Von den Besten lernen: Benjamin Graham - der Begründer der modernen Aktien-Analyse

Rolf Morrien und Heinz Vinkelau
Bild: FinanzenVerlag Cover-Ausschnitt
 
Noch vor 100 Jahren wurde an den Aktienmärkten nur „gezockt“. Es wurde wild spekuliert, wie sich Unternehmen und Märkte entwickeln könnten. Und auf diese Erwartungen wurde dann an der Börse gewettet (ausgestorben ist diese Art der Börsengeschäfte leider auch heute noch nicht). Doch dann betrat Benjamin Graham das Feld. Faktenlose Spekulationen waren nicht seine Welt. Er wollte Börsenerfolg mit System. Er war der erste professionelle Anleger, der die Unternehmen systematisch unter die Lupe nahm. Er untersuchte, welche Vermögenswerte die börsennotierten Unternehmen besitzen, er betrachtete die Umsatz- und Gewinnentwicklungen und leitete daraus fundierte Prognosen für zu erwartende Geschäftserfolge ab. Aus diesen unterschiedlichen Zahlen berechnete Graham dann das Kursziel. Lag der aktuelle Aktienkurs deutlich unter dem berechneten fairen Wert, schlug Graham zu und kaufte die Aktie.

Vorsichtiger Investor

Warum kaufte Graham nur, wenn der aktuelle Kurs deutlich unter dem berechneten Kursziel lag? Zum einen sollte sich die Investition lohnen. Der Gewinn sollte groß genug sein, wenn der Aktienkurs Richtung Kursziel kletterte. Zum anderen war Graham ein vorsichtiger Investor und wollte daher immer eine Art „Sicherheitsabschlag“ auf den fairen Wert haben. Sollte dann eine überraschende Krise einsetzen, war die Aktie durch den Sicherheitsabschlag besser geschützt als die (zu) hoch bewerteten Aktien.

Er begann als Laufbursche

Aber wer war dieser Mann, der das Börsengeschäft revolutionierte, bahnbrechende Bücher über die Bewertung von Aktien schrieb und an der Universität Lehrmeister einiger der berühmtesten und reichsten Investoren aller Zeiten wurde? Benjamin Graham wurde am 9. Mai 1894 als drittes Kind der Eheleute Dora und Isaac Grossbaum in London als britischer Staatsbürger geboren. Seinen Geburtsnamen Grossbaum änderte er aufgrund der antideutschen Stimmung in den USA während des ersten Weltkriegs. Nach Kriegsende nahm Benjamin Graham auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach dem Studium fand Graham eine Anstellung in der Maklerfirma Newburger, Henderson and Loeb (NHL). Da er keine adäquate Ausbildung für eine Börsenkarriere hatte, sollte er die Firma zunächst im Rahmen von Aushilfstätigkeiten in den einzelnen Abteilungen kennenlernen. So begann Graham seine Börsenkarriere als Laufbursche im Abrechnungsbüro von NHL: „Ich begann als Laufbursche eines Maklerhauses und beendete meine Karriere als einer der Leiter eines bedeutenden Investmentfonds und Vorsitzender zweier größerer Unternehmen.“

Uni-Kurs als Geldquelle für Studenten

Graham liebte seinen Beruf und wollte sein Wissen an junge Menschen weitergeben. Daher startete er zusätzlich eine Universitätskarriere. Im Herbst 1927 begann Graham eine Lehrtätigkeit am Columbia College und an der New Yorker Börsen Schule, dem heutigen New York Institute of Finance. Das Thema seiner Vorlesungen war die Wertpapieranalyse. Der Kurs stieß auf großes Interesse und als sich herumsprach, dass der Praktiker Graham in seinen Kursen aktuelle Beispiele für unterbewertete Wertpapiere benannte, stieg die Besucherzahl im Folgejahr sogar noch weiter an. Graham kommentierte seinen Erfolg bei den Studenten wie folgt: „Diese wenigen Fälle von Aktien, die unterbewertet waren, verschafften meinem Kurs den Ruf, eine echte Geldquelle für alle zu sein, die ihn belegten.“

Lehrbuch über Value-Investing

Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 130er-Jahre traf aber auch Graham schwer. Ende 1932 startete er daher ein Vorhaben, das ihm ein zusätzliches Einkommen einbringen sollte und das er schon länger geplant hatte. Er unterschrieb zusammen mit seinem Assistenten Dave Dodd einen Autorenvertrag für ein Lehrbuch über das Value-Investing. Das Buch mit dem Titel „Security Analysis“ sollte zur Bibel der Wertpapieranalyse werden.

Besuch von Warren Buffett

Dieses Buch zog einen jungen Mann geradezu magisch an. Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren der modernen Wirtschaftsgeschichte, reiste zu Graham, wurde sein Student und später sein Mitarbeiter in dessen Investment-Firma. Nach diesen Lehrjahren machte sich Buffett selbstständig und führt noch heute, mit 87 Jahren, seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Sein alter Lehrmeister, Benjamin Graham, starb 1976 in Frankreich. Er wurde 82 Jahre alt.
 

Auf 100 Seiten das Wesentliche lesen

 
"Alles, was Sie über Benjamin Graham wissen müssen" ist das Buch der beiden Autoren Rolf Morrien und Heinz Vinkelau betitelt. Auf 100 Seiten das Wesentliche über den "Erfinder des Value-Investing" erfahren.
 
Erschienen ist das Buch im Mai 2018 als zweiter Band einer ganzen Reihe zu "Börsen-Legenden", die als Vorbilder für den Erfolg an der Börse dienen können und die wir hier vorstellen werden. Die 14,99 Euro sind mit Sicherheit eine lohnende Investition!
 
Mehr Informationen und die Möglichkeit zum Bestellen gibt es direkt beim FinanzBuch Verlag und selbstverständlich bei jedem Buchhändler um die Ecke!
Über die Autoren: 
Rolf Morrien, Jahrgang 1972, studierte in Münster und Wien Geschichte, Wirtschaft und Politik und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten. Danach war er Redakteur des Dienstes »Aktien-Analyse«. Seit 2002 leitet er den Börsendienst »Der Depot-Optimierer«. Im FinanzBuch Verlag sind von ihm die Börsenbestseller »Börse leicht verständlich«, »Börse ganz praktisch« und »Verschenken Sie kein Geld!« erschienen.
Heinz Vinkelau, Jahrgang 1963, studierte in Münster Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte. Nach Abschluss des Studiums war er als Existenzgründungsberater tätig. Seit mehr als 15 Jahren schreibt er als Redakteur für diverse Fachverlage.
                       

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Berkshire Hathaway B 188,96 0,11 %
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