Adrian Fritz, 21Shares

Stehen wir vor einem attraktiven Einstiegszeitpunkt für Bitcoin?

Welche Entwicklungen prägen den Krypto-Markt und haben langfristige Relevanz? Worauf sollten Krypto-Enthusiasten, -Anleger und -Besitzer aktuell achten? Das erläutern wir kurz in unserem kompakten, wöchentlich erscheinenden Überblick. Das aktuelle Update befasst sich mit der Frage, ob die gegenwärtigen Kurse bei Bitcoin zum Einstieg genutzt werden sollen.

Adrian Fritz, 21Shares

Bitcon: Die schwächste Performance seit Sommer 2022

Bitcoin beendete den Juni bei einem Kurs von annähernd 60.000 US-Dollar. Dies entspricht einem Rückgang seit Monatsbeginn von knapp 19 Prozent – die schwächste Performence des weltweit größten Krypto-Assets seit dem Zusammenbruch des Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital im Sommer 2022. Vom bisherigen Allzeithoch im Oktober 2025 bei rund 126.000 US-Dollar hat sich der Kurs damit um etwa 50 Prozent entfernt. Gerät damit das langfristige Wertversprechen von Bitcoin in Zweifel? Diese Annahme wäre in solch einer volatilen Zeit verständlich, aber aus unserer Sicht verfrüht.

Massiver Verkaufsdruck auf ETFs

Zunächst zur jüngsten Korrektur von Bitcoin: Diese ist eher makroökonomisch und mechanisch bedingt. Neben Liquidierungen von BTC-Positionen in Höhe von 19 Milliarden US-Dollar im Oktober 2025 – vor allem durch die US-Zollpolitiker angetrieben – und einer restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed, belastete vor allem der Abbau von Basis-Trades die ETF-Zuflüsse im Juni. Dabei handelt es sich um eine Strategie, bei der Investoren durch das gleichzeitige Halten von Spot-Bitcoin und Short-Futures-Kontrakten die Preisdifferenz (die Basis) zwischen diesen Märkten vereinnahmen. Wenn sich diese Spanne verengt, werden Positionen aufgelöst, was massivem Verkaufsdruck auf die ETFs führt.

Es fehlt jedoch die strukturelle Komponente vergangener Krisen – weder FTX noch Terra oder vergleichbare Ereignisse mit entsprechender Übertragung auf die Krypto-Kurse prägen das aktuelle Bild. Die Stimmung am Markt befindet sich auf einem Niveau, das wir zuletzt 2022 sahen; bei intakten Fundamentaldaten ist dies historisch gesehen ein klassisches Kontra-Signal.

Ist der Zyklus intakt?

Zu Beginn des Jahres 2026 herrschte weitgehender Konsens darüber, dass die ETFs, die für massiven institutionellen Kapitalzufluss in Bitcoin sorgten, dessen bewährten Vierjahreszyklus aufgebrochen hätten. Dennoch zeigt ein genauerer Blick, dass das Preisgeschehen weiterhin den bekannten Rhythmen nach dem Halving folgt. Sollte der Zyklus intakt sein, liefern uns seine historischen Muster eine Blaupause für das Ende dieses Bärenmarktes – und wir bewegen uns derzeit genau in jenes Zeitfenster, in dem Bitcoin in der Vergangenheit seine Tiefpunkte markiert hat. Unser Basisszenario bleibt eine Erholung in Richtung 100.000 US-Dollar bis zum Jahresende.

Die Argumente für ein Einstiegsfenster

Jede bedeutende Akkumulationsphase in der Geschichte von Bitcoin begann in einer Zone wie der jetzigen. Die aktuellen Niveaus wurden in weniger als 5 Prozent der gesamten Handelshistorie erreicht, und jeder dieser Fälle mündete in eine robuste Erholung über mehrere Jahre hinweg.

Die Grafik verdeutlicht eindrucksvoll den zeitlichen Vergleich zwischen den jeweiligen Markttiefs und den darauf folgenden Erholungsphasen. (©21shares, Glassnode)

  1. Zyklische Einordnung: Wir erreichen das Boden-Territorium Betrachtet man drei Zyklen (siehe Grafik), so bildete Bitcoin seinen Tiefpunkt im Durchschnitt etwa ein Jahr nach dem Hoch und 2,5 Jahre nach dem Halving. Acht Monate nach dem Höchststand im Oktober befinden wir uns nun genau in diesem Zeitfenster. Natürlich können wir weitere Schwankungen nicht ausschließen, weshalb wir auch nicht empfehlen, den exakten Tiefpunkt abpassen zu wollen: Wer innerhalb dieses Fensters akkumuliert hat, erzielte bis zum nächsten Halving eine durchschnittliche Rendite von etwa 130 Prozent – ohne den perfekten Einstiegspunkt treffen zu müssen.
  2. Bewertung und Halter-Stress spiegeln historische Tiefs wider: Erstmals in diesem Zyklus agiert der durchschnittliche Halter (Median) am Break-even-Punkt. Dieses Stressniveau markierte in vergangenen Zyklen stets den tiefsten Punkt und nicht den Beginn eines noch tieferen Absturzes. Interessanterweise konzentriert sich der Schmerz auf kurzfristige Akteure: Langfristige Halter haben seit dem Allzeithoch Bestände im Wert von etwa 19 Milliarden US-Dollar hinzugefügt und halten nun einen Rekordanteil am Gesamtangebot. „Smart Money“ steigt auf diesem Niveau nicht aus, sondern baut Positionen aus.
  3. Strukturell begrenzte Abwärtsrisiken: Die Oberseiten der jeweiligen Zyklen verliefen bisher ruhiger als die vorangegangenen: Der realisierte Preis – also der Durchschnittspreis, zu dem alle Bitcoin-Einheiten zuletzt bewegt wurden, und damit ein entscheidendes Maß für die tatsächlichen Gestehungskosten der Marktteilnehmer – macht nun etwa 44 Prozent des Höchststandes aus, gegenüber einem historischen Normwert von rund 25 Prozent. Dieser Boden wurde durch stetigere Zuflüsse mechanisch angehoben. Das Resultat: Ein Rückgang von etwa 50 Prozent gegenüber massiven Einbrüchen von 75 bis 85 Prozent in früheren Zyklen. Die Volatilität hat sich halbiert. Ein Rückfall auf die Tiefststände vergangener Zyklen würde einen systemischen Bruch erfordern, der derzeit nicht absehbar ist.

Fazit: Gereifter Vierjahreszyklus

Inmitten der aktuellen Marktphase und der vielen Faktoren, die auf Bitcoin einwirken, sollte weitere Volatilität nicht ausgeschlossen werden: Ein Schlusskurs unter etwa 58.000 US-Dollar könnte den Bereich zwischen 50.000 und 55.000 US-Dollar öffnen, was mit dem realisierten Preis korreliert. Wir halten dies jedoch für das Szenario mit der geringeren Wahrscheinlichkeit. Der Vierjahreszyklus ist nicht gebrochen, sondern gereift – er liefert uns heute einen flacheren, weniger gewaltsamen Bärenmarkt. Die Signale konzentrieren sich auf Niveaus, die in der Vergangenheit das Fundament markierten. Für das geduldigste Kapital ist dies bereits eine Akkumulationsphase, denn statistisch gesehen wurde Geduld auf diesen Niveaus bei Bitcoin bisher mit überdurchschnittlichen Ergebnissen belohnt

Adrian Fritz

Adrian Fritz ist Global Head of Research und verantwortet bei 21Shares die Research-Abteilung des Krypto-ETP-Anbieters. Fritz ist zusammen mit seinem Team für die Bereitstellung von Einblicken in den Kryptomarkt zuständig, einschließlich der Bereiche DeFi, NFTs, Krypto-Infrastruktur und den Entwicklungen von Krypto im Kontext der globalen Wirtschafts- und Geopolitik. Er absolvierte ein Masterstudium an der HULT International Business School in San Francisco und begann seine Karriere als Stockbroker in New York. Bevor er zu 21Shares kam, war er unter anderem bei Signature Management Consultants SL in Barcelona und als Financial Analyst bei Cellnex Telecom in Zürich tätig.  

 

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