Spannende Zeiten bei Henkel

Werner W. Rehmet, MyDividends
Werner W. Rehmet / Bild: MyDividends
Die Wertentwicklung des DAX-Titels Henkel auf Sicht der letzten Jahre fällt eher ernüchternd aus. Dennoch überzeugt die bisherige Dividendenhistorie und die Wachstumsaussichten für die Konsumgüterindustrie sind durchaus positiv.

Vorstandswechsel bei Henkel

Im Jahr 2016 endete nach acht Jahren die Amtszeit von Kasper Rorsted als damaliger CEO des DAX-Konzerns Henkel. Es war eine erfolgreiche Phase. Der Aktienkurs von Henkel hatte sich seit Rorsteds Antritt rund vervierfacht. Der Däne wechselte zu Europas größtem Sportartikel-Hersteller Adidas, wo er seither ebenfalls erfolgreich agiert. Weniger Glück hatte Rorsteds Nachfolger Hans Van Bylen bei Henkel, der das Familienunternehmen zum Jahreswechsel frühzeitig verlassen musste. Neuer Chef wurde Carsten Knobel, der bereits 25 Jahre bei Henkel arbeitet, zuletzt als Finanzvorstand. Zum Finanzvorstand berufen wurde er damals noch von Kasper Rorsted, der große Stücke auf den neuen Henkel-Chef setzt. Nachfolger von Knobel als Finanzvorstand wurde Marco Swoboda, der seit 1997 bei Henkel tätig ist.

Aktienkurs enttäuscht

Der neue Henkel-Chef hat große Aufgaben vor der Brust. So soll er den Konzern fit für die Zukunft machen und natürlich den Aktienkurs nach oben hieven. Seit Mitte 2017 (128,90 Euro) bis Mitte 2019 (81,78 Euro) hatte die Aktie von Henkel (Vorzüge) rund 36 Prozent nachgegeben. Seitdem befindet sich der Wert wieder in einem leichten Aufwärtstrend bis zuletzt 92,30 Euro.

Der Traditionskonzern aus Düsseldorf ist in den drei Geschäftsfeldern Adhesive Technologies (Klebstoff-Technologien), Beauty Care (Schönheitspflege) und Laundry & Home Care (Wasch- / Reinigungsmittel) tätig. Das Unternehmen wurde 1876 gegründet und beschäftigt heute weltweit rund 53.000 Mitarbeiter. Der Unternehmensbereich Adhesive Technologies produziert Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen für Industriekunden sowie Konsumenten, Handwerk und Bau. Der Geschäftsbereich steht für immerhin 47 Prozent des Umsatzes von Henkel im Jahr 2018. Bekannte Marken sind hier Loctite oder auch Pritt und Pattex.

Der Bereich Beauty Care (Schönheitspflege) deckt im Markenartikelgeschäft die Bereiche Haarkosmetik, Körper-, Haut- und Mundpflege sowie das Friseurgeschäft ab. Dieser Bereich stand 2018 für 20 Prozent des Umsatzes. Zu den Top-Marken zählen hier Schwarzkopf oder auch Dial und Syoss. Rund 32 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Unternehmensbereich Laundry & Home Care mit Markenartikeln im Wasch- und Reinigungsmittelsektor. Hierzu gehören Persil oder auch Pril und Sidolin.

Klebstoffsparte geprägt von Volatilität

Insbesondere die Klebstoffsparte ist derzeit von der Unsicherheit bei der industriellen Nachfrage geprägt. Dies zeigt auch die grundlegende Problematik. Das Industriegeschäft ist von Volatilität geprägt, wohingegen sich die Verkäufe von Waschmitteln, Kosmetik oder auch Shampoos stabil entwickeln. Aufgrund der steigenden Weltbevölkerung und dem Wachstum in den aufstrebenden Ländern wird der Konsumgüterindustrie auch weiteres Wachstum prophezeit. So haben die größten Konsumgüterkonzerne der Welt im Jahr 2018 ihren Umsatz um 6 Prozent steigern können. Hinzu kam eine hohe Rentabilität von durchschnittlich 18,2 Prozent. Zu den größten Konsumgüterkonzernen gehörten im Jahr 2018 Nestlé, Procter & Gamble oder auch PepsiCo. Henkel lag hier „nur“ auf Rang 33. Die Rentabilität enttäuscht im Vergleich zu den Wettbewerbern. So soll die EBIT-Marge im Jahr 2020 von den für 2019 prognostizierten 16,2 Prozent auf rund 15 Prozent sinken. Immer wieder tauchen daher auch Wünsche einzelner Investoren auf, über eine Abspaltung der Klebstoffsparte nachzudenken.

Derzeit prüft der Düsseldorfer Konzern einen Umbau seiner Sparte Beauty & Care. Henkel wird auch ein Interesse an der Haarpflegemarke Wella nachgesagt. Die JAB Holding der Milliardärsfamilie Reimann will Wella wieder losschlagen. In der Zukunft will Henkel auch weniger Plastikverpackungen für seine Produkte verwenden. So sollen für mehrere Produkte in Drogerieketten in Tschechien Nachfüllstationen getestet werden.  

Wie im Dezember berichtet wurde, geht Henkel für den Konzern im Geschäftsjahr 2020 von einer Entwicklung des organischen Umsatzwachstums in der Bandbreite von 0 bis 2 Prozent aus. Für das Geschäftsjahr 2019 erwartete Henkel zuletzt eine ungefähr stabile organische Umsatzentwicklung. Aufgrund des Industrieumfelds sowie höheren Investitionen in Marketing und Werbung sowie Digitalisierung und IT geht Henkel für 2020 von einer Belastung für die Ergebnisentwicklung aus. Zuletzt wurde für das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) für das Geschäftsjahr 2020 ein Rückgang um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentwert bei konstanten Wechselkursen gegenüber einem Erwartungswert in Höhe von rund 5,45 Euro für das Jahr 2019 erwartet. Bei Vorlage der Jahreszahlen 2019 Anfang März wird sich zeigen, ob Henkel an den Prognosen festhält und ob sich Risikofaktoren wie die Entwicklung des Coronavirus negativ auf das Geschäft auswirken.

Dividende seit 1986

Henkel ist im Jahr 1985 an die Börse gegangen und zahlte im Jahr 1986 erstmals eine Dividende. In den letzten 9 Jahren wurde die Dividende jedes Jahr erhöht. Zuletzt lag die Ausschüttung bei 1,85 Euro je Vorzugsaktie nach 1,79 Euro im Jahr zuvor. Wie Henkel auf seiner Webseite mitteilt, konnten Anleger seit der Emission der Henkel-Vorzugsaktie im Jahr 1985 bis Ende 2018 bei Wiederanlage der Dividenden (ohne Steuerabzug) eine durchschnittliche jährliche Verzinsung von 11,1 Prozent erzielen. Der DAX erreichte im selben Zeitraum eine jährliche Verzinsung von 6,9 Prozent. Die Familie Henkel hält 61,2 Prozent der Stammaktien.
Werner W. Rehmet ist der Gründer und Herausgeber von MyDividends. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium durchlief er mehrere Stationen bei renommierten Bankhäusern. In langjährigen Aufenthalten an der Wall Street und an wichtigen Finanzzentren wie Zürich setzte er sich intensiv mit verschiedenen Börsenthemen auseinander. Hier folgten auch erste Medienauftritte und Publikationen zu zahlreichen Börsenthemen. Seine umfangreichen Kenntnisse im Börsengeschäft führten schließlich zur Gründung der Börsenplattform MyDividends.de, die sich ausschließlich dem Thema Dividenden widmet, unter dem Motto „der Ertrag zählt“.
Auf der Website der Börse München finden Sie jederzeit aktuelle Dividenden-News unter der Sparte Nachrichten!
Hinweis: Werner W. Rehmet kann Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten und somit kann ein möglicher Interessenskonflikt bestehen.

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