Welche Auswirkungen hat die Eskalation im Nahen Osten auf die Verteidigungssysteme?
Die Ereignisse könnten auf zwei sich abzeichnende Themen innerhalb des Verteidigungssektors im weiteren Sinne hinweisen:
Erstens bedeutet die Nähe zu einer feindlichen Macht, die über Raketen- und Drohnenkapazitäten verfügt, in einer zunehmend volatilen geopolitischen Welt ein reales Risiko – selbst für Staaten, die strategische Distanz zu Konflikten suchen. Zweitens erfordert eine zuverlässige Luftverteidigung im Zeitalter des Drohnenkriegs mehr als nur hochmoderne Raketenabwehrsysteme.
Aufwärtsbewegung für Verteidigungsaktien
Wir beobachten, dass Verteidigungsaktien eine allgemeine Aufwärtsbewegung verzeichnen. BAE Systems legte zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Kommentars um über sieben Prozent zu. Die größtenteils erfolgreiche Abwehr der auf Golfstaaten gerichteten ballistischen Raketen dürfte das Vertrauen in bestehende Raketenabwehrsysteme stärken. Die Patriot- und THAAD-Systeme scheinen ihre Aufgabe gut erfüllt zu haben. Golfstaaten dürften ihre Fähigkeiten in diesem Bereich ausbauen und modernisieren, während Länder ohne vergleichbare Systeme noch stärker an ihre Verwundbarkeit und den Handlungsbedarf bei der Beschaffung von Raketenabwehrsystemen erinnert werden.
Drohnenabwehr rückt in den Fokus
Das vergangene Wochenende hat zugleich gezeigt, dass hochentwickelte Raketenabwehrsysteme in der neuen Ära der Drohnenkriegsführung allein nicht ausreichen. Mehrere Drohnen konnten die Verteidigung der Golfstaaten durchdringen. Diese Drohnen sind vergleichsweise kostengünstig und in großer Stückzahl produzierbar. Selbst bei hohen Abfangquoten sind Schäden nicht auszuschließen, wenn Drohnen in der Masse eingesetzt werden.
Dadurch rücken spezielle Fähigkeiten zur Drohnenabwehr, wie beispielsweise Luftabwehr mit kurzer Reichweite, Erkennungsnetzwerke und elektronische Kriegsführung, stärker in den Fokus. Thales ist dafür potenziell gut positioniert, da das Unternehmen bereits mit den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Radartechnologie und Luftraumüberwachungssystemen kooperiert. Ähnliches gilt für Rheinmetall, das in der Vergangenheit mit emiratischen Rüstungsakteuren bei Luftverteidigungssystemen mit kurzer Reichweite zur Abwehr von Drohnen zusammengearbeitet hat.
Spezialisierte Drohnenabwehrunternehmen könnten profitieren. So legte die australische DroneShield vergangenen Montag um mehr als sechs Prozent zu. Das Unternehmen entwickelt und produziert Systeme, die feindliche Drohnen mithilfe von Radar, Funkfrequenztechnologie und KI-gestützter Software erkennen, verfolgen und neutralisieren. Da Drohnen günstig herzustellen sind und häufig in großer Zahl eingesetzt werden, benötigen Staaten kosteneffiziente Abwehrlösungen. Während eine einzelne Drohne nur einige Zehntausend US-Dollar kosten kann, werden bei herkömmlichen Luftabwehrsystemen Abfangraketen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar eingesetzt. Um dieses Kostenungleichgewicht zu verringern, werden Lösungen von Unternehmen wie DroneShield in der zukünftigen Luftabwehr eine zentrale Rolle spielen.
Zuverlässige Raketenabwehr und wirksame Drohnenabwehrsysteme sind unverzichtbar
Die übergeordnete Lehre aus den Ereignissen des vergangenen Wochenendes lautet: Wer in Reichweite einer feindlichen Macht liegt, die Drohnen in großer Stückzahl produzieren und einsetzen kann, ist verwundbar. Staaten in Mittel- und Osteuropa befinden sich in Reichweite russischer Loitering-Munition. In einer Welt steigender geopolitischer Spannungen sind zuverlässige Raketenabwehr und wirksame Drohnenabwehrsysteme unverzichtbar.