Manfred Schmid /Bild: BBAG/Killius
Ein fester Betrag, zu einem fixen Zeitpunkt ausgezahlt, hat die deutschen Anleger schon immer überzeugt. An erster Stelle steht die (vermeintliche) Sicherheit. Das führte sogar dazu, dass sie zu Zeiten in Zinspapiere investierten, als diese Null Zinsen (und teilweise noch weniger) versprachen. Seit die Notenbanken versuchen, die Inflation mittels Zinserhöhungen zu bekämpfen, erfreuen sich Zinspapiere aller Art bis hin zu Anleihen-ETFs wieder stark wachsender Beliebtheit. Dass der Realzins, also abzüglich der Inflation, tiefrot ist, scheint viele nicht weiter zu stören. Eine Möglichkeit auf jährliche Auszahlungen zu setzen, ist es, in Dividendenpapiere zu investieren. Doch die Gründe, auf die Dividende zu sehen, sind vielfältiger, wie auch jüngste Studien zeigen.

Dividenden als Renditegaranten

Regelmäßige Dividendenauszahlungen deuten auf eine nachhaltige Geschäftspolitik hin. Sie entwickelten sich, so eine Studie von Allianz Global Investors von Anfang 2023 mit dem bezeichnenden Titel „Dividenden – Stabilität in unruhigen Zeiten“, nicht nur besser als die Unternehmensgewinne, sie lieferten auch einen signifikanten Beitrag zur Gesamtrendite von Aktien. Von 2018 bis 2022 trugen sie 2,2 Prozentpunkte zur Rendite beim MSCI Europa bei – die Kurse legten um 3,1 Prozent zu. Und psychologisch schlagen sie uns eine Brücke zu regelmäßigen Auszahlungen, wir fühlen uns durch ihre Ausschüttungen „belohnt“, richtig investiert zu haben.

Unternehmen sorgen vor

In der Summe erhalten Anteilseigner in Deutschland börsennotierter Aktiengesellschaften in diesem Jahr knapp 75 Mrd. Euro an Dividenden, so die „Dividendenstudie Deutschland 2023“ des Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule, von Dividenden Adel Berlin/Christian W. Röhl und des DSW. Berücksichtigt wurden 644 Unternehmen, vom Dax-Konzern bis zum Mittelständler. Und da zeigt sich, dass die großen Dax-Konzerne zwar insgesamt mehr ausschütteten als im Vorjahr, die Ausschüttungsquote allerdings zurückging – die Konzerne bauen offensichtlich vor und erwarten schwierige Zeiten.

Mittelständler greifen tiefer in die Taschen

Doch wie sieht es beim Mittelstand aus, von MDax, SDax oder anderen Werten aus dem Freiverkehr? Konnten auch diese Unternehmen bestehen und ihre Aktionäre belohnen? Während jede fünfte MDax- und SDax-Gesellschaft ihre Dividende gekürzt oder gar ganz gestrichen hat, legten die 484 quasi echten Nebenwerte deutlich zu: 217 oder 45 Prozent werden 2023 in Summe 13,5 Mrd. Euro ausschütten, gegenüber 8,7 Mrd. Euro 2022! Das bedeutet eine Steigerung von über 54 Prozent und damit mehr als bei der Dax-Familie.

Stolpernde Aristokraten

Wenn ein Unternehmen über einen langen Zeitraum Dividenden zahlt oder kontinuierlich erhöht, verfügt es über ein krisenfestes Geschäftsmodell, hat den berühmten Burggraben um sich gezogen. So die Ansicht vieler Experten. Die „Dividendenstudie Deutschland“ hat deshalb bei Gesellschaften mit einer regelmäßigen Erhöhung von 22 Jahren und mehr genauer nachgesehen. An der Spitze liegt der Dividenden-Aristokrat Fresenius mit mehr als 25 Jahren permanenter Erhöhung. Doch dieses Jahr bleibt die Dividende auf Vorjahresniveau. Von den dreißig beobachteten Unternehmen haben sieben die Dividende beibehalten, zwei gekürzt, fünf völlig ausgelassen und 16 erhöht. Die Historie gibt eine gute Indikation, aber eben keine Garantie.
 
Und zum Schluss: Hohe Volatilität zehrt am Nervenkostüm vieler Anleger: Aktien von Gesellschaften, die Dividenden ausschütten, haben sich in der Vergangenheit als weniger schwankungsanfällig erwiesen, so die Berechnungen von Allianz Global Investors. Also: Ruhe bewahren und sich mit Dividenden belohnen.
Dieser Artikel erschien zuerst im Nebenwerte-Journal.
Manfred Schmid ist langjähriger Leiter der Marktsteuerung der Börse München und stellt sich alle zwei Wochen den Fragen von Ulrich Kirstein in Börse am Donnerstag, außerdem schreibt er regelämßig für u.a. das Nebenwerte-Journal.

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