Ralf Vielhaber, Stefan Ziermann (Hg): Anlagechancen. Den Anlagewinter überstehen

Eine Rezension von Ulrich Kirstein
Bild: Cover und die beiden Herausgeber Ralf Vielhaber und Stefan Ziermann
Zur Zeit machen sich sehr viele Menschen Sorgen, wie sie den Winter überstehen, wie sie die Heizkosten bezahlen sollen, besonders wenn es auch noch ein kalter und langer Winter wird, schließlich hält sich das Wetter selten an die Hoffnungen von Politikern. Ausgerechnet jetzt sind auch noch die Depotwerte deutlich gefallen, genau dann, wenn man sie dringend bräuchte. Da kommt dieser Sammelband der Herausgeber Ralf Vielhaber und Stefan Ziermann, Geschäftsführer und Chefredakteur bei den Fuchs-Briefen, mit dem Titel Den Anlagewinter überstehen, gerade Recht.
 
Im Vorwort macht uns Ralf Vielhaber Mut: „Nach jedem Winter kommt ein Frühling“. Aber, vorher heißt es, sich warm anziehen, denn: „Die Zinsen steigen. Die Inflation trabt, der Wert des Geldes verfällt.“ Und er fügt hinzu, dass der Anlagewinter sehr viel länger dauern wird als ein „normaler“ Winter, nämlich bis Ende 2023. Puh. Vielhaber erinnert an das berühmte Schumpeter-Zitat, dass wir in einer „Phase der schöpferischen Zerstörung“ leben und mahnt: „damit neuer Wohlstand entstehen kann, brauchen Wirtschaft und Gesellschaft den Sauerstoff der Freiheit“. Der wird uns derzeit aber, so unser Eindruck, eher entzogen als zugeführt.
 
Unterteilt haben die Herausgeber die gesammelten Aufsätze in vier Kapitel: „Thesen, Trends und Portfolio“ zur Einführung, dann das titelgebende Thema „Den Anlagewinter überstehen“, gefolgt von „Anlagechancen 2023“ und abschließend noch kurz und bündig „Ihr Vermögen“. Unter den Autoren finden sich Kapazitäten wie Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, oder Ralph Jakob von Arminius Wealth Management und der Krypto-Experte Markus Miller. Es sind Volkswirte, Asset-Manager, Analysten, Rechtsanwälte oder Physiker darunter, geballte Kompetenz auf 200 Seiten.

Raueres Anlageklima

Wir können hier nicht allen Themen der sehr vielseitigen Artikel nachspüren, uns interessierte vor allem der Aktienmarkt. In den „Thesen und Trends 2023“ konnten wir lesen: „Der Bullenmarkt ist zu Ende.“ Aber: „Dennoch bleiben Aktien für jedes Portfolio ein Muss mit einem deutlichen Anteil am Gesamtportfolio“. Vielhaber sieht im einführenden Artikel „Warm anziehen“ jedoch auch Chancen, es gelte, „solide Standardaktien einzusammeln“ und er gibt den Rat: „Solide analysieren, zugreifen, mit langem Atem agieren, gegebenenfalls Nerven bewahren und von besseren Zeiten träumen“. Lassen wir noch Thomas Mayer sprechen: „Im ‚Kalten Krieg 2.0‘ und der ‚Stagflation 2.0‘ wird das Anlageklima rauer.“ Zu was er im einzlenen rät, um dies zu überstehen, wollen wir hier selbstverständlich nicht verraten.

Strategie oder Taktik

Philipp Heinrich hat in „Branchen im Fokus“ die „Gewinner und Verlierer in der Rezession“ versammelt. Mit einem steigenden, horizontalen oder sinkenden Pfeil versehen, kann man sich schnell einen Überblick verschaffen und muss feststellen, die Branchen mit unterdurchschnittlicher Konjunkturerwartung sind leicht in der Überzahl. Zu jeder Branche gibt er praktischerweise ein passendes ETF an. Thomas Ebert und Stefan Ziermann beruhigen unsere Nerven mit ihrem Artikel: „Bärenmarkt-Börse. Gelassen einkaufen im Abwärtstrend“. Sie klären uns über den Unterschied von Strategie und Taktik auf – also langfristig halten, kurzfristig zuschlagen. Damit wir uns leichter dabei tun, stellen sie dem Leser zehn Unternehmen näher vor.

Besondere Asset-Klassen

Wir hätten uns noch mit Anlegen aus dem All, mit Immobilien und Rohstoffen, mit Edelmetallen und Währungsräumen befassen können, haben aber beschlossen, am Boden zu bleiben und wollen nur noch auf eine ungewöhnliche und eine sehr beliebte Assetklasse, auf Osmium und Krypto, eingehen.
 
Nun, für Krypto brauchte und braucht man noch stärkere Nerven als für Aktien, doch Markus Miller weist daraufhin, dass trotz der „gegenwärtig schwierigen Marktbedingungen“ die „Akzeptanz bei institutionellen Anlegern wie Banken, Vermögensverwaltern, Fondsgesellschaften Family Offices, Versicherungen und Pensionskassen weiter zunimmt“. Immerhin, etwa 23 Mio. Amerikaner sind derzeit im Besitz von Bitcoin. Den Hauptvorteil von Ethereum sieht Miller in der Umgehung von Banken mittels Blockchain – fast ein Drittel der Menschheit verfügt nämlich über gar kein eigenes Bankkonto. Insofern ist für Miller Ethereum eine Art „Krytpo-Apple“. Er mahnt, Anleger sollten sich durch die derzeitgen Verwerfungen nicht nervös machen lassen, was aber je nach Investment nicht jedem gleichermaßen leicht fallen dürfte.
 
Daneben schürte der Artikel „Diamant-Ersatz. Schmuckmarkt entdeckt Osmium“ unsere Neugierde, weil wir von dem Material schon einmal gehört hatten, es aber nicht mehr einordnen konnten. Ingo Wolf vom von ihm gegründeten Osmium-Institut sieht gute Chancen, denn diese Sachwertanlage ist, anders als etwa Oldtimer, Gold oder Diamanten, sowohl begrenzt als auch ganz jung – es wurde erst vor etwa acht Jahren in der Schmuckbranche eingeführt. Es ist extrem selten, das gesamte bisher geschürfte Osmium würde in einen Würfel mit der Kantenlänge von 2,7 Metern passen! Viel Platz im Safe dürfte es also nicht wegnehmen.
Ein wenig störend für Liebhaber gedruckter Bücher sind die zwischen die Artikel gestreuten Anzeigen und das bei einem denn doch stolzen Preis von fast 50 Euro. Immerhin hält man dafür ein Hardcover mit einer Vielzahl an variantenreichen Beiträgen über die unterschiedlichsten Asset-Klassen in Händen, da dürfte für jeden Erkenntnisgewinn dabei sein.
Ralf Vielhaber, Stefan Ziermann (Hg.): Den Anlagewinter überstehen
Anlagechancen 2023
200 Seiten, 49,95 Euro
Verlag Fuchstbriefe, Dr. Hans Fuchs GmbH
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Berlin
ISBN: 978-3-948349-29-5