Börsen sorgen sich vor US-Default und Rezession

Stefan Ziermann, Verlag Fuchsbriefe
Stefan Ziermann /Bild: Verlag Fuchsbriefe
Die Unklarheit über den Ausgang des US-Schuldenstreits drückt die Börsen gerade nach unten. Erwartungsgemäß ist die Unsicherheit darüber, ob die USA in wenigen Tagen in die Zahlungsunfähigkeit rutscht, ein unbekömmlicher Cocktail für die Börse. Das Hin und Her wird auch die nächsten Tage noch andauern und die Nerven der Anleger strapazieren. Ist der Schuldenstreit gelöst, rücken wieder US-Konjunktur und die Notenbank in den Fokus.  

Der US-Schuldenstreit schwelt und belastet die Börse. FUCHS-Kapital geht weiterhin davon aus, dass es auch diesmal wieder zu einem Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern kommen wird - wenn auch wieder erst in letzter Sekunde. Beide Seiten haben kein Interesse an einem Zahlungsausfall. Beide Seiten stehen in der Verantwortung, dieses Desaster zu verhindern. Gelingt das nicht, werden Demokraten und Republikaner daran eine Mitschuld tragen. Darum haben beide bei einem US-Default viel zu verlieren.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die Auswirkungen, die ein Default auf den Dollar haben wird. Die US-Devise ist global ohnehin schon als wichtigste Reservewährung angezählt. Die Anzahl der Länder, die sich auf alternative Zahlungswege für ihre bilateralen Geschäfte verständigen, wird immer größer. Die De-Dollarisierung hat erheblich Fahrt aufgenommen. Ein Zahlungsausfall in diesem Umfeld würde dieser Bewegung noch Vorschub geben. Auch aus diesem Grund halten wir es für wahrscheinlich, dass es einen Kompromiss geben wird, um ein Dollar-Default-Desaster zu vermeiden.

US-Schuldenstreit hat mittelfristige Auswirkungen

Der Streit um die Anhebung der Schuldengrenze wird aber trotz Lösung in letzter Minute negative Folgen für die USA haben. Denn der erneue scharfe Streit zeigt, dass die regelmäßige Anhebung der Schuldenobergrenze keine Formsache mehr ist. Damit steigt im Trend die Unsicherheit darüber, ob die USA all ihre Zahlungen immer regelmäßig leisten werden. Das hat die Ratingagentur Fitch bereits zum Anlass genommen, um den USA ein Downgrade des Ratings anzudrohen.

Sichtbar wird das auf der Anleiheseite. Die Renditen für die US-Staatspapiere ziehen weiter nach oben (akt. 3,74 Prozent). Angesichts der zuletzt sogar gesunkenen BIP-Wachstumsrate (1,1 Prozent) ist das ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in den "sichersten Schuldner der Welt" durchaus angeschlagen ist. Es wird einige Zeit dauern, bis diese politische Unsicherheit wieder aus den Märkten weicht. Käme es zu einem US-Default, dürften die Aktienmärkte kräftig abschmieren. Es gibt Prognosen, dass es dann um 45 Prozent abwärts gehen könnte. Auf welcher Basis diese Annahmen beruhen und in welchem Zeitraum die Kurse um dieses Ausmaß fallen sollen, ist uns allerdings nicht klar geworden. Die Annahme zeigt aber, wie groß die Sorge vor einem Ausfall ist.

Zinspause der Fed in Aussicht

Parallel dazu lassen die Diskussions-Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung den Schluss zu, dass die jüngste Zinsanhebung vorerst die letzte war. Zwar gab es in der US-Notenbank dazu bei der jüngsten Zinsentscheidung keine klare Mehrheitsmeinung. Allerdings ist aus den "Minutes" abzulesen, dass es eine starke Fraktion gibt, die vorerst für eine Zinspause plädiert, in der die Auswirkungen der Zinsschritte auf Wirtschaft und Inflation zunächst abgewartet werden solle. Die nachlassende Konjunkturdynamik in den USA und Europa - Deutschland ist im ersten Quartal bereits in die technische Rezession gerutscht - ist Wasser auf die Mühlen dieser Argumentation.

Das Szenario der Zinspause spiegeln auch die Tech-Werte weiter eindrucksvoll wieder. So hat Nvidia gerade gute Zahlen vorgelegt. Die Aktie ist daraufhin kräftig in die Höhe gesprungen. Eine Schnell-Analyse zur Aktie lesen Sie auf unserer Webseite.

Fazit: Die Börsen stehen weiter unter Druck. Der Dow kann kurzfristig bis zum jüngsten Tief bei 31.500 Punkten fallen, der S&P 500 hat Luft bis 3.700 Punkte. Der DAX ist bei 14.800 Zählern zunächst gut unterstützt. Unsichere Anleger sollten die Entwicklung abwarten, denn es besteht ein Restrisiko im Schuldenstreit und es ist mit hohen Kursausschlägen zu rechnen. Kommt es zu einer Einigung, dürften die Märkte eine Erleichterungs-Rally sehen - dann rücken Konjunktur und Leitzinsen in den Blick.
Stefan Ziermann ist Chefredakteur im Verlag FUCHSBRIEFE. Er verantwortet den Unternehmerbrief FUCHSBRIEFE, die Börsenbriefe FUCHS-Kapitalanlagen, den Brief für Wasserstoff-Aktien FUCHS H2-Invest und die FUCHS-Devisen mit Fokus auf Währungen, Anleihen, Rohstoffe und Kryptowährungen. Darüber hinaus ist er Herausgeber des jährlich publizierten FUCHS-Geldanlagebuches „Anlagechancen“ und des FUCHS-Broker-Ratings.

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