs und staatlichen Zuwendungen zu leben? Eher nicht, so Katzenschlager. Aber ein Zurück zur Old Economy sei auch nicht der richtige Weg, das habe schon Donald Trump vergeblich versucht.

Ökologisierung und Digitalisierung

Auch der Handel kann nicht einfach wieder an die Zeiten vor der Pandemie anknüpfen, ist Katzenschlager überzeugt. Online einkaufen hat sich nun auch in Bevölkerungskreisen durchgesetzt, die diesem bisher skeptisch gegenüberstanden und nun gilt es, sich gegen Amazon zu behaupten und die Sozialen Medien gekonnt einzusetzen.
 
Ökologisierung und Digitalisierung sind die wesentlichen Themen, damit Europa wieder optimistisch in die Zukunft blicken kann. Unter Ökologisierung will Katzenschlager aber keine Retrobewegung in irgendwelche aktuell verklärten alten Zeiten verstanden wissen. Und in der Digitalisierung ist Europa Schlusslicht, gegen die geballte Macht der Big Five Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft gilt es anzukämpfen. Doch die Möglichkeiten Europas hält Katzenschlager für begrenzt. Die Vielstimmigkeit der Länder hindert sie am durchschlagenden Erfolg und so verdienen sich die Big Five zwar eine goldene Nase, aber der Fiskus hat nichts davon. Sie bluten die steuerzahlenden Unternehmen aus und zahlen selbst kaum welche.

Tipps gegen die Krise

Gegen Ende des keine 150 Seiten zählenden Büchleins gibt Katzenschlager fünf Tipps, wie die Leser die Folgen der Coronakrise für sich und ihre Kinder meistern können. Diese sind praktisch und werden noch durch Hinweise zur weiteren Recherche unterstützt. Wir wollen sie hier verschweigen, schließlich soll das Werk ja auch gekauft und damit Autor und Verlag nützlich sein.
 
Man könnte Katzenschlager einen sehr eurozentrischen Blick vorwerfen, aber es geht ihm nun einmal um unsere Jobs und unsere Gehälter, um den Wohlstand Europas. Denn selbstverständlich ist es leichter, um auf ein von ihm angeführtes Beispiel zu verweisen, auf einen etwas größeren, neuen Fernseher zu verzichten als darauf, sich endlich vom mühsam Ersparten den ersten Fernseher überhaupt leisten zu können. Und das dürfte bei Millionen von Menschen auf dieser Welt der Fall sein.
 
Alles in allem finden wir in diesem Buch viele Ansichten und Einsichten, die wir selbst auch schon zumindest angedacht hatten – was als Lob und nicht Kritik verstanden werden soll. Denn vergnüglich bei allem kritischen Inhalt ist es allemal zu lesen, wie im lockeren Gespräch eben, nicht zu verwechseln mit einem Interview. Viele Leser sind ihm auch zu wünschen. Es wird dem Büchlein nur wie so vielen erhellenden Analysen gehen: Diejenigen, denen man es gerne auf die Stirne schreiben würde und denen als Folge der Krise nur höhere Steuern für die Leistungswilligen einfällt, werden es nicht zur Kenntnis nehmen, schon um nicht ihrer Filterblase zu entweichen.
Willibald Katzenschlager im Gespräch mit Silvia Jelincic:
Kommt der Corona-Crash?
 
Was Sie jetzt über Ihren Job und Ihr Geld wissen sollten.
edition a, Wien 2021, 18 Euro.

Sie können das Buch idealerweise über Ihren nahe gelegenen Buchladen beziehen, weniger über Amazon – das widerspräche der Intention des Autors. Oder direkt beim Verlag unter Kommt der Corona-Crash?

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