Nebenwerte hinken noch hinterher

Prof. Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Prof. Dr. Bernd Meye /Bild: Berenberg
Angesichts weiterhin starker US-Wirtschaftsdaten und nach falkenhaften Tönen wichtiger Fed-Mitglieder sind die Zinsen zuletzt weiter gestiegen. Eine US-Leitzinsreduzierung für März wurde nahezu vollständig ausgepreist. Anders als in den letzten beiden Jahren scheint der höhere Zins aber Aktien nicht zu belasten – im Gegenteil, die Bewertungen sind weiter angestiegen und DAX sowie S&P 500 haben neue Allzeithochs erreicht. Und auch in China konnten sich die Aktien zuletzt zumindest erholen, nachdem die Regierung massive Stimuluspakete zur Stützung der heimischen Aktienmärkte andeutete. Ein relativer Verlierer des noch jungen Jahres ist Gold, das unter dem stärkeren US-Dollar und den höheren Zinsen leidet. Jedoch sind wir zuversichtlich, dass Edelmetalle wie in früheren Zyklen auch zu den relativen Gewinnern gehören sollte, sollten die ersten Zinssenkungen einsetzen. Dasselbe dürfte auch für Nebenwerte gelten, die dieses Jahr auch noch hinterherhinken.

Kurzfristiger Ausblick: Das Superwahljahr nimmt Fahrt auf

Die Q4-Berichtssaison ist in vollem Gange – von den bisher berichteten S&P 500-Unternehmen (ca. 55 Prozent) haben knapp 80 Prozent die Gewinnerwartungen übertroffen. Auf politischer Ebene nimmt das Superwahljahr 2024 im Februar mit den Wahlen in El Salvador, Aserbaidschan, Pakistan, Indonesien, Weißrussland und Kambodscha an Fahrt auf. Seit Februar sind auch die Vorwahlen in den USA im Blickpunkt, wo bis zum Super Tuesday (5. März) in fast 40 Prozent aller US-Staaten Wahlen stattgefunden haben. Am Dienstag stehen die VPI-Zahlen (Jan.) für die USA und die ZEW-Umfrage (Feb.) für Deutschland an. Mittwoch folgen die BIP-Zahlen für die Eurozone und am Donnerstag die Industrieproduktions- (Jan.), Arbeitsmarkt- (Feb.) und vorläufigen Einzelhandelsdaten (Jan.) für die USA. Freitag werden die US-Erzeugerpreisinflation (Jan.) und der vorläufige Stimmungsindikator (Feb.) der Universität Michigan veröffentlicht. In der Folgewoche werden die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Jan.) für die USA und Eurozone sowie das US-Fed-Protokoll veröffentlicht.
  • Trotz jüngst steigender Zinsen erklimmt der eigentlich zinssensitive S&P 500 neue Allzeithochs, da vor allem die „Glorreichen 7“ in der Berichtssaison erneut im Schnitt ihr starkes Gewinnwachstum unter Beweis stellten.
  • Allerdings erklären die gestiegenen Gewinnschätzungen nur knapp ein Fünftel der Performance seit Jahresanfang. Tatsächlich resultiert der Anstieg vor allem aus einer Bewertungsausweitung. Zwar steigen die Gewinne, mit der Bewertung aber auch die Erwartungen an das künftige Gewinnwachstum.

Ausgewählte Assetklassen aus dem Märkte-Monitor

  • Die anhaltenden Unruhen im Nahen Osten und am Roten Meer verliehen dem Brent-Rohöl Rückenwind, das die beste Performance seit Jahresbeginn in der Rangliste verzeichnete. Starke Gewinnberichte, insbesondere im US-Technologiesektor, gaben den Aktien der Industrienationen Auftrieb.
  • Anhaltende Sorgen im Immobiliensektor auf beiden Seiten des Atlantiks belasteten die REITs, die in den letzten vier Wochen das Schlusslicht in der Performance-Rangliste bildeten.
  • Aktien legten in den letzten vier Wochen auf breiter Front zu. Die Large-Cap-Indizes der Industrieländer verzeichneten weiterhin die beste Performance seit Jahresbeginn, wobei die
    Marktbreite auf beiden Seiten des Atlantiks gering war.
  • Die Erwartung von Stabilisierungsmaßnahmen durch die chinesische Regierung stützte die Aktien der asiatischen Schwellenländer. Taubenhafte Kommentare von BoJ-Ratsmitgliedern gaben japanischen Aktien Auftrieb.
  • In Erwartung einer weiteren Lockerung der Geldpolitik fiel die Rendite chinesischer Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.
  • Die meisten anderen Anleihesegmente gaben in lokaler Währung nach. Robuste
    Konjunkturdaten, steigende Inflationsrisiken und tendenziell falkenhafte Zentralbanken führten zu steigenden Anleiherenditen.
Prof. Dr. Bernd Meyer ist Chefanlagestratege und Leiter Multi Asset im Wealth and Asset Management bei Berenberg
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Datum: 12.02.2024

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