Die Nebelhornbahn AG - Projekt: Neubau

Carsten Stern, Nebenwerte-Journal
Nebelhornbahn / Bild: 25. m:access Analystenkonferenz, m:access der Börse München / Bild: BBAG/unibrand
Das Geschäftsjahr 2017/18 war für die Nebelhornbahn geprägt von der Vorbereitung des Neubauprojekts. Die Kapitalerhöhung zur Einwerbung der erforderlichen Eigenmittel wurde erfolgreich platziert. Im Sommer 2021 soll die neue Bahn in Betrieb gehen.
Mit 501.000 (500.000) Gästen erzielte die Nebelhornbahn im Geschäftsjahr 2017/18 erneut einen Besucherrekord. Eine leicht unterdurchschnittliche Wintersaison konnte durch einen ungewöhnlich sonnigen und beständigen Frühling und Sommer ausgeglichen werden. Der Anteil der Wintersporteinnahmen ging auf 31 (33) Prozent weiter zurück, die Berg- und Talfahrten von Fußgängern steuerten 69 (67) Prozent zum Umsatz bei. Die Erlöse lagen mit 10.98 (11.01) Mio. Euro trotz des Besucherrekords leicht unter dem Vorjahreswert, jedoch 31,4 Prozent über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre. Die Einnahmen der Bahnbetriebe erhöhten sich auf 8.90 (8.83) Mio. Euro. Die Umsätze der Gastronomiebetriebe nahmen bedingt durch das schwächere Wintergeschäft auf 2.08 (2.18) Mio. Euro ab.

Kapitalerhöhung zu 28,50 Euro platziert

Während sich der Material- und Personalaufwand leicht rückläufig entwickelten, erhöhten sich die Abschreibungen auf 1.94 (1.64) Mio. Euro. Als Grund nannte Vorstand Peter Schöttl, der das Amt im Oktober nach 26 Jahren in neue Hände übergibt, die Verkürzung der Restlaufzeit von Komponenten der alten Bahn mit einem zusätzlichen Aufwand von 0.31 Mio. Euro. Mit dem Abriss der alten Anlage in zwei Jahren würde dieser Aufwand ohnehin entstehen. Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen auf 1.79 (1.51) Mio. Euro resultiert vor allem aus den Kosten der Kapitalerhöhung von 142.000 Euro. Im Oktober 2018 platzierte die Nebelhornbahn 338.000 neue Aktien zu 28,50 Euro und warb damit liquide Mittel von 9.6 Mio. Euro ein. Der Preis für die neuen Aktien wurde auf Basis einer Unternehmensbewertung festgelegt, in der sich vor der Kapitalerhöhung und noch mit der alten Bahn ziemlich genau dieser Wert ergab.

Jahresüberschuss und Dividende niedriger

Der Jahresüberschuss ging wegen der zusätzlichen Kosten auf 529.000 (812.000) Euro zurück. Die Dividende wurde auf 0,20 (0,30) Euro zurückgenommen. Die Ausschüttungssumme reduziert sich wegen der höheren Aktienzahl lediglich auf 270.000 (304.000) Euro. Die Veränderungen in der Bilanz sind wesentlich von der Kapitalerhöhung geprägt, die am Bilanzstichtag 31.10.2018 eingetragen wurde. Wenige Tage vorher erbrachten die Aktionäre die Bareinlagen, weshalb die flüssigen Mittel mit hohen 10.3 (0.5) Mio. Euro ausgewiesen werden. Das Eigenkapital erhöhte sich auf 15.8 (6.0) Mio. Euro. Trotz der Ausdehnung der Bilanzsumme auf 27.7 (19.1) Mio. Euro wird die Eigenkapitalquote mit soliden 57 (31) Prozent ausgewiesen.

Neubauprojekt kurz vor dem Start

Seine Erläuterungen zum Neubauprojekt begann Schöttl mit einem Blick in die Historie. Die erste Nebelhornbahn ist einst im Juni 1930 eröffnet worden. Im März 1977, also 47 Jahre später, wurde die heutige Bahn mit einer Förderleistung von 600 Personen je Stunde in Betrieb genommen. Und weitere 44 Jahre später im Sommer 2021 ist die Eröffnung des Neubaus mit einer Förderkapazität von 1200 Personen je Stunde vorgesehen. Den Baubescheid erwartet der Vorstand in den nächsten Wochen. Der Antrag auf Förderung des Projekts ist ebenfalls eingereicht, ein Bescheid liegt aber noch nicht vor. Eine wesentliche Voraussetzung wurde mit der Reduzierung der Anteile der Hauptaktionäre auf jeweils unter 25 Prozent bereits erreicht. Nach der Kapitalerhöhung sind die Marktgemeinde Oberstdorf und die Kleinwalsertaler Bergbahn AG mit jeweils 24,9 Prozent beteiligt, die Lechwerke AG hält 20,1 Prozent und neu die Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu 9,5 Prozent. Etwas mehr als 20 Prozent des Grundkapitals befinden sich im Streubesitz. Von Bankenseite liegen bereits verbindliche Angebote für die Finanzierung vor.

Betriebsstilllegung im Winterhalbjahr 2020/21

Schöttl rechnet nach der Inbetriebnahme der neuen Bahn mit einer Zunahme der Gästezahlen um 10 Prozent. Das Hauptziel des Neubaus ist allerdings die Verbesserung des Förderkomforts und eine Verringerung von Wartezeiten. Da vermutlich die Fahrpreise leicht angehoben werden, hält der Vorstand einen Umsatzzuwachs auf mehr als 13 Mio. Euro für realistisch. Für den Neubau ist allerdings eine Betriebsstilllegung im Winterhalbjahr 2020/21 notwendig. Der dann entstehende Verlust muss in den Folgejahren erst wieder ausgeglichen werden. Immerhin wird die neue Bahn von Anfang an profitabel sein. Für das laufende Jahr 2018/19 geht der Vorstand von einer Besucherzahl und einem Geschäftsvolumen in etwa auf Vorjahresniveau aus.

Fazit

Die Nebelhornbahn AG entwickelt sich weiterhin solide. Der rückläufige Jahresüberschuss ist der Vorbereitung des Neubauprojekts mit den Kosten der Kapitalerhöhung und zusätzlichen Abschreibungen geschuldet. Bis zur Eröffnung der neuen Nebelhornbahn wird das Geschäft stark von den Baumaßnahmen geprägt sein. Im Winterhalbjahr 2020/21 ist eine Betriebsstilllegung notwendig, was das Ergebnis in diesem Zeitraum ins Minus drücken dürfte. Mit den im Anschluss zu erwartenden höheren Umsätzen wird diese Lücke zügig ausgeglichen werden können. Vorübergehend dürfte die Dividende aber ausfallen. Dies ändert nichts an der Solidität der Nebelhornbahn. Nachdem die Aktie nach einer kurzen Schwächephase wieder bis auf 40 Euro geklettert ist, drängt sich ein Engagement aber nicht mehr auf.
Carsten Stern ist Chefredakteur des Nebenwerte-Journals. Der Artikel erschien dort zuerst in der Ausgabe 11/2018

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