Wie Nationen den grünen Wandel verfolgen und Investoren davon profitieren

Rahul Bhushan, Rize ETF
Rahul Bhushan / Bild: Rize ETF/Ivan Weiss
Seit kurzem erlebt die Welt eine neue Ära staatlicher Interventionen. Der neue Ansatz setzt weniger auf Bürokratie oder die Bevorzugung bestimmter Branchen, sondern auf die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Privatsektor, um Innovationen voranzutreiben und wirtschaftliche wie gesellschaftliche Herausforderungen, also auch drängende Klima- und Umweltfragen, zu bewältigen. Viele Regierungen agierten nicht nur entschlossener bei der Verfolgung nationaler Prioritäten, sondern schafften auch gezielt neue Möglichkeiten für Unternehmen – und werden so zu „katalytischen“ Regierungen.
Die USA mit ihrem Inflation Reduction Act und die EU mit ihrem Green Deal Industrial Plan waren nur der Anfang – nun widmen sich auch Industrienationen wie Japan, China, Indien und Australien ihren eigenen grünen Agenden. Während China bereits auf eine lange Historie der Subventionen für den Cleantech-Sektor zurückblickt, wird die Regierung von Australien demnächst eine nationale Wasserstoffstrategie auf den Prüfstand stellen. Einstweilen verkündete Japan, nach China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die Ausgabe sogenannter grünen Staatsanleihen im Umfang von 157 Milliarden US-Dollar. In Indien, der weltweit sechstgrößten Volkswirtschaft, legte die Regierung einen Haushaltsplan vor, der Subventionen für inländisch erzeugte erneuerbare Energien vorsieht – ungeachtet zurückhaltender Medienreaktionen auf den amerikanischen Inflation Reduction Act.
 
Die Entwicklung macht deutlich, wie entschieden Regierungen ihre industriellen, technologischen und nationalen Prioritäten umsetzen. Sie versuchen dabei weniger durch strikte Regularien zu agieren, sondern mithilfe von proaktiver Unterstützung und Förderung, die zu einer dynamischen und innovativeren Wirtschaftslandschaft führen soll. Es sind keine interventionistischen Maßnahmen mehr, sondern katalytische.

Erfolgreiche Unternehmen verfolgen staatliche Agenden

Für Investoren sei es demzufolge von Vorteil, solche Sektoren und Titel zu identifizieren, die am ehesten von staatlichen Unterstützungen profitieren können. Dazu gehörten nicht nur diejenigen, die sich auf saubere Energie und Elektrofahrzeuge konzentrieren, sondern auch Organisationen, die das technologische Know-how bereitstellen und die Infrastruktur der Länder sichern.
 
Wenn wir die katalytisch handelnde Regierung durch die Linse einer de facto öffentlich-privaten Partnerschaft betrachten, wird deutlich, dass Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten mit den von Regierungen gesetzten Prioritäten übereinstimmen, auf lange Sicht wahrscheinlich erfolgreicher sein werden als solche, deren Geschäftsaktivitäten von der Regierungsagenda abweichen.
 
Die in vielen Industriestaaten angestoßenen Subventionspakete verdeutlichen es: Regierungen werden sich in Zukunft viel stärker an modernen Industrien und Branchen beteiligen, insbesondere an solchen, die als strategisch wichtig für Nachhaltigkeits-, Klima- und Innovationsziele erachtet werden. Dies schafft auch neue Chancen für Impact-Investoren, die sich Umweltfragen wie Energieerzeugung, Energieeffizienz, Klimaresilienz, sauberes Wasser oder naturbasierte Lösungen widmen wollen.
Rahul Bhushan ist Co-Founder des in London ansässigen, auf thematische ETFs spezialisierten Vermögensverwalters Rize ETF. Bevor Bhushan Rize ETF mitgründete, war er bei Legal&General Investment Management in London als Senior Product Spezialist für die Entwicklung neuer, vor allem thematischer und nachhaltiger Anlagestrategien tätig. Bhushan startete seine Karriere beim internationalen Finanzdienstleister Nomura. 2016 stieg er beim ETP-Anbieter ETF Securities ein. Als Director und ETF-Produktspezialist war er dort mitverantwortlich für den Aufbau und die Verwaltung der Canvas-ETF-Platform, die der US Vermögensverwalter Legal&General Investment Management im März 2018 von ETF Securities für 3,5 Milliarden Euro erwarb. Bhushan absolvierte sein Masterstudium im Bereich Finanzen an der renommierten IE Business School in Madrid. Zuvor studierte er Internationales Management und Französisch an der Universität von Bath, Großbritannien.
Warnung vor dem Kapitalrisiko
Eine Investition in Fonds ist mit Risiken verbunden, darunter Illiquidität, fehlende Dividenden, Investitionsverlust und Verwässerung, und sollte nur als Teil eines diversifizierten Portfolios erfolgen. Die Fonds können in einer oder mehreren europäischen Rechtsordnungen registriert oder anderweitig zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sein. Anleger sollten die Bedingungen für die Anlage in einen Fonds (oder eine Anteilsklasse) weiterhin sorgfältig prüfen und professionelle Anlageberatung einholen, bevor sie eine Entscheidung zur Anlage in einen solchen Fonds (oder eine Anteilsklasse) treffen.

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