Keine KI-Blase – vereinzelt aber Übertreibungen

Alexander Pirpamer und Marcel Huber, Black Point Asset Management
Alexander Pirpamer und Marcel Huber / Bild: Black Point Asset Management
Im weiteren Jahresverlauf erwarten wir größere Marktschwankungen. In unserem aktuellen
Marktausblick erläutern wir, warum wir die Kursentwicklung von KI-Papieren aufgrund des hohen Potenzials der Technologie für grundsätzlich gerechtfertigt halten und warum wir Anleihen aktuell übergewichten.
 Viel schlimmer als im historisch schlechten Kapitalmarktjahr 2022 hätte es dieses Jahr nicht kommen können. Tatsächlich lief 2023 bislang deutlich besser als erwartet. Sorgen bezüglich der Auswirkungen des Ukrainekriegs und der damit verbundenen Rohstoff- und Energieknappheit erwiesen sich als ebenso übertrieben wie Bedenken hinsichtlich der Lieferketten.
 
In den Vereinigten Staaten ist der Arbeitsmarkt nach wie vor stark, während die Inflation ihren
Höhepunkt überschritten zu haben scheint. Dafür sprechen auch die Gebrauchtwagenpreise, die einen nützlichen Indikator für die Entwicklung der Teuerung darstellen. In der Eurozone rechnen wir im Vergleich zu den USA noch mit stärkeren Zinserhöhungen.
 
Diese restriktive Geldpolitik schürt seit letztem Jahr Rezessionsängste, trotzdem präsentiert sich die Konjunktur beiderseits des Atlantiks robust. Wir erwarten gegen Ende dieses Jahres beziehungsweise im ersten Quartal 2024 eine Wachstumsdelle, gehen jedoch von keinem massiven Konjunktureinbruch aus. Allerdings ist bis Jahresende bei Aktien aufgrund der weiterhin bestehenden Unsicherheiten mit erhöhten Schwankungen zu rechnen.

Künstliche Intelligenz treibt Aktienmärkte

Seit Jahresbeginn sind die Aktienkurse deutlich gestiegen. Gemessen am MSCI World Index hat
der globale Aktienmarkt um rund 12 Prozent zugelegt (in Euro, Stand: 17. Juli 2023). Die Erholung wurde jedoch von wenigen, zuvor stark unter Druck stehenden Firmen und Sektoren angetrieben – insbesondere von Wachstumswerten aus der Technologiebranche, die zusätzlich vom aktuellen Boom Künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. Dabei sind vor allem die ‚alten Bekannten‘ wie Microsoft, Apple oder Meta zu nennen. Waren die massiven Kursgewinne nun gerechtfertigt oder ist bereits eine Blasenbildung zu sehen? Aus unserer Sicht dürfte die Rally vereinzelt zu Überbewertungen geführt haben, Übertreibungen auf breiter Basis sehen wir aufgrund des hohen Potenzials der Technologie aber nicht. Es gilt daher, wie immer selektiv vorzugehen.
 
Bereits bei Auflage unseres BlackPoint Evolution Fund im Oktober 2021 haben wir Künstliche Intelligenz als Megatrend identifiziert und von Anfang an auf den Technologiesektor gesetzt. Dabei suchen wir sowohl etablierte Unternehmen mit starker Stellung am Markt als auch dynamische junge Firmen mit hohem Potenzial, die bislang nur bei wenigen Investoren auf dem Zettel stehen. Wir sind überzeugt, dass sich die Entwicklung im Bereich KI noch am Anfang befindet und für viele Branchen einen Wachstumsschub bedeuten wird – nicht nur für den Technologiesektor.
 
Vor diesem Hintergrund suchen wir branchenübergreifend nach Unternehmen, die von KI profitieren oder es in Zukunft tun werden. Diese finden sich beispielsweise im Logistik- oder dem ohnehin spannenden Healthcare-Bereich. Dort können entsprechende Technologien bei der Entwicklung neuer Medikamente eine wichtige Rolle spielen und zu massiven Kosteneinsparungen beitragen.

Anleihen wieder interessant – insbesondere für Multi-Asset-Portfolios

Neben der Erholung am Aktienmarkt ist das Anleihesegment zuletzt ebenfalls wieder deutlich attraktiver geworden. Allein durch die Zinserhöhungen gab es dort viel Bewegung: Mittlerweile lässt sich mit festverzinslichen Wertpapieren wieder ein vergleichsweise hohes laufendes Einkommen generieren.
 
Wann das Zinshoch erreicht sein wird, lässt sich nur schwer abschätzen. Wir verfolgen aber auch nicht den Ansatz, den Markt timen zu wollen. Wir halten eine längere Duration für angemessen und haben Anleihen derzeit übergewichtet, da die erwähnten Rezessionsängste unter den Marktteilnehmern aus unserer Sicht noch einmal zunehmen dürften.
 
Innerhalb des Segments festverzinslicher Wertpapiere halten wir Unternehmensanleihen in der Breite für weniger interessant, da Anleger angesichts historisch eher durchschnittlicher Spreads für die Kreditrisiken nicht übermäßig entlohnt werden. Selektiv sehen wir Chancen in Schwellenländern, wobei sich aus unserer Sicht ein Blick nach Osteuropa – Rumänien, Kroatien – oder zum Beispiel auch in Richtung Elfenbeinküste und Indonesien auszahlen könnte.
Alexander Pirpamer und Marcel Huber sind Portfoliomanager bei BlackPoint Asset Management

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