Nach dem Veganuary: Haben Anleger nun Appetit auf vegane Aktien?

Shanna Strauss-Frank, Freedom Finance Europe
Shanna Strauss-Frank / Bild: Freedom Finance Europe
Seit 2014 animiert eine steigende Anzahl an Menschen und Organisationen dazu, sich den ersten Monat des Jahres Mensch, Tier und Umwelt zuliebe vegan zu ernähren – im sogenannten Veganuary. Auch über das Jahr hinweg wird Fleisch, Milch und Käse immer häufiger durch rein pflanzliche Alternativen ersetzt. Vegane Lebensmittel sind ein boomender Markt, ständig lassen sich neue Produkte in den Supermarktregalen vorfinden. Doch in purpose-driven Branchen und Unternehmen lässt sich bekanntlich nicht immer das große Geld scheffeln. Wie ist es demnach aus wirtschaftlicher Perspektive um vegane Lebensmittelhersteller und ihre Aktien bestellt?
In Deutschland ernähren sich schätzungsweise drei Prozent der Bevölkerung vegan. Diese Zahl klingt auf den ersten Blick unbedeutend gering und erweckt nicht den Eindruck einer gravierenden wirtschaftlichen Relevanz. Doch bereits knapp sieben Prozent der Deutschen essen vegetarisch und fast ein Drittel – das sind ungefähr 16,7 Millionen Einwohner – betiteln sich selbst als Flexitarier, sie konsumieren also gelegentlich Fleisch. Die Trendkurve geht dabei bergauf: Ein Marktbericht  prognostiziert dem europäischen Markt für pflanzliche Lebensmittel von 2022 bis 2029 eine jährliche Wachstumsrate von 10,1 Prozent. Bis zum Jahr 2029 soll der Markt dabei einen Wert von 16,7 Milliarden US-Dollar erlangen. Dabei sind vegane Fleisch- und Milchersatzprodukte am beliebtesten und selbst Menschen, die sich keiner der obig genannten Labels zuschreiben, greifen gerne mal zum Haferdrink oder pflanzlichen Burger-Patty. Doch ein Blick an die Börse entkräftet derzeit diesen Trend: Die teils eingestürzten Aktienkurse beliebter pflanzlicher Lebensmittelhersteller werfen Fragen auf.

Ökologische Notwendigkeit vs. teures Ersatzprodukt

Jährlich nimmt die Weltbevölkerung um zirka 66 Millionen Menschen zu, was in einer wachsenden Ressourcenerschöpfung resultiert und eine umweltschonende Lebensweise aller fordert. Ernährt man sich vegan, spart man ohne viel Mehraufwand zwei Drittel der Ressourcen ein, die ein Fleischesser verbraucht. Auch wir beobachten die zunehmende Notwendigkeit tierfreier Alternativen: Wir müssen uns umschauen, wie sich Lebensmittel auch künstlich herstellen lassen. Denn der Klimawandel zerstört immer mehr Land und Fläche – Fleisch wird zukünftig sehr knapp sein. Doch seit geraumer Zeit sind neben Energie auch Lebensmittel für Endkonsumenten deutlich teurer. Dabei waren künstliche Fleischersatzlebensmittel bereits vor der Teuerung im Durchschnitt doppelt so kostenintensiv wie Rind- und Schweinefleisch – die Inflation senkt die Nachfrage nach solch kostspieligen Nischenprodukten nochmal. Für die Mehrheit der Bevölkerung ist der tägliche Konsum von Ersatzprodukten derzeit unerschwinglich.

Beyond Meat: Aktienkurs im Abwärtsmodus

Lange Zeit galt jedoch der Hersteller Beyond Meat mit seinen verblüffend fleischähnlichen Produkten als Shooting-Star und Pionier der veganen Lebensmittelbranche. Doch rasch folgte der Crash: Nach einer Überwertung nach dem Börsengang in 2019 und einer enttäuschenden Wachstumsprognose stürzte die Aktie ein und konnte sich bis heute nicht mehr erholen. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahr 2022 vermeldete Beyond Meat einen Umsatzrückgang von 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das makroökonomische Umfeld ist düster, das unterstreicht dieser deutliche Rückgang. Beyond Meat ist mit steigenden Produktionskosten aufgrund von Inflation und Wettbewerbsdruck konfrontiert. Doch baue der Hersteller seine Präsenz durch starke Partnerschaften wie mit McDonalds’s in UK und Metro in China weiter aus, wie die Finanzexpertin erklärt, was den Umsatz wieder ankurbeln könnte.

Zu hohe Erwartungen an Trendbewegungen

Auch der Produzent Oatly ging mit seinen pflanzlichen Milchalternativen 2021 an die Börse – der Kurs ist seitdem gesunken. Ist Veganismus ein vergleichsweise junger Trend, der sich noch nicht in der breiten Masse gänzlich durchsetzen konnte, haben es insbesondere jene Hersteller schwer, die ausschließlich mit pflanzlichen Produkten Gewinne erwirtschaften müssen. Sowohl bei Beyond Meat als auch bei Oatly waren zu ihren IPOs die Erwartungen zu hoch und die hinzukommenden globalen Krisen der letzten Jahre erschwerten zusätzlich das Wirtschaften.

Kellogg und Hormel: Alte Tradition mit veganer Note

Denn während junge Hersteller von wirtschaftlichen Herausforderungen härter getroffen werden, können sich etablierte Konzerne eher auf ihre finanzielle Stabilität verlassen. Das zeigt das Traditionsunternehmen Kellogg mit seiner veganen Tochterfirma Morningstar Farms. Hier kann der pflanzliche Hersteller von der jahrelangen Erfahrung seiner Mutter profitieren. Auch spiegelt sich dies in dem Kurs der Kellogg-Aktie wider, der gesamt betrachtet vergleichsweise stabil bleibt. Ähnlich bei Hormel Foods: Lange Zeit war der Konzern mit seinen Fleischkonserven eher auf der altmodischen Schiene unterwegs, mit Happy Little Plants gibt es nun eine rein pflanzliche Marke im Portfolio. Weil Hormel dank des konservativen Führungsstils eine solide Bilanz mit wenig Schulden anstrebt, konnte das Unternehmen seit mehr als 50 Jahren jedes Mal seine Dividenden erhöhen. Trotz derzeitig höherer Produktionskosten konnte Hormel Foods so einen Rekordgewinn erzielen und seinen Aktienkurs relativ stabil halten.

Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Auch wenn die Kurse und Unternehmensentwicklungen einiger pflanzlicher Hersteller derzeit eher getrübt sind, möchten wir auf ihr stetig wachsendes Potenzial verweisen, wenn auch unter Vorbehalt: Mit ansteigender Weltbevölkerung wird die Branche auch weiterwachsen. Es ist nur fraglich, wann der Weg zum Massenkonsum gelingt.
Shanna Strauss-Frank ist Deputy Sales Director bei der Investmentgesellschaft Freedom Finance, eine  internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 370.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3 Milliarden US-Dollar. Sie beschäftigt weltweit über 3.000 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Finance ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen an amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten. Aktuell unterstützt Freedom Finance humanitäre Hilfsorganisationen in der Ukraine mit 2,7 Millionen Euro
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