Asiens Aktienmärkte bis Jahresende im Vorteil

John Vail, Nikko AM
John Vail /Bild: Nikko AM
Asiens Aktienmärkte sind bis Jahresende im Vorteil gegenüber den USA und Europa

USA

In den USA sind die Bewertungen mit einem KGV im S&P 500 von rund 20 (basierend auf den Gewinnschätzungen für 2022) immer noch hoch. Die steigenden Anleiherenditen werden diese Bewertungen in Frage stellen. Die Rückkäufe sind nach wie vor hoch, und das Gewinnwachstum dürfte im Jahresvergleich zumindest positiv sein. Alles in allem dürfte dies zu stagnierenden Aktienkursen führen.

Europa

Hier haben sich die Börsen zuletzt nicht wesentlich schlechter entwickelt als die amerikanischen, was angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtung Europas mit Russland viel zu positiv erscheint. Wir gehen davon aus, dass ein Rückgang der Erdgaslieferungen nach Europa für die Stimmung und die Datenlage der Wirtschaft und des Unternehmenssektors sehr problematisch sein wird. Die Aktienkurse dürften daher nachgeben und die Gewinnerwartungen ins Negative sinken. Das KGV des Euro Stoxx entspricht seinem langfristigen Durchschnitt. Angesichts steigender Anleiherenditen auch in Europa gehen wir davon aus, dass die EZB restriktiver sein wird als es die Märkte erwarten.

Japan

Auf Yen-Basis hat sich die Tokioter Börse zuletzt nicht allzu schlecht entwickelt. Der Yen aber schwächelte, vor allem weil die Notenbank bisher keine Straffung plant. Angesichts der vollständigen Wiedereröffnung der Wirtschaft (mit Ausnahme des internationalen Tourismus) dürfte sich die Stimmung der Verbraucher endlich wieder aufhellen. Auch der bedeutende Automobilsektor dürfte sich weiter deutlich verbessern. Die Unternehmensgewinne erholen sich ebenfalls, unterstützt vom schwächeren Yen. Das politische Risiko in Japan ist gering, die Strukturreformen werden fortgesetzt, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und alternative Energien, und fiskalische Anreize dürften die Konjunktur zusätzlich ankurbeln. In Russland selbst ist Japan nur wenig engagiert, aber die Verlangsamung in Europa wird Japan tangieren. Die Erholung Chinas nach den Lockdowns wird dagegen vorteilhaft sein. Das KGV des TOPIX fiel zuletzt auf niedrige 13,7. Unterstützt wird der Markt durch verstärkte Aktienrückkäufe und eine Dividendenrendite, die mit 2,1 Prozent im Vergleich zu Anleihen weiterhin attraktiv ist. Der Markt korrelierte in letzter Zeit positiv mit den Renditen von US-Anleihen – ein weiterer Rendite-Anstieg dürfte ihn eher begünstigen als behindern.

MSCI Developed Pacific-ex Japan

Australien profitiert von den höheren Rohstoffpreisen und seiner politischen Stabilität. Solange China für seine Beziehungen zu Russland nicht sanktioniert wird und die Lage in Taiwan stabil ist, dürfte sich die chinesische Wirtschaft erholen und die Nachfrage nach australischen Waren weiter steigen, zumal sich der politische Streit zwischen beiden Ländern abgeflaut ist. China braucht mehr Kohlelieferungen, weil es sich Sorgen um die Energiekosten macht und bereit ist, seinen Übergang zu grüner Energie zu verlangsamen. Der Aktienmarkt von Hongkong, der von Unternehmen aus der Volksrepublik dominiert wird, litt unter verschiedenen regulatorischen Entwicklungen in China sowie unter den Problemen Hongkongs selbst, wie dem anhaltenden Ausbleiben von Touristen und dem schwächelnden Immobilienmarkt. Die Lage hat sich jedoch verbessert und es ist zu hoffen, dass der Immobilienmarkt höheren Zinsen standhalten wird. In der Zwischenzeit wird Hongkong von der Erholung Chinas profitieren. Insgesamt erwarten wir für Hongkong in den kommenden sechs Monaten kräftige und für Australien moderate Zuwächse.

Prognosen für die Aktienmärkte bis Jahresende 2022

  • MSCI World (Total Return, USD)               +0,6 Prozent
  • S&P 500 (USD)                                               +1,7 %
  • MSCI Europe (USD)                                       -9,6 %
  • Topix (Yen, USD)                                           +5,3 %
  • MSCI Developed Pacific-ex Japan (USD)   +10,7 %

John Vail ist Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management

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