Renaissance der Skontroführung - mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank

Carsten Stern, Nebenwerte-Journal
Bild: Börse München / Unibrand
Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das vielfach als margenschwach gebrandmarkte Geschäft der Skontroführung bescherte dem Maklerhaus mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG aus Gräfelfing einen Gewinnsprung im Jahr 2016. Im 1. Halbjahr 2017 lief es, unterstützt durch freundliche Börsen, ebenfalls rund. Für Aktionäre bedeutet das: Eine steuerfreie Dividende von 0,33 Euro für 2016 und die berechtigte Hoffnung auf eine Ausschüttung im laufenden Jahr

Lukrativer Beteiligungsverkauf

Nicht nur die Ergebnisse der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG haben sich im Jahr 2016 signifikant verbessert, sondern auch die Aktie hat nach der Dividendenankündigung im Mai 2017 zu einem wahren Höhenflug angesetzt. Am 20.7.2017 kostete das Papier 3,28 Euro an der Börse München. Im Nebenwerte-Journal 5/16 waren es 1,65 Euro gewesen. Ausgeschüttet wurden 0,33 (0,05) Euro je Aktie und damit der gesamte Gewinn aus dem Verkauf der Finanzbeteiligung Xcom, an der MWB zuletzt noch mit 9,4 Prozent beteiligt war. Wie Vorstandssprecher Thomas Posovatz in der HV am 19.7.2017 erläuterte, sei das Angebot der Fintech Group von 87,50 Euro je Xcom-Aktie zu attraktiv gewesen, um es auszuschlagen. Der Verkauf spülte 4,65 Mio. Euro brutto in die Kasse. Als Gewinn blieben 2,2 Mio. Euro bzw. 0,30 Euro je Aktie hängen. Die Zusammenarbeit mit Xcom, deren Software MWB weiter nutzt, bleibt von der Verkaufsentscheidung unberührt.

Bereinigter Gewinn nahezu verdoppelt

Auch ungeachtet dieses Einmalertrags gelang MWB ein gutes Geschäftsjahr 2016, das Posovatz sowohl auf die Rückkehr der Privatanleger an die Börse als auch auf eine höhere Zahl betreuter Skontren in Kombination mit einem deutlich verbesserten Risikomanagement und Handelsinfrastruktur zurückführte. MWB führte per Ende 2016 immerhin 24.000 Orderbücher. Nach Übernahme von weiteren 3.000 Renten-Skontren auf Tradegate sollen es Ende 2017 mindestens 27.000 Orderbücher sein. Dadurch, dass MWB in begrenztem Maß Positionen auf das eigene Buch nimmt und damit für die notwendige Liquidität sorgt, verbesserte sich das Handelsergebnis auf 12,1 (11,6) Mio. Euro. Das Provisionsergebnis zog auf 3 (2,6) Mio. Euro an. Das um den Xcom-Verkauf bereinigte Jahresergebnis stellte sich auf 1,3 (742.000) Euro bzw. 0,17 (0,10) Euro je Aktie vor Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken. Inklusive des Verkaufs schnellte das Jahresergebnis auf 3,4 (0,7) Mio. Euro bzw. 0,47 (0,10) Euro je Aktie in die Höhe.

Weiterhin strikte Kostendisziplin

Mit diesem erfreulichen Ergebnis konnte MWB das Eigenkapital weiter stärken. Es stellte sich per 31.12.2016 auf  12 (9,3) Mio. Euro bzw. 1,61 (1,24) Euro je Aktie. Das ist der höchste seit fünf Jahren. Der Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 5 (4,9) Mio. Euro muss bei der Betrachtung des aufsichtsrechtlichen harten Kernkapitals noch dazugezählt werden. Das entspräche 17 Mio. Euro bzw. 2,28 Euro je Aktie. Die Liquidität kletterte auf auskömmliche 15,1 (9,5) Mio. Euro. Das Prinzip der strikten Kostendisziplin will Posovatz beibehalten. So stiegen die wesentlichen Kostenpositionen Personal und Andere Verwaltungsaufwendungen jeweils nur unterproportional auf 4,9 (4,7) Mio. Euro bzw. € 8,9 (8,5) Mio. Euro.

Kapitalmarktgeschäft steht vor Wiederbelebung

MWB holte Kai Jordan an Bord, der zuvor in Diensten von Steubing stand. Mit ihm und seinem Team soll das lange Zeit nur nebenbei laufende Kapitalmarktgeschäft neu belebt werden. Im 3. Quartal 2017 hofft Posovatz einen Börsengang im Volumen von 25 Mio. Euro präsentieren zu können. Die Vorgespräche seien weit fortgeschritten. Für 2017 rechnet er damit, dass der Bereich Corporates & Markets trotz der damit unweigerlich verbundenen Kosten mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen wird. Diese Prognose scheint uns sehr konservativ, denn bereits im 1. Halbjahr steuerte dieses Segment 12 Prozent des Ergebnisses bei. Der Grund ist einfach: Jordan hat nach seinem Wechsel Geschäft mitgebracht.

Gewinn im ersten Halbjahr verdreifacht

Nach vorläufigen Zahlen erzielte MWB ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 2,2 Mio. (652.000) Euro sowie ein Periodenergebnis von 2 Mio. (658.000) Euro bzw. 0,27 (0,09) Euro. Darin ist bereits eine vorsorgliche Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken von 526.000 (0) Euro enthalten. Das Provisionsergebnis schnellte bei etwa konstanten Wertpapierumsätzen um 82 Prozent auf 2,5 (1,4) Mio. Euro in die Höhe. Das Handelsergebnis stieg um 40 Prozent auf 8,4 (6) Mio. Euro. Sondereffekte oder Einmalgeschäfte, die diesen Sprung ausgelöst haben, gab es im 1. Halbjahr nicht. Vielmehr macht sich hier der geänderte Ansatz in der Skontroführung positiv bemerkbar. Auch wenn sich das Halbjahres-Ergebnis nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen lässt, so stufen wir die Chance auf schwarze Zahlen und damit eine erneute Dividendenausschüttung für 2017 als groß ein.

Fazit: Konzentration auf Skontroführung

Wenn unsere Hochrechnung eines Ergebnisses je Aktie von 0,30 Euro für 2017 stimmen sollte, dann dürfte die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG 0,15 Euro je Aktie für 2017 ausschütten. In Jahren, in denen keine größeren Investitionen anstehen, will das Maklerhaus bis zu 50 Prozent des Gewinns an ihre Anteilseigner auskehren. Die Rendite läge demnach auf dem aktuellen Kursniveau bei attraktiven 4,5 Prozent. Wie es scheint, macht sich die Konzentration auf die Skontroführung in Kombination mit einem strikten Risikomanagement bezahlt. Sollte die freundliche Grundstimmung an der Börse Bestand haben, wovon wir ausgehen, dürfte MWB weiterhin gutes Geld verdienen. Dann hätte die Aktie ihre Höchstkurse wohl noch nicht erreicht.
Der Artikel erschien zuerst im Nebenwerte-Journal 8/2017

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