Bild: BBAG/Freund
Luxus läuft immer. Die neuen Reichen kommen heute aus China und setzen  auf  Qualität  und  starke  Marken.  Anbieter  von  Luxusware  profitieren.  Wie Anleger sich ein Stück vom Kuchen abschneiden können.
Konjunktursorgen? Kaufzurückhaltung? Es gibt Branchen, in denen sind diese Begriffe fast so etwas wie Fremdworte. Dazu zählt auch die Luxusgüterbranche, die in den vergangenen Tagen auch aufgrund der geplanten Übernahme der US-Juwelierkette Tiffany durch den Luxusgüterkonzern LVMH Schlagzeilen macht. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Gespräche verzeichneten beide Papiere kräftige Zuwächse. Vor allem für Tiffany ging es um stattliche 30 Prozent nach oben. Die geplante Übernahme ist nur ein Indiz dafür, dass Luxusgüter ein einträgliches Geschäft sind. Fakten liefern dagegen Marktforscher wie Bain. Demnach wird das Geschäft mit Luxusmarken im laufenden Jahr erneut deutlich zulegen und auf  276 Milliarden US-Dollar anwachsen. 2018 ging es bereits um sechs Prozent auf 260 Milliarden Dollar nach oben.

Chinesen entdecken das Reisen für sich

„Das globale Luxusgütergeschäft hat sich auf einem hohen Wachstumsniveau eingependelt“, stellt  Bain-Partner und Luxusgüterexperte Oliver Merkel fest. „Und diese neue  Normalität wird sich bis 2025 mit  jährlichen Zuwachsraten von drei bis fünf Prozent fortsetzen.“ Bei Bain macht man für diese Entwicklung in erster Linie die Kauflust asiatischer Konsumenten verantwortlich. Demografische Faktoren und das wachsende Bildungsniveau sorgen dafür, dass die Mittelschicht in Asien wächst. Viele wollen sich etwas gönnen und eifern nicht selten dem westlichen Lebensstil nach.
 
Luxusgüterkonzerne wie Ralph Lauren, LVMH, Christian Dior oder auch Kering profitieren von diesem Trend. Statt eines begrenzten Angebots geht die Entwicklung im Luxussegment dahin, gleich mehrere Marken im Portfolio zu haben. Auf die Spitze getrieben hat diese Strategie LVMH; das französische Unternehmen möchte neben Mode und Lederwaren auch Uhren, Schmuck, Champagner, Parfums und andere teure Güter an vermögende Kunden bringen. Seit Kurzem zählen auch Luxushotels zum umfassenden Portfolio des Konzerns aus Paris. Gerade das Reisen gilt als Wachstumsmarkt. Die Weltorganisation für Tourismus verweist auf Zahlen, wonach bis 2025 rund 220 Millionen Chinesen dazu in der Lage sein werden, die Welt zu  bereisen. Noch um die Jahrtausendwende waren es lediglich 10 Millionen.
 
Doch nicht nur die Entwicklung im Reich der Mitte macht Mut. Schließlich werden die Vermögen weltweit Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiterhin hübsche Wachstumsraten aufweisen. So wird das globale Vermögen laut dem „Global Wealth Report 2019“ der Credit Suisse bis zum Jahr 2024 um 27 Prozent auf 459 Billionen Dollar zulegen. Parallel dazu wird auch die Anzahl der Millionäre – also die Zielgruppe der Luxusgüterkonzerne  - kräftig klettern,  und zwar von derzeit etwa 46,8 Millionen auf fast 63 Millionen Dollar-Million.

Markt für Luxusmarken bleibt schwierig

Mit der Offerte für Tiffany dürfte LVMH seine Vormachtstellung im Bereich der Luxusgüter weiter ausbauen. Doch ist die Aktie als alleiniges Investment geeignet? Zwar entwickelte sich der Geschäftsverlauf über die Jahre positiv und auch die Zukäufe machten durchaus Sinn. Doch hat sich der Erfolg von LVMH bereits herumgesprochen und für hohe Bewertungen gesorgt. Wer auf den großen Namen und das umfassende Portfolio schielt, verkennt die Gefahr von Rückschlägen, sollte es in der Branche einmal doch nicht mehr so rund laufen.
 
Trotz des gut bestückten Portfolios sollten Anleger auch bedenken, dass der Markt für Luxusgüter durchaus Trends und Stimmungen unterworfen ist. Was heute angesagt ist, kann schon morgen bei anspruchsvollen Kunden als billig gelten. Wer Luxusgüter kauft, möchte sich schließlich abgrenzen. Wie eine Untersuchung des chinesischen Wirtschaftsexperten Wu Xiaobo von 60.000 Vertretern der chinesischen Mittelschicht gezeigt hat, spielen Mundpropaganda und das persönliche Umfeld eine große Rolle, wenn es darum geht, sich für Produkte oder Dienstleistungen zu entscheiden. Auch neue Medien wie WeChat haben demnach einen großen Einfluss auf das Konsumverhalten der chinesischen Mittelschicht. Für sich schnell wechselnde Trends und Stimmungen sind das gute Voraussetzungen.

Alltagssorgen lassen Luxusmarkt kalt

Um als Anleger vom Zuspruch zu Luxusgütern zu profitieren, ohne sich zu stark hohen Bewertungen und schwankenden Trends  auszusetzen, bieten sich  Fonds an. Im Bereich aktiv verwalteter Produkte haben sich Fonds wie der GAM Luxury Brands Equity  und  der KBC Equity  Fund Luxury & Tourism einen Namen gemacht. Doch auch ETFs können überzeugen. Der Amundi Index Solutions – Amundi S&P Global Luxury hat neben LVMH (7,74 Prozent), auch Richemont  (5,78 Prozent),  Kering  (5,69 Prozent),  Daimler  (5,57 Prozent), Estee Lauder (4,85 Prozent) oder Nike (4,55 Prozent) im Portfolio und ist thematisch mit rund 80 Titeln etwas  breiter aufgestellt  als  aktiv verwaltete Fonds. Im laufenden Jahr gelang dem ETF mit einer Rendite von rund 21 Prozent eine beeindruckende Entwicklung und auch auf Sicht von fünf Jahren überzeugt die jährliche Rendite von gemittelt rund 9,5 Prozent. Die Gesamtkostenquote von nur 0,25 Prozent jährlich ist in diesen Zusammenhang fast zu vernachlässigen.
 
Obwohl der Aufstieg Chinas wirkt, als könne ihn nichts gefährden, sollten Anleger ein Investment in Luxusgüterkonzerne nicht als Selbstläufer sehen. Ein Großteil der positiven Entwicklung erscheint aktuell bereits eingepreist. Die  Großen der  Branche wie LVMH sind schon heute ambitioniert bewertet. Unter  diesen  Voraussetzungen  könnte bereits eine  kleine Wachstumsdelle in China Auswirkungen auf die Börsenkurse haben – schließlich wird auf dem Parkett in erster Linie die Zukunft gehandelt. Mit einem diversifizierten  Investment  können  Luxusgüter einem Portfolio  aber  auch Stabilität verleihen. Wenn hierzulande von der schwächelnden Industrie die Rede ist, lässt dies die neuen Reichen und Schönen im Reich der Mitte vorerst kalt. Kaufzurückhaltung dürfte für viele dieser potenziellen Kunden von LVMH und Co. auch weiter ein Fremdwort bleiben.
Der Artikel erschien zuerst im Newsletter der DSW - Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, 11/2019

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Richemont 74,04 N.A.
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Daimler 50,48 0,97%
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Kering 558,40 2,27%
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Christian Dior 451,80 0,71%
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GAM Luxury Brands Equity B EUR 314,65 0,00%
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Amundi S&P Global Luxury UCITS ETF EUR thesaurierend 133,48 0,72%
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Nike -B- 88,21 0,55%
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Ralph Lauren Rg-A 103,14 3,78%
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