Dr. Ulrich Kater, DekaBank

Ölpreis im Fokus der Kapitalmärkte

Steigende Rohölpreise und die Furcht vor der Verknappung wichtiger Rohstoffe durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus stehen derzeit im Fokus der Kapitalmärkte. Die Straße von Hormus ist der wichtigste Handelsweg für Rohöl, Erdgas und weitere Rohstoffe aus dem Nahen Osten.

Dr. Ulrich Kater, DekaBank

Militärische Operationen bergen große Risiken

Die Hoffnungen ruhen auf den USA, mit militärischer Hilfe den Handelsweg wieder passierbar zu machen. Doch es erscheint zunehmend schwierig, die iranischen Militärkapazitäten so weit zurückzudrängen, dass Produktion und Transport von Rohöl sich bald wieder normalisieren können. Gerade militärische Operationen bergen große Risiken, und die Gefahr einer längerfristigen Auseinandersetzung ist inzwischen deutlich gestiegen. Daher wird die Entwicklung im Nahen Osten die Märkte auch in den kommenden Wochen weiter im Griff behalten. Eine breit angelegte physische Knappheit an Rohöl würde sich unter den gegenwärtigen Bedingungen erst in einigen Monaten einstellen. Solange reichen Lagerbestände und strategische Reserven aus. Doch die Marktteilnehmer bleiben vorsichtig, und beim Rohöl werden steigende Risikoprämien eingepreist.

Kein Zusammenbruch, aber eine erhebliche Hypothek für die Wirtschaft

Für die Wirtschaft im Euroraum bedeuteten lang anhaltende Rohölpreise von über 100 US-Dollar, dass die Konjunkturprognosen etwa um einen halben Pro-zentpunkt zurückgenommen werden müssten. Dies wäre kein Zusammenbruch der Wirtschaft, wohl aber eine erhebliche Hypothek für Wachstum und Konsum. Eine regelrechte Ölkrise würde entstehen, wenn die Rohölknappheit dauerhaft zu Preisen deutlich über 150 US-Dollar führen sollte. Dann wäre eine Rezession wahrscheinlich, und die Notenbanken müssten ihre Zinsen nicht erhöhen, sondern eher senken. Die gegenwärtigen Kursziele an den Aktienmärkten würden dann in die Zukunft verschoben werden. Noch sind dies lediglich mögliche Szenarien, allerdings mit spürbaren Auswirkungen. Neue Ereignisse, Nachrichten und Kommentare von Entscheidungsträgern führen in solchen Situationen zu ungewöhnlich hohen Kursschwankungen an den Kapitalmärkten

Ulrich Kater

Dr. Ulrich Kater ist seit 2004 Chef-Volkswirt der DekaBank. Er studierte an den Universitäten Göttingen und Köln Volkswirtschaftslehre und promovierte 1995 am Finanzwissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität zu Köln. Von 1995 bis 1999 war Dr. Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel.

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