Vorfall in Leipzig rückt Drohnenabwehr in den Anlegerfokus
Der Vorfall in Leipzig macht deutlich, dass die Herausforderung der Drohnenabwehr längst nicht mehr nur Militärstützpunkte oder Kriegsgebiete betrifft. So kollidierte kürzlich ein DHL-Frachtflugzeug kurz nach dem Start mit einem unbekannten Objekt. Unabhängig davon entdeckten die Behörden eine Drohne auf dem Flughafengelände. Ob beide Vorfälle miteinander in Verbindung standen, ist bislang nicht geklärt. Die möglichen Folgen, wenn eine unautorisierte Drohne in die Flugbahn eines Verkehrsflugzeugs gerät, sind jedoch offensichtlich.
Dabei handelte es sich keineswegs um einen Einzelfall. So registrierte die Deutsche Flugsicherung im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 145 Störungen durch unautorisierte Drohnen, von denen 90 Prozent im Umfeld von Flughäfen auftraten. Allein in Leipzig wurden 18 Vorfälle verzeichnet. Im Jahr 2025 führten Drohnensichtungen an 25 deutschen Flughäfen zu vollständigen oder teilweisen Sperrungen.
Die Regierungen reagieren inzwischen mit erheblichen Investitionen. So haben sich die NATO-Mitgliedstaaten verpflichtet, in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden US-Dollar für Maßnahmen zur Drohnenabwehr auszugeben.
Abfangen von Drohnen jenseits von Kriegsgebieten
Eine Drohne über einem Flughafen, einer Energieanlage oder einer dicht besiedelten Stadt abzuwehren ist jedoch eine vollkommen andere Aufgabe als das Stoppen einer Drohne auf dem Kriegsgebiet. Zwar kann das Militär Drohnen abschießen, doch über Flughäfen oder größeren Ballungsräumen wäre dies mit zu hohen Risiken verbunden.
Deshalb haben mehrere spezialisierte Drohnenunternehmen innovative Lösungen entwickelt, die ein sichereres Abfangen von Drohnen ermöglichen.
Ondas zählt zu den führenden Anbietern in diesem Bereich. Das Sentrycs-System des Unternehmens erkennt das Kommunikationssystem, das von einer unerlaubt eingedrungenen oder feindlichen Drohne genutzt wird. Anschließend kann das System potenziell die Kontrolle über die betreffende Drohne übernehmen und sie zu einem festgelegten Landeplatz steuern. Sentrycs wird bereits von deutschen Landespolizeibehörden eingesetzt und war zudem Bestandteil des Drohnenabwehrsystems beim Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos. Zuletzt kam das System auch zum Schutz von Stadien und Fanzonen während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zum Einsatz.
Des Weiteren ist Ondas Eigentümer des Systems ‚Iron Drone Raider‘. Dabei werden eindringende Drohnen von autonomen Drohnen verfolgt und anschließend mit einem Netz eingefangen. Die abgefangene Drohne wird mithilfe eines Fallschirms zu Boden gelassen, um das Risiko herabfallender Trümmerteile zu verringern. Ondas hat zwei separate Aufträge zum Schutz großer, internationaler Flughäfen in Europa erhalten.
Drohnenabwehr in der Schweiz
Ein weiteres Beispiel ist DroneShield, das sich mit der Abwehr von Drohnen beschäftigt. Das Unternehmen hat sein DroneSentry-System am Flughafen St. Gallen-Altenrhein in der Schweiz installiert. Es nutzt passive Hochfrequenzsensoren und Kameras, um Drohnen zu erkennen und zu verfolgen, ohne die Systeme des Flughafens zu beeinträchtigen. Auch die DroneGun des Unternehmens – ein tragbares Drohnenabwehrsystem, das die Steuerungs- und Navigationsverbindungen einer Drohne unterbricht – wurde von der Schweizer Polizei zum Schutz des Weltwirtschaftsforums in Davos eingesetzt.
Diese Beispiele zeigen, weshalb zivile Technologien zur Drohnenabwehr zu einem wichtigen Bestandteil des Anlagethemas ‚Drohnen‘ werden. Das Wachstum wird nicht allein aus der Produktion zusätzlicher unbemannter Fluggeräte entstehen, sondern auch aus den Technologien, die erforderlich sind, um die wachsende Zahl von Drohnen im Luftraum zu kontrollieren – sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich.