Geldpolitik bleibt im Fokus

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Robert Ertl / Bild: Freund
Rally geht weiter: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche ihre Gewinne vom Jahresauftakt weiter ausgebaut. Zum einen sorgten zurückgehende Inflationszahlen für gute Stimmung an den Märkten. Diese untermauerten die Erwartung, die großen westlichen Notenbanken könnten das Tempo ihrer geldpolitischen Straffung reduzieren. Zusätzliche positive Impulse brachten Konjunkturdaten, sinkende Gaspreise sowie die Wiedereröffnung des chinesischen Marktes nach Ende der dortigen Anti-Corona-Maßnahmen.

Dax überschreitet 15.00er Marke

Der Deutsche Aktienindex (Dax) überwand am vergangenen Donnerstag erstmals seit Februar 2022 wieder die Marke von 15.000 Zählern, im Wochenvergleich legte der Index um 3,3 Prozent auf 15.086,52 Punkte zu. Der MDax gewann 4,8 Prozent auf 28.254,05 Zähler. Beim TecDax ging es um 5,6 Prozent nach oben auf 3.196,00 Punkte. Der m:access All-Share zog um 3,3 Prozent auf 1.797,88 Zähler an.
Mit Abstand größte Wochengewinner im Dax waren die Titel von Bayer mit einem Wochenplus von 14,4 Prozent. Hier trieben sowohl Prognosen des Pharma- und Agrarchemiekonzerns in Bezug auf neue Medikamente als auch die Erwartung von Veränderungen im Konzern aufgrund aktivistischer Investoren. Die Titel von Zalando knüpften an ihre Kurssteigerungen aus der Vorwoche an und verteuerten sich um weitere 9,2 Prozent. Der Online-Modehändler profitierte weiter von der Hoffnung auf einen weniger stark steigenden Zinsdruck sowie von einer generell größeren Beliebtheit von Internetwerten.
Legte im Dax den besten Wochenstart hin: der Bayer-Konzern aus Leverkusen.

Anleihen: Unterm Strich zugelegt

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer unter dem Strich zugelegt. Wie bereits in der Vorwoche gaben fallende Zinserwartungen in Bezug auf die US-Notenbank Auftrieb. Hierbei lieferten zurückgehende Teuerungsraten sowie nachlassende Inflationserwartungen der US-Verbraucher neue Argumente. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe reduzierte sich im Wochenvergleich von 2,21 auf 2,14 Prozent. Die Umlaufrendite sank von 2,33 auf 2,11 Prozent.

USA: Stimmung der Anleger steigt

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche erneut Gewinne verbucht. Die zurückgehenden Inflationsdaten und damit verbunden die Hoffnung auf ein zurückhaltenderes Handel der US-Notenbank Fed hob auch hier die Stimmung der Anleger. Der Dow-Jones-Index gewann im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 34.302,61 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte um 2,7 Prozent auf 3.999,09 Zähler zu. Der von Technologiewerten dominierte Nasdaq-100-Index kletterte um 4,5 Prozent auf 11.541,48 Punkte.

Ausblick: Hoffentlich keine negativen Überraschungen

Nach den zwei sehr starken Vorwochen können sich etliche Beobachter für die kommenden Tage weitere Gewinne an den deutschen Aktienbörsen vorstellen. Dabei sehen viele die Sorgen vor Inflation und Zinserhöhungen fürs Erste in den Hintergrund gerückt. Dies zumindest, sofern die anstehenden Daten zur Teuerung in Deutschland und der Eurozone den aktuellen Trend nachlassender Inflationsraten festigen. Sollte es hier eine negative Überraschung in Form von anziehenden Teuerungsraten geben, dürfte dies die Stimmung merklich beeinflussen. Daneben könnten das Beige Book der US-Notenbank sowie die geldpolitische Entscheidung der Bank of Japan das Thema Geldpolitik wieder mehr in den Fokus rücken.

Konzentration auf Unternehmenszahlen

Sofern eine solche Entwicklung ausbleibt, dürften sich die Marktteilnehmer verstärkt auf Unternehmenszahlen konzentrieren, in den USA kommt die Berichtssaison ins Laufen. Nachdem bereits Ende der Vorwoche mehrere US-Banken ihre Daten vorgelegt haben, folgen in den kommenden Tagen Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die Zahlen von Mitbewerbern waren am vergangenen Freitag überwiegend schwächer als prognostiziert ausgefallen, was der positiven Stimmung aber nicht nachhaltig schaden konnte. In dieser Woche wird zudem unter anderem Netflix  Ergebnisse vorlegen, die Zahlen des Streamingdienstes dürften auch in Hinblick auf die Konsumstimmung der US-Amerikaner hin analysiert werden.

Hinweise zu deren Zustand liefern zudem die US-Einzelhandelsumsätze, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Daneben könnten unter anderem die ZEW-Konjunkturerwartungen aus Deutschland und lokale US-amerikanische Einkaufsmanagerindizes die Stimmung der Anleger beeinflussen.

Zu Beginn der Handelswoche müssen die hiesigen Märkte auf Impulse aus den USA verzichten, dort bleiben die Börsen wegen des Feiertags „Martin Luther King Day“ geschlossen.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 16.01.: Großhandelspreise in Deutschland; US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen
Dienstag, 17.01.:
Verbraucherpreise in Deutschland; ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); New York Empire State Produktionsindex (USA)
Mittwoch, 18.01.:
Verbraucherpreise in der Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; Beige Book der US-Notenbank; Industrieproduktion in den USA; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Japan
Donnerstag, 19.01.:
Baubeginne und -genehmigungen in den USA; Philadelphia Fed Herstellungsindex (USA)
Freitag, 20.01.:
Erzeugerpreise in Deutschland; Verkäufe bestehender Häuser in den USA

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

UC TecDAX 3.213,65 1,85%
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Populäre Aktien

UC MDAX 28.863,64 1,53%
UC DAX 15.178,36 0,64%
Bayer 56,08 1,06%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 1.928,58 0,31%
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Tops und Flops

Zalando 42,02 -1,18%
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Populäre Aktien

UC Dow Jones 33.948,7699 N.A.
Goldman Sachs Gr Rg 323,30 1,35%
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Populäre Aktien

Morgan Stanley Rg 87,58 1,25%
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Populäre Aktien

Netflix 334,15 0,66%
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Populäre Aktien

UC S&P 500 4.060,15 N.A.