Die Voraussetzungen für eine Weihnachtsrally sind gegeben

Adrian Roestel, Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung
Adrian Roestel / Bild: Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung
Zwei wichtige Themen beherrschen dieser Tage die Börsen: Der Ausgang der US-Wahl sowie Nachrichten zur Entwicklung eines hochwirksamen COVID-19-Impfstoffs. Dies könnte der Auftakt einer veritablen Weihnachtsrally sein.
Zunächst zur US-Wahl. Der demokratische Herausforderer Joe Biden hat den Kampf ums Weiße Haus für sich entschieden. Zwar klagt das Lager von Donald Trump auf mehreren Ebenen gegen das Ergebnis, wir gehen dennoch davon aus, dass es Bestand haben und Joe Biden im Januar zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wird.
 
Was bedeutet diese Situation für die Aktienmärkte? Viel Gutes, wie die Reaktion der Wall Street gezeigt hat. Angeführt von den Technologietiteln zogen der S&P 500 und andere Indizes seit Donnerstag kräftig an. Die Gründe für diese unerwartet positive Reaktion sind vielfältig. Einer der wichtigsten: Die Wall Street geht davon aus, dass der Senat (hier standen 35 von 100 Sitzen zur Wahl) weiterhin in republikanischer Hand sein wird. Ein demokratischer Präsident, der für seine innenpolitische Agenda auf das Wohlwollen der Republikaner angewiesen ist, ist für die Börse fast eine Traumkonstellation.

Konjunkturpaket für Unternehmen

Investoren gehen nun davon aus, dass sich beide Seiten relativ rasch und noch vor Bidens Vereidigung auf ein neues Konjunkturpaket einigen werden. Dies dürfte mit erwarteten 1000 Milliarden US-Dollar jedoch deutlich kleiner ausfallen als das ursprünglich von den Demokraten geplante 2-Billionen-Dollar-Programm und somit den Haushalt erheblich weniger stark belasten. Zudem wird es weniger auf Verbesserungen bei den unteren Einkommen und der Mittelschicht abzielen, sondern eher Unternehmen stützen – was Investoren ebenfalls schätzen. Und die befürchteten, von den Demokraten thematisierten Steuererhöhungen, die der Wirtschaft schaden könnten, wird es mit einem republikanischen Senat ebenfalls nicht geben.
 
Dass ausgerechnet die Aktien der Tech-Werte haussierten, hängt mit abnehmenden Sorgen vor einer stärkeren behördlichen Kontrolle zusammen. Mit einer Biden-Präsidentschaft und einem geteilten Kongress werden eine Aufspaltung der großen Tech-Konzerne oder ähnliche Vorhaben sehr unwahrscheinlich.

USA als verlässlicher Partner

Auch auf internationaler Ebene dürfte eine Biden-Präsidentschaft stimulierend wirken. Bidens Außen- und Handelspolitik wird im Ton deutlich milder ausfallen, die USA werden wieder als verlässlicher Partner auftreten – auch wenn es in der Sache unterschiedliche Auffassungen (z.B. Nordstream 2) zwischen Europa und den USA gibt. Neue Handelsstreitigkeiten mit Importzöllen auf beiden Seiten sind ebenfalls nicht zu befürchten, der Sanktionsdruck auf chinesische Unternehmen von Seiten der USA wird abnehmen. All dies sind positive Signale für die Weltwirtschaft. Deutschland mit seiner exportlastigen Wirtschaft profitiert besonders stark von einem vernünftigeren Verhandlungsklima.
 
Unter dem Strich sieht die Wall Street also ein Goldilocks-Szenario: Der Aufschwung der US-Konjunktur gewinnt an Dynamik, wie die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten und die immer optimistischer werdende Unternehmensstimmung zeigen, ohne dass die Staatsschulden durch überdimensionierte Fiskalprogramme völlig aus dem Ruder laufen und die Zinsen nach oben treiben. Und auf internationaler Ebene führt ein Zurückfahren der Handelskonflikte zu einem Stimulus der Weltkonjunktur.

Ein wirksamer Impfstoff

Am gestrigen Montag sorgte zudem eine Nachricht bezüglich der Wirksamkeit eines COVID-19-Wirkstoffs für zum Teil euphorische Reaktionen an der Börse. Der Impfstoff, der von dem US-Pharmakonzern Pfizer und dem Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech entwickelt wird, hat ersten Ergebnissen zufolge in der wichtigen Phase-3 Studie eine 90prozentige Reaktion auf Antikörper gezeigt. Das heißt: Es gibt offenbar einen wirksamen Impfstoff – auch wenn er noch nicht von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen ist. Eine Notfallzulassung der FDA dürfte aber ziemlich sicher sein. Experten erwarten, dass bereits in diesem Jahr bis zu 100 Millionen Einheiten des Impfstoffs zur Verfügung stehen werden, 2021 sollen es bis zu 1,3 Milliarden sein. Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung.

Ein gutes Fundament für anhaltende Kursgewinne

Beide Ereignisse zusammen, der Ausgang der US-Wahl und die erwartete Verfügbarkeit eines COVID-Mittels, sind aus Sicht von Huber, Reuss & Kollegen ein gutes Fundament für anhaltende Kursgewinne an den Aktienmärkten. Unter Umständen steht uns sogar eine veritable Weihnachtsrally bevor. Zumal auch von Seiten der US-Notenbank Fed keine Maßnahmen zu erwarten sind, die dämpfend wirken.
 
Bleibt nur eine Unsicherheit, und die betrifft nochmal die US-Wahl. Ob die Republikaner tatsächlich den Senat dominieren werden, ist noch nicht entschieden. Am 5. Januar finden in Georgia zwei Stichwahlen über zwei noch offene Senatssitze statt. Aktuell kommen die Republikaner auf 50 der 100 Senatssitze. Sollten sie am 5. Januar mindestens eine der beiden Stichwahlen gewinnen, ist ihnen die Mehrheit sicher. Können die Demokraten jedoch beide Wahlen für sich entscheiden, stellen sie ebenfalls 50 Senatoren. In diesem Fall hätten sie die Mehrheit, da dann die Stimme der neuen Vizepräsidentin Kamala Harris hinzugezogen wird. Wie das Rennen ausgehen wird, ist schwer einzuschätzen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass die Republikaner mindestens einen Sitz gewinnen werden. Doch das kann sich in den kommenden Wochen ändern.
Von Adrian Roestel ist Leiter Portfoliomanagement bei Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung

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