Florian Heider und Alexander Hillert, Leibniz-Institut SAFE

SAFE-Index im Plus: Führungskräfte in Sorge

Nach einem deutlichen Rückgang im vergangenen Monat sank der SAFE-Index zur Manager-Stimmung im Mai erneut leicht von +0,15 auf +0,10 Punkte. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Unsicherheit rund um die geopolitische Lage und deren Auswirkungen auf die künftigen Unternehmensgewinne zurückzuführen, die in den Analystenkonferenzen thematisiert wurde. Die Stimmung in den analysierten Finanzberichten verbesserte sich hingegen leicht aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung im ersten Quartal 2026.

Langfristig erwarten Unternehmen durch den Konflikt im Nahen Osten höhere Rohstoffpreise und Zinssätze. Höhere Kosten dürften damit die Unternehmensgewinne belasten, auch wenn die genauen Auswirkungen derzeit schwer abzuschätzen sind. Auch die US-Zollpolitik trägt weiterhin zu Unsicherheit bei.

Gleichzeitig sehen viele Unternehmen Effizienzsteigerungen und Kostenmanagement als entscheidende Faktoren, die es ermöglichen, trotz des schwierigen Umfelds starke Ergebnisse zu erzielen.

Dass der SAFE Manager Sentiment Index weiter sinkt, deutet darauf hin, dass Manager weiterhin vorsichtig bleiben, da sich der Konflikt im Nahen Osten hinzieht und Hoffnungen auf eine schnelle Normalisierung der Rohstoffversorgung bislang nicht erfüllt wurde.

Der starke Start in das Geschäftsjahr 2026 kann den eingetrübten Gewinnausblick nicht verdecken. Die Daten zeigen einen Trend, der bereits im vergangenen Monat zu beobachten war: eine Diskrepanz zwischen den soliden operativen Ergebnissen der Unternehmen im ersten Quartal und ihren anhaltend negativen Erwartungen für den Rest des Jahres.

Guter Start, doch der Konflikt im Nahen Osten trübt die Stimmung der Führungskräfte

Führungskräfte berichten von einem „guten Start“ ins Jahr 2026 und verwenden Formulierungen wie: „deutlich besser“, „starkes Wachstum“ oder „starke Performance“. Eine Führungskraft erklärte: „Q1 war ein starker Start in das Jahr 2026“, wodurch wir „leicht vor unserer internen Planung liegen, und die zugrunde liegenden strukturellen Treiber unseres Geschäfts weiterhin voll intakt sind.“

Dennoch betonen die Führungskräfte der börsennotierten Unternehmen die Herausforderungen durch die anhaltenden geopolitischen Konflikte. Eine Führungskraft bemerkte: „Die Unsicherheit bleibt hoch, wie für jedes Unternehmen.“ Obwohl sie „erfreut war, sagen zu können, dass wir einen starken Jahresauftakt hingelegt haben“, müsse das Geschäft „vor dem Hintergrund eines zunehmend komplexen und unsicheren makroökonomischen und geopolitischen Umfelds geführt werden, das nun zusätzlich durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten geprägt ist.“

Andere Führungskräfte verwiesen auf die möglichen Auswirkungen höherer Zinsen und beschrieben den Ausblick als „schwer vorhersehbar“ und „schwierig einzuschätzen“.

Effizienzsteigerungen mildern die Auswirkungen des schwierigen Umfelds ab

Mehrere Führungskräfte erwähnten, dass Effizienzgewinne die Profitabilität erhöhen. KI spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Eine Führungskraft sagte, dass man „basierend auf den Effizienzgewinnen, die wir sowohl durch unsere operative Umsetzung als auch durch KI-getriebene Produktivitätssteigerungen sehen, zuversichtlich bezüglich unserer Margenentwicklung sind.“

Eine weitere Führungskraft betonte, dass Effizienzsteigerungen helfen, negative Auswirkungen durch schwächere Verkäufe oder von Zöllen auszugleichen: „Operative Effizienz und disziplinierte Kostenkontrolle bleiben eine zentrale Priorität und unterstützen weiterhin die Profitabilität trotz niedrigerer erwarteter Umsätze.“

Im Vergleich zu früheren Krisen, etwa zu Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine, ist der Rückgang der Managerstimmung weniger stark ausgefallen. Die Bemühungen der Unternehmen, Kosten zu senken, Effizienz zu steigern und Lieferketten zu diversifizieren, scheinen die negativen Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten abzufedern. Dennoch bleibt ungewiss, wie lange diese Maßnahmen ausreichen werden, um die Profitabilität aufrechtzuerhalten.

Da die Lage im Nahen Osten weiterhin ungelöst ist, bleibt die Unsicherheit hoch. Dies zeigt sich auch in der Häufigkeit von Unsicherheitsbegriffen in der Kommunikation der Führungskräfte: Nach einem starken Anstieg auf 1,57 Prozent im Vormonat erhöhte sich der Wert in diesem Monat leicht auf 1,58 Prozent.

Aufgrund des ungelösten Konflikts im Iran ist die Unsicherheit ein zentrales Thema in der Kommunikation der Führungskräfte. Anders als bei messbaren Risiken ist die geopolitische Lage für Unternehmen schwer einschätzbar und schwierig in Planungs- und Investitionsentscheidungen einzubeziehen.

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte in Deutschland börsennotierter Unternehmen äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet wertvolle Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind.

Florian Heider

Florian Heider ist seit 1. Dezember 2022 Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE und Professor für Finance an der Goethe-Universität Frankfurt. In seiner Forschung befasst er sich vor allem mit Finanzintermediären, einschließlich ihrer Rolle für die Geldpolitik, sowie Marktdesign und Kapitalstruktur von Unternehmen. Seine akademischen Arbeiten sind in verschiedenen führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen. Nach wissenschaftlichen Stationen an der London School of Economics und der New York University Stern School of Business übernahm er ab 2004 verschiedene Positionen in den EZB-Generaldirektionen Forschung, Marktinfrastrukturen und Zahlungsverkehr sowie Geldpolitik. 

Alexander Hillert

Prof. Dr. Alexander Hillert ist Co-Direktor der Abteilung „Financial Intermediation“ und Professor für Finance und Data Science am Leibniz-Institut für Finanzforschung SAFE. Vor seiner Tätigkeit am SAFE hatte Hillert die Professur für Nachhaltiges Asset Management am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt inne. Er promovierte an der Graduate School of Economic and Social Sciences der Universität Mannheim. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen empirische Asset Pricing und empirische Unternehmensfinanzierung.