Investieren in Musikrechte: Stars wie Bruce Springsteen oder Bob Dylan sind auch bei Investoren gefragt

Adrian Roestel, Huber, Reuss & Kollegen
Adrian Roestel / Bild: Huber, Reuss & Kollegen
Namhafte Größen wie Bruce Springsteen, Bob Dylan, Tina Turner, John Legend, die Red Hot Chili Peppers und Justin Timberlake haben allesamt Jahrzehnte damit verbracht, erfolgreiche Musik zu produzieren und prägen bis heute die weltweite Musiklandschaft. Und nun, da die Nachfrage nach ihren Werken immer weiter steigt, entscheiden sich immer mehr Künstler dafür, ihr kreatives Vermächtnis in bare Münze umzuwandeln.

Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Anstieg bei der Übernahme von Musikrechten verzeichnet, die zunehmend als attraktive Vermögensklasse für Investoren angesehen werden. Schließlich haben Streamingdienste wie Spotify, Apple Music und Amazon Music den Markt revolutioniert und die Art und Weise, wie Musik konsumiert und monetarisiert wird, verändert.

Aus diesem Grund können Künstler oft durch den Verkauf ihrer Musikrechte erhebliche Summen einnehmen und das Risiko für zukünftige Einkommensschwankungen minimieren. Diese Alternative ist besonders attraktiv in Zeiten, in denen Live-Events und Tourneen nicht stattfinden können, wie es während der Corona-Pandemie etwa der Fall war. Auf der anderen Seite können Investoren von Musikrechten regelmäßige Einnahmen erzielen, die in hohem Maße gegen wirtschaftliche Turbulenzen immun sind. Denn ob ein Song im Radio gespielt, in einem Film oder einer TV-Show verwendet oder auf Streaming-Plattformen abgespielt wird, ist zumeist unabhängig vom konjunkturellen Umfeld.

Milliardeninvestitionen in den Musikmarkt

Private-Equity-Firmen wie Blackstone und KKR haben daher in den letzten Jahren Milliarden von Dollar in Musik-Kataloge investiert und werden dabei zumeist von Spezialunternehmen wie Hipgnosis Songs, Round Hill sowie Lyric Street unterstützt. So hatte beispielsweise Hipgnosis Songs zusammen mit Blackstone erst im Januar dieses Jahres ungefähr 200 Millionen US-Dollar für die Rechte an Justin Biebers Musik bezahlt.

Aber auch etablierte Plattenlabels haben begonnen, in diesen Markt zu investieren und ihre Aktivitäten in diesem Bereich auszubauen. Ein Beispiel dafür ist Universal Music Group: Das Label hat in den Jahren 2020 bis 2022 mindestens 1,8 Milliarden US-Dollar für Musik-Käufe ausgegeben und wird im Zeitraum 2023-2026 voraussichtlich etwa weitere 300 Millionen Euro pro Jahr für Investitionen einsetzen.

Während die Akquisitionen für Musik-Kataloge in den letzten Jahren um ein Vielfaches zugenommen haben und im Jahr 2021 mehr als 5,3 Milliarden US-Dollar erreichten, wird der Markt für Musikrechte mittlerweile auf ein Volumen von fast 35 Milliarden US-Dollar geschätzt, der jedes Jahr um prognostizierte rund 8 Prozent wachsen soll.

Streaming-Format führend in der Musikwelt

Anders als in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten, die von Piraterie und dem starken Rückgang des physischen Verkaufs geprägt waren, wurde das enorme Wachstum des globalen Musikumsatzes und die Zunahme von Musik-Katalogübernahmen vor allem durch das bisherige Niedrigzinsumfeld und das Fehlen von renditestarken Anlagealternativen, den Übergang zum Streaming sowie die gesteigerte Auffindbarkeit von Songs vorangetrieben. Darüber hinaus haben Kurzform-Video-Plattformen wie TikTok, YouTube Shorts und Instagram Reels ebenfalls dazu beigetragen, das Einkommenspotential der Musikindustrie zu erweitern und die Vorhersehbarkeit der Cashflows zu verbessern.

Dabei hat sich das Streaming-Format als inzwischen führend in der Musikbranche etabliert und ist mit einem Marktwert von knapp 20 Milliarden US-Dollar sowie einem Anteil von etwa 65 Prozent am globalen Umsatz mit Masteraufnahmen eine entscheidende Komponente. Gleichwohl das Streaming-Geschäft seit 2010 unaufhaltsam gewachsen ist, gibt es keine Anzeichen dafür, dass dieses Segment bald an seine Kapazitätsgrenze stoßen wird. Vielmehr wird erwartet, dass die Einnahmen bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12 Prozent weiter zunehmen werden.

Weltweite Umsätze mit Musikaufnahmen 1999-2021 (Mrd. USD)

Angesichts dieser Entwicklungen sind immer mehr Investoren aktiv auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, in diese alternative Anlageklasse zu investieren und ihr Portfolio zu diversifizieren. Hierfür bietet der Markt für Musikrechte zahlreiche Optionen, darunter beispielsweise indirekte Investitionen über große Musik-Labels wie Universal Music oder Sony Music, unabhängige digitale Unternehmen wie Believe Music sowie Streaming-Plattformen wie Spotify. Investoren hingegen, die Musikrechte direkt erwerben möchten, können zum Beispiel sowohl auf Private-Equity-Fonds als auch auf spezialisierte Investmentfonds zurückgreifen.

Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Branche bleibt abzuwarten, wie sich das aktuelle makroökonomische Umfeld, das von gestiegenen Zinsen, einer erhöhten Inflation und geopolitischen Risiken geprägt ist, auf die anhaltende Nachfrage nach Musikrechten auswirken wird. Allerdings ist die Musikindustrie gut positioniert, um auf künftige Herausforderungen zu reagieren, neue Vermarktungsmöglichkeiten auszubauen und weiterhin attraktive Anlage-Chancen zu bieten.
Adrian Roestel ist Leiter Portfoliomanagement bei Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

SONY GROUP Rg 79,00 -0,82%
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Spotify 234,00 -0,85%
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Universal Musik Group B.V. 27,07 0,93%
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Apple 166,88 -0,13%
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Blackstone Rg 115,50 -0,43%
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KKR & Co. 87,98 -0,18%
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