Bild: Getty/Hannele Lahti
Wir halten zu lange an Verlustbringern fest und trennen uns zu schnell von Gewinneraktien – statt umgekehrt. Warum, wieso, weshalb zeigen Ihnen zum Beispiel die Börsenfallen Harmoniestreben und SelbstüberschätzungVerluste werden als persönliches Scheitern empfunden und wir haben eine ausgeprägte Disposition, dies verhindern zu wollen. Das Nachkaufen ist eine gern gewählte Option, um mit einem blauen Auge aus einer Position wieder heraus zu kommen.
 
Der typische Fall sieht so aus: Wir haben eine Aktie zu 100 Euro erworben, weil sie sich im Aufwind bewegte, weil viel darüber geschrieben und ein entsprechender Wirbel veranstaltet worden war. Doch kaum hatten wir unser Depot mit dem wertvollen Papier bestückt, begann die Reise nach unten. Wir mussten also schmerzliche Verluste hinnehmen und beschließen, dass unser Papier jetzt doch eigentlich zum Schnäppchenpreis von 70 Euro viel zu schnell gefallen ist und kaufen nach. Damit hat sich der Durchschnittspreis auf 85 Euro verringert. Der Antrieb für unser Nachkaufen ist meist nur noch das Verhindern des Scheiterns und nicht mehr die neutrale Beurteilung der unternehmerischen Entwicklung des betreffenden Unternehmens in der Zukunft. Wir haben jegliche Objektivität verloren und setzen auf das Prinzip Hoffnung. Verläuft die Kursentwicklung der Aktie weiter südwärts, hat diese Position aufgrund der höheren Gewichtung in unserem Depot nun die Kraft, die Gesamtperformance unseres Depots in Mitleidenschaft zu ziehen. Erholt sich das Wertpapier wieder in Richtung unseres durchschnittlichen Einstandskurses, wird in der Regel verkauft, denn die Möglichkeit, mit einer schwarzen/roten Null der zwischenzeitlichen, schmerzvollen Erfahrung eines Verlustes entfliehen zu können, wird als Sieg empfunden. Und wer verbucht Siege nicht gern auf dem Konto »Können«.

Nachkaufen raubt Ihnen den Schlaf

Dies ist der Grund, weshalb viele Anleger die »Kunst des Nachkaufens« sogar zur festen Regel machen. Man sollte jedoch niemals außer Acht lassen, dass die Zusammenstellung des Depots – neudeutsch die Depotallokation – in gefährlicher Weise verschoben wird. Geradezu existenzbedrohend für das Depot kann es werden, wenn der Kurs der Aktie weiter sinkt und wir das Nachkaufen nicht lassen können und auch zu Kursen bei 60 Euro und darunter weiter Pyramiden dieses Wertpapieres bauen. Häufig werden dann auch noch die Gewinneraktien verkauft, um wieder Munition für das »Nachkauf-Schlachtfeld« zu haben. Spätestens dann kommt die Sicherheit bringende Diversifikation auf die schiefe Bahn. Denken sie an das letzte Jahrzehnt. Was wäre passiert, wenn sie mit der Methode des exzessiven Nachkaufens in der Telekom, in der Commerzbank oder gar in deutschen Solarwerten aktiv gewesen wären. Für so manche Anleger war das bittere Realität.
 
Bei Aktien gilt konsequent die Regel: Würde ich die Aktie zu diesem Preis auch kaufen, wenn ich sie nicht schon im Depot hätte?
 
Und für das Depot insgesamt gilt konsequent die Regel: Halten Sie diszipliniert an der breiten Streuung/Diversifikation in Ihrem Depot fest. Übergewichtungen eines Wertes/einer Branche gefährden die Gesamtrendite und rauben Ihnen den gesunden Schlaf.

Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung an der Börse München, setzt sich seit Jahren mit den Psychofallen an der Börse auseinander: als leidenschaftlicher Trader wie als distanzierter Marktbeobachter, als Referent und Autor. In seiner Serie zeigt er die Fallen auf, in die wir Anleger so gerne hineintappen, und gibt Tipps, wie sie vermieden werden können.
Nachzulesen auch in Norbert Betz, Ulrich Kirstein:»Börsenpsychologie simplified«, 2. Auflage 2015
Das Buch befasst sich auf knapp 200 Seiten mit der Psychologie der Märkte und zeigt Anlegern an vielen Beispielen aus Theorie und Praxis, wie sie STUSS erkennen und vermeiden sowie mit dem STAR-Konzept zum Erfolg kommen können.

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