Steht der jahrelange Boom der Aktienmärkte vor dem Ende?

Dr. Daniel Schallmo und Heribert Danner, W&S Portfoliomanagement
Dr. Daniel Schallmo und Heribert Danner / Bild: W&S Portfoliomanagement
Die Ukrainekrise verursachte weitreichende Kursrückgänge an den Aktien- und Rentenmärkten. Der deutsche Leitindex verzeichnete dabei vom 5. Januar bis zum 7. März über 20 Prozent Verlust. Das letzte Quartal endete für die meisten Kapitalmarktteilnehmer im Minus was zur Folge hat, dass sich der langfristige Vermögenserhalt in Verbindung mit steigenden Zinsen und hohen Inflationsraten schwierig gestaltet. Das Umfeld für Privatanleger ist nach wie vor von Niedrig- und Strafzinsen geprägt. Der Chart in Abbildung 1 zeigt, dass seit 2014 die Zinsen bis zum Jahresbeginn stetig gesunken sind und die Inflationsrate bereits seit Anfang letzten Jahres deutlich gestiegen ist.
Die große Differenz zwischen Inflationsrate und aktuellem Zinsniveau zeigt den realen Vermögensverlust. Hierzu kommt eine Zahlung von Strafzinsen oder einem sogenannten Verwahrentgelt bis zu 0,75 Prozent. Dies ist seitens institutioneller Anleger und vermögenden Privatkunden inzwischen der Normalfall (Biallo, 2020).

Anlagesituation

Ein genauer Blick auf die Anlagesituation zeigt, dass deutsche Anleger insgesamt 730,6 Mrd. Euro in Aktien und Unternehmensbeteiligungen angelegt haben. Ferner sind aktuell 232,1 Mrd. Euro in deutschen Titeln angelegt (Refinitiv, 2021).
Zudem zeigt sich, dass die fünf größten ETFs für deutsche Aktien ein Volumen von rund 13,1 Mrd. Euro  aufweisen, was in Abbildung 3 dargestellt ist.
ETF Anbieter/Fondsname
Volumen in Mio. Euro
iShares Core DAX UCITS ETF (DE)
 6.479
XTrackers DAX UCITS ETF 1C
 3.768
Deka DAX UCITS ETF
 1.020
Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETF
    924
DEKA DAX (ausschüttend) UCITS ETF
    882

Abb. 3: DAX-ETF und Volumina (JustETF, 2021)

Verluste

Jede Finanzanlage birgt Risiken und unterliegt Marktschwankungen (induziert durch Corona, Krieg, Rezession, etc.), wodurch Verluste für Anleger entstehen. Insbesondere Anlagen, die gar nicht, zum Teil, oder schlecht abgesichert sind, verzeichneten in der Vergangenheit hohe Verluste. Der deutsche Leitindex hat beispielsweise im ersten Quartal 2020 innerhalb eines Monats (Mitte Feb. bis Mitte Mrz. 2020) 35,1 Prozent verloren.
Natürlich handelt es sich bei dem Beispiel um eine Extremsituation und der Markt hat sich wieder erholt. Rein rechnerisch liegt aber, sofern keine Absicherung oder Desinvestition stattgefunden hat, für die Anleger der fünf größten ETF ein Verlust von rd. 4,6 Mrd. Euro vor. Über einen längeren Zeitraum von 22 Jahren betrachtet (2000 - 2022) gab es hier immer wieder Schwankungen und neben Gewinnen auch Verluste, weil gerade in Abschwungphasen Behavioral Finance zum Tragen kommt und somit zu einem falschen Zeitpunkt (zu früh, zu spät) investiert, bzw. desinvestiert wird.
Abb. 5: Schlechteste Tage des DAX (Refinitiv 2021c)
Behavioral Finance beschäftigt sich dabei mit der Psychologie von Anlegern und steht im Gegensatz zu dem Bild des Homo oeconomicus, der uneingeschränkt rational handelt, über vollständige Marktinformationen verfügt und seinen Nutzen maximieren möchte. Im Rahmen der Behavioral Finance wird davon ausgegangen, dass sich das Verhalten von Anlegern in einer bestimmten Situation wiederholt, was bedeutet, dass sie dieselbe Entscheidung treffen, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben.

Verluste sind vermeidbar

Doch wie können Verluste vermieden werden und welche Instrumente kommen dabei zum Einsatz? Zunächst ist es entscheidend, objektive und quantifizierbare Kriterien einzusetzen, um eine Unabhängigkeit von Personen und Prognosen sicherzustellen. Hierbei helfen die Werkzeuge der technischen Analyse von Kursverläufen und spezifischen Mustererkennung. Insbesondere aus der Verbindung verschiedener Indikatoren wie beispielsweise Volatilität und der Differenz von gleitenden Durchschnitten lassen sich Trendwendepunkte besser erkennen. Absehbare Verlustrisiken lassen sich durch gutes Timing und Kurssicherungsgeschäfte reduzieren und das Anlegervermögen besser schützen.
 
Im aktuell laufenden Kalenderjahr hat der deutsche Leitindex von seinem historischen Hoch bei über 16.000 Punkten innerhalb weniger Monate im Verlauf der Ukraine-Krise mehr als ein Fünftel verloren, was das Risiko einer Anlage in deutsche Aktien (direkt, in Fonds, in ETF) zeigt.
 
In Abbildung 6 ist die Wertentwicklung des deutschen Leitindex (Deutsche Aktien), einmal mit dem vermögensschützenden Fonds Werte & Sicherheit – Deutsche Aktien Plus dargestellt.

Wirkung der Absicherung

Es zeigt sich, dass mittels einer geeigneten Absicherung Verluste reduziert werden können. Die Absicherung kann man sich wie einen Airbag vorstellen, der einen möglichen Aufprall abmildert. Das Risiko im Portfolio wird nach objektiven und quantifizierbaren Kriterien zeitweise eliminiert. Diese Vorgehensweise ist unabhängig von Personen, objektiv und wiederholbar. Die Mehrrendite entsteht in Abwärtsphasen an den Kapitalmärkten durch die Vermeidung von Verlusten.
 
Wäre zum Beispiel eine Absicherung in den o.g. fünf größten DAX-ETF vorgenommen worden, so hätten alleine im ersten Quartal diesen Jahres über 600 Millionen Euro an Verlust vermieden werden können.

Funktionsweise der Absicherung

Grundlage der Systematik ist die Forschung im Gebiet der Behavioral Finance in Verbindung mit klassischer Charttechnik. Klassische Trendfolgemodelle oder Risikomessmethoden wie ein Value-at- Risk-Ansatz reagieren meist zu spät. Dadurch verkaufen private wie institutionelle Anleger oftmals zum ungünstigsten und tiefsten Kurs.
 
Um das Risikomanagement zu verbessern, haben wir in einer empirischen Untersuchung von Kurs- und Indikatoren über eine Zeitreihe von 20 Jahren analysiert, wie diese vor Eintritt eines Kursrückschlag verhalten. Daraus konnten wir zwei wichtige Erkenntnisse ableiten:
  1. Es gibt nicht den einen Indikator oder Signalgeber für einen Crash, sondern es ist immer ein anderer.
  2. Standardbetrachtungen, wie der beliebte Jahresdurchschnitt der Kurse, haben oftmals Eintrittswahrscheinlichkeiten von unter 50 Prozent und machen damit die Durchführung eines Münzwurfs zur Investitionsentscheidung besser.

Deshalb besteht unsere quantitative Indikation zur Risikomessung diverser Aktien- und Rentenindizes aus mehreren Inputfaktoren, welche die jeweilige Gefahr eines größeren Kursrückgangs an den Märkten signalisieren. Unsere Partner erhalten diese Indikationen als unterstützende Entscheidungshilfe für das globale Portfoliomanagement. Im Ergebnis ergibt sich beispielsweise für den deutschen Aktienmarkt eine langfristig bessere Performance als der Deutsche Leitindex und dies bei geringerem Risiko. Das Timing wird damit nicht dem Zufall überlassen sondern ist berechenbar.

Dr. Daniel Schallmo ist Ökonom, Unternehmensberater und Autor zahlreicher Publikationen. Er ist Professor für Digitale Transformation und Entrepreneurship an der Hochschule Neu-Ulm, dort Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Mitglied am Institut für Digitale Transformation. Heribert Danner ist diplomierter Sparkassenbetriebswirt und absolvierte sein Studium zum MBA an der Wirtschaftsuniversität Wien. Gemeinsam mit Daniel Schallmo ist er Gründer und Gesellschafter der W & S Portfoliomanagement GmbH, die auf digitales Assetmanagement spezialisiert ist, zwei Aktienfonds initiiert hat und diese mithilfe der digitalen Technologie berät.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

iShares Core DAX® UCITS ETF (DE) Acc 121,56 0,35%
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UC DAX 14.371,82 -0,08%
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Deka DAX® UCITS ETF 128,68 0,37%
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Deka DAX® (ausschüttend) UCITS ETF 58,80 0,03%
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Xtrackers DAX UCITS ETF 1C 137,20 0,37%
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Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETF 117,80 0,26%
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