ETF - Exchange Traded Funds

Vertrauen auf Indizes oder was bedeutet passives Investieren?

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Börsenprofis haben eines mit Bürokraten gemein: Sie lieben Abkürzungen – und am besten noch aus dem Englischen! Die haben den schönen Vorteil, dass sie sehr fachmännisch klingen. Außerdem kann zum Beispiel mit ETF auf dem Börsenparkett, auf dem alles schnell geht, kurz und knackig etwas umschrieben werden, was ausgeschrieben etwas umständlich Exchange Traded Funds lautet. Es handelt sich dabei um Fonds, die meistens einen Index nachzeichnen und immer über die Börse gehandelt werden können. Das hat gegenüber dem Kauf beim Emittenten oder der Bank den Vorteil, dass Aufschläge und andere mehr oder weniger gut getarnte Mehrkosten wegfallen, vor allem aber auch die Managementgebühren für den Fondsverwalter, denn ETFs brauchen erst gar keinen Manager.

Einfach und nachvollziehbar konstruiert

Damit das funktioniert, sind ETFs einfach und leicht nachvollziehbar konstruiert, weil sie zum Beispiel einen bestimmten Aktienindex nachzeichnen, also etwa den Dax oder den europäischen EuroStoxx. Deshalb werden sie auch, im Gegensatz zu den aktiv gemanagten Fonds, als passiv bezeichnet. ETFs haben eine unbestimmte Laufzeit, es gibt also keinen Tag X, an dem das investierte Geld plötzlich nichts mehr wert ist, weil die Kurse eine bestimmte Grenze über- oder unterschreiten. Da diese Fonds wie ganz normale Aktien an der Börse gehandelt werden, können sie jederzeit gekauft und wieder verkauft werden. Zahlen muss der Anleger nur die relativ geringe Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, den so genannten Spread. Und so kann der Anleger auch die üblichen Orderzusätze auf ETFs genauso anwenden wie etwa bei Aktien.

Physisch oder synthetisch?

ETFs können einen Index exakt 1:1 nachzeichnen oder nur so tun als ob. Die mögliche Abweichung vom Index, die sich zum Beispiel aus den Verwaltungskosten des ETFs speist, wird als Tracking Error bezeichnet und sollte selbstverständlich so niedrig wie möglich ausfallen. Im ersten Fall handelt es sich um physische oder replizierende ETFs im zweiten Falle um sogenannte Synthetische oder Swap-ETFs. Physische ETFs kaufen beim Dax die Aktien der dort gelisteten dreißig Unternehmen – das ist zum Teil aber ziemlich mühsam, wenn beispielsweise beim MSCI World- Index 6.000 Einzelwerte zu berücksichtigen wären. So griff man zu dem Hilfsmittel der synthetischen ETFs. Hier schließt der ETF-Anbieter mit einer Bank einen Vertrag ab. Die Bank legt dann das Geld so an, dass möglichst exakt die Rendite des Basis-Index erreicht wird – liegt sie höher, profitiert die Bank, ist sie niedriger, zahlt sie drauf. Da die Kosten für das genaue Abbilden des Index, der ja auch immer wieder aktualisiert werden muss, wegfallen, sind solche synthetischen ETFs etwas günstiger als replizierende ETFs. Auch bei der Auswahl der Indizes sind diese ETFs sehr viel freier, weil sie auch welche nachzeichnen können, deren Aktien etwa schwer handelbar und zu bekommen sind.
 
Synthetische ETFs sind etwas in die Kritik geraten, weil sie in ihrer Zusammenstellung etwas komplizierter und auch riskanter als echte ETFs sind. Was passiert, wenn eine Bank als Vertragspartner in Zahlungsschwierigkeiten kommt? Dieses Risiko wird insofern minimiert, weil die Verträge gleich mit mehreren Instituten geschlossen werden. Manche Anleger haben allerdings ein grundsätzliches Problem, Körbchen zu kaufen, in denen nicht das drin ist, was draufsteht. Das ist nachvollziehbar, denn ein Vorteil von ETFs gegenüber von Fonds liegt ja normalerweise darin, dass Sie jederzeit ganz genau wissen, in was Sie investiert haben, weil sie nach einem einfachen System funktionieren.

Die Qual der Wahl

Wie auch „normale“ Fonds sind ETFs Sondervermögen, das Vermögen bleibt erhalten, auch wenn der Emittent, die Fondsgesellschaft, Pleite geht. ETFs eigenen sich dazu, auch mit dem eher begrenzten Budget eines Privatanlegers möglichst breit zu diversifizieren, zum Beispiel mittels Sparplänen.
 
Wie oft bei Wertpapieren, ist die Qual der Wahl groß, denn es kann zwischen den unterschiedlichen Anlageschwerpunkten, Kategorien und Währungen genauso gewählt werden wie unter den vielen Fondsgesellschaften, die ETFs anbieten. Die Website der Börse München hält deshalb einen eigenen ETF-Finder bereit, um dem Anleger die Wahl zwar nicht abzunehmen, aber doch zu erleichtern.

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