Biotechnologie mit Zukunftspotenzial - auch für Anleger

Beate Sander
Produktion von Varta in Dischingen / Bild: Varta
Die Biotechbranche hat sich trotz Nullzinsmonster, Strafzöllen, Sanktionen, Rezessions- und Crashängsten 2019 teilweise sehr erfreulich entwickelt. Ihre zunehmend mit Künstlicher Intelligenz und Automatisierungsprozessen verknüpften neuartigen Einsatzchancen eröffnen Zukunftspotenzial. Es geht nicht nur um den angestammten Medizinbereich, sondern ebenso um Industrie, Landwirtschaft, Übernahmen, Fusionen und weitere Geschäftsfelder. Die Behandlung von Krebs wird möglicherweise durch eine neuartige Gentechnologie revolutioniert.
Die Biotechnologie weckt Hoffnungen an der Börse. Davon zeugt auch die hohe Marktkapitalisierung der weltweit wertvollsten Firmen dieser Branche. Allerdings konnten durch Ablauf von Patenten, Ärger mit Krankenkassen und verschobenen oder gescheiterten klinischen Phasen III sowie hohe Forschungs- und Investitionsausgaben die kurz- und mittelfristige Rendite nicht überall überzeugen. Die hohe Marktkapitalisierung zeugt eher von langfristigen Erfolgen. Die Biotechfirmen haben allein im Jahr 2018 für Forschung und Entwicklung zwischen 2,3 und 5,8 Mrd. US-Dollar ausgegeben und ihre Investitionen ganz erheblich verstärkt – oft mit Hilfe mächtiger Hedgefonds und anderer großer Organisationen.

Die zehn wertvollsten Biotechnologieunternehmen weltweit 2019

Aktien/Unternehmen

Land Börsenwert 2019 Kursverlauf 1,3,5,10 Jahre
Novo Nordisk

 Dänemark

 125,5 Mrd. US-Dollar +17/+17/+39/+463 Prozent

Amgen

USA 123,2 Mrd. US-Dollar +12/+24/+76/+361 Prozent
Gilead Sciences USA 79,8 US-Dollar -7/-16/-29/+266 Prozent
CSL LTD Australien 71,7 Mrd. US-Dollar +11/+113/+185/+675 Prozent
Celgene USA 68,7 Mrd. US-Dollar +13/-6/+22/+391 Prozent
Allergan USA 52,6 Mrd. US-Dollar -9/-31/-17/+369 Prozent
 Jiangsu Hengrui China 46,8 Mrd. US-Dollar  +26/+82/-39/-40 Prozent
 Vertex Pharma USA 46,4 Mrd. US-Dollar  +4/+92/+124/+549 Prozent
Biogen USA 41,3 Mrd. US-Dollar  -30/-20/-13/+538 Prozent
 Regeneron USA 31,3 Mrd. US-Dollar  -23/-25/-2 Prozent

Meilensteine und Zeitenwende bei Morphosys

Der Antikörper-Pionier MorphoSys hat eine bewegte Geschichte hinter sich, wechselweise diktiert von Euphorie und Panik, Kursausschlägen nach oben und unten. Der neue französische Vorstandschef Jean-Paul Kress will schon 2020 in einer entscheidenden Phase mit seinem ersten Krebsmedikament zunächst auf dem amerikanischen Pharmamarkt punkten. MorphoSys ist mit 400 Millionen Cashreserve gut gerüstet, um mit einem komplizierten Eiweißwirkstoff gegen eine häufige und aggressive Blutkrebsart anzukämpfen. Die erste klinische Studie zeigt günstige Ergebnisse, auch wenn es hier wohl nicht mehr um Heilung, sondern um Lebensverlängerung geht. MorphoSys testet vier weitere Wirkstoffe aus eigener Forschung in klinischen Studien.
 
Die Technologiezusammenschlüsse mit den führenden Pharmakonzernen Novartis und Roche aus der Schweiz bieten wichtige Finanzierungsquellen. Auch die Allianz mit dem US-Pharmariesen Johnson & Johnson bei einem Schuppenflechte-Medikament sorgt für regelmäßige Einnahmen in mehrstelliger Millionenhöhe. Die meisten Analysten beurteilen die Chancen für die MorphoSys Aktie positiv. 2019 stieg der Aktienkurs um rund ein Drittel.

Neue Hoffnung für Schwerkranke durch Fortschritte in der Gen-Technologie

Der demografische Wandel mit einer Lebensverlängerung in Deutschland um durchschnittlich 2 Jahre pro Jahrzehnt ist kein reiner Glücksquell in Richtung Jungbrunnen, sondern für viele ältere Menschen mit gesundheitlichen Problemen verbunden. Es mehren sich mit höherem Alter so gefährliche Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes. Da verspricht die neue Technologie Crispr durch eine Genschere mit Enzym als Durchbruch der Gentechnik. Sie ermöglicht künftig eine personalisierte Medizin verbunden mit der großen Hoffnung, die Behandlung der Patienten vor allem bei Krebs und die Entwicklung wirksamer Medikamente zu erleichtern. Einige Schweizer Wissenschaftler glauben, mit dieser Methode die Krebstherapie revolutionieren zu können. Dabei wird die Künstliche Intelligenz mit Automatisierungssystemen und Robotik eine ganz entscheidende Rolle spielen, insbesondere bei der Diagnostik und Operationstechnik.

Inwieweit eine vegane Ernährung Gesundheit und Heilungschancen verbessert, ist umstritten. Hier geht es insbesondere um den Ausdruck eines neuen Lebensstils. Sicherlich ist es wünschenswert, auch im Interesse von Tierwohl und Wasserersparnis, den Fleischgenuss erheblich einzuschränken.

Elektronik und Biotech-"Einhörner" sorgen für Kursgewinne

Ich verbinde den Begriff „Einhorn“ nicht wie üblich mit milliardenschweren, meist überschuldeten Start-ups aus Amerika, die noch nicht an der Börse notiert sind. Für mich sind Einhörner junge dynamische, mit dem Entdecker- und Erfinder-Gen ausgestattete börsennotierte Unternehmen. Sie zeichnen sich durch Wachstum und rasante Kursentwicklung in wichtigen Zukunftsmärkten aus. Es gehört auch etwas Glück dazu, sie zu entdecken und ihre Chancen eher als andere zu erkennen. In der Vergangenheit nahm ich frühzeitig Nemetschek, Sartorius, Samsung, Rational und Eurofins ins Depot. Hier liegen die prozentualen Kursgewinne im Tausender-Bereich. Mit schnellem Rein/Raus, Mai- und Panikverkäufen bei Korrektur und Crash funktioniert so etwas nicht.

Drei "Einhörner" als Favoriten

  • Carl Zeiss Med: Medizinische Produkte, Geräte, Lasersysteme für Augenheilkunde, Neuro- und HNO-Chirurgie, Diagnose und Therapie. Ich kaufte erstmals am 16. Mai 2005 diese Aktie zum Kurs von 14,75 Euro und machte im Rahmen meiner Hoch/Tief-Mutstrategie am 02. Sept. 2019 einen Teilverkauf zum Kurs von 107 Euro – eine steuerfreie Rendite von über 70 Prozent.
  • Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG entwickelt und produziert radioaktive Komponenten für wissenschaftliche und messtechnische Zwecke. Ich orderte am 23. April 2019 die Aktie für 72,60 Euro und verkaufte einen Teil am 05. September 2019 zu 170,20 Euro - ein Kursgewinn in kurzer Zeit von 120 Prozent.
  • VARTA produziert und vermarktet Mikrobatterien für Hörgeräte und wieder aufladbare Lithium-Ionen-Mikrobatterien für die Unterhaltungselektronik.
    Ich erwarb die Aktie am 01. November 2017 für 20,95 Euro und veräußerte am 05. Mai 2019 einen Teil zu 90 Euro – eine hohe Rendite in kurzer Zeit von über 400 Prozent.

Beate Sander ist Aktien-Anlegerin aus Leidenschaft und versierte Buchautorin, ihr "Börsenführerschein" wurde zum Bestseller. Auf Südseiten schreibt sie regelmäßig zur Gesundheitsbranche. Im Juni 2014 ist in der Münchner Verlagsgruppe, FinanzBuch Verlag, ein Buch zum Thema erschienen, das Beate Sander gemeinsam mit dem Mediziner Jürgen Hannemann verfasste:
 
 
                                

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Csl Rg 176,60 3,88%
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Novartis N 80,10 -0,17%
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Roche Hldg G 246,25 N.A.
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Carl Zeiss Meditec 87,70 6,89%
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Eckert & Ziegler I 126,60 0,00%
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Nemetschek I 48,54 7,06%
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Morphosys I 91,00 2,92%
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Rational I 469,80 -0,30%
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Sartorius I 210,00 1,94%
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Varta 61,95 7,55%
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Novo Nordisk -B- 55,62 -1,44%
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Eurofins Scientif 454,40 0,00%
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Allergan Rg 167,00 3,30%
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Amgen Rg 197,02 2,63%
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Biogen Rg 287,35 3,34%
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Gilead Sciences Rg 73,02 1,74%
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Johnson & Johnson 128,70 4,29%
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Regeneron Pharma Rg 462,90 1,87%
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Samsung Electronics 763,00 2,42%
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Vertex Pharmaceu Rg 229,05 4,00%
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