Darius Moukhtarzade, 21Shares

Krypto zwischen Crash-Rhetorik und strategischer Akkumulation

Welche Entwicklungen prägen den Krypto-Markt und haben langfristige Relevanz? Worauf sollten Krypto-Enthusiasten, -Anleger und -Besitzer aktuell achten? Das erläutern wir in unserem kompakten, wöchentlich erscheinenden Überblick. Dieses Mal geht es um einen trotz der Kursrückgänge zwar nervösen, aber strukturell reifer werdenden Kryptomark.

Darius Moukhtarzade, 21Shares

Der Kryptomarkt bleibt im Spannungsfeld aus hoher Nervosität und struktureller Reife. Bitcoin fiel zuletzt bis auf rund 62.000 US-Dollar und notiert damit etwa 47 Prozent unter dem Allzeithoch – offiziell Bärenmarkt. Für viele Marktteilnehmer fühlt sich das nach einem Trendbruch an. Ein differenzierter Blick zeigt jedoch: Nach den jüngsten US-Inflationsdaten setzte eine moderate Gegenbewegung ein. Gleichzeitig verharrt das “Fear & Greed” Sentiment auf extremen Angstniveaus. Historisch waren solche Phasen weniger das Ende eines Zyklus als vielmehr Übergangspunkte mit erhöhter Volatilität. Besonders bemerkenswert ist das Verhalten großer Marktakteure. Innerhalb nur einer Woche akkumulierten sogenannte „Wales“ rund 53.000 BTC – im Gegenwert von etwa vier Milliarden US-Dollar. Solche Wallets agieren typischerweise langfristig und preisinelastisch, d.h. unabhängig vom aktuellen Kurs. Das spricht weniger für Kapitulation, sondern eher für strategische Positionsbildung. Doch wie ist der Markt aktuell überhaupt einzuordnen? Neben der Kursfrage gibt es viele aktuelle Entwicklungen, die es zu beachten gilt.  

Das 10.000-Dollar-Narrativ und die Renaissance von Silber 

Für Aufmerksamkeit sorgte ein diskutiertes Szenario, das Bitcoin bei 10.000 US-Dollar sieht und eine Implosion des Krypto-Marktes prognostiziert. In Phasen erhöhter Unsicherheit entfalten solche Extremprognosen besondere Brisanz. Parallel dazu zeigt sich eine auffällige Kapitalrotation. Während digitale Assets konsolidieren, gewinnt Silber an relativer Stärke. Marktbeobachter diskutieren zunehmend, ob Edelmetalle kurzfristig wieder als bevorzugtes Krisen-Asset wahrgenommen werden. Diese Bewegung ist weniger als strukturelle Abkehr von Krypto zu verstehen, sondern als Ausdruck erhöhter Risikoaversion.  

Deutschland: Steuertransparenz und strategische Standortfragen 

Auch regulatorisch nimmt der Druck zu. Die Finanzverwaltung beginnt mit der Auswertung der ersten Meldedaten aus der DAC8-Richtlinie. Eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation sämtlicher Transaktionen wird mit Blick auf 2026 zur zentralen Compliance-Anforderung. Auf wirtschaftspolitischer Ebene sorgte Friedrich Merz auf der vor kurzem zu Ende gegangene Münchner Sicherheitskonferenz mit seiner Warnung vor einem schleichenden Bedeutungsverlust des US-Dollars für Aufmerksamkeit. Sein Plädoyer für einen starken digitalen Euro zielt auf die Absicherung der deutschen Exportwirtschaft und rückt digitale Zentralbankwährungen erneut ins strategische Zentrum. Auch für Krypto-Assets ist das indirekt von hoher Bedeutung, da damit sowohl die Frage der Zukunft des Dollar als auch die technologische Entwicklung der Blockchain-Infrastruktur in den Mittelpunkt gerückt wird.

Institutionell formiert sich zugleich ein europäischer Akteur mit Ambitionen: Die Börse Stuttgart Digital plant eine Fusion mit dem Kryptohändler Tradias. Ziel ist die Bildung eines führenden europäischen Krypto-Champions. In einem Umfeld zunehmender Regulierung und Professionalisierung dürfte die Konsolidierung weiter voranschreiten. 

Selektive Stabilität im Altcoin-Segment

Während viele Altcoins im Zuge der Marktkorrektur zweistellige Verluste verzeichneten, zeigen einzelne Projekte Stabilisierungstendenzen. Hyperliquid (HYPE) hält sich im Gegensatz zum Großteil des Marktes stabil im Preis, primär aufgrund der starken Einnahmen der Plattform und Value Capture des Tokens durch Buy Backs. Auch Canton (CC) und das AI Projekt Bittensor (TAO) behaupten sich im relativen Vergleich stabiler als der breite Markt. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Differenzierung hin: Kapital reagiert sensibler auf technologische Positionierung, Nutzung und strukturelle Resilienz. 

Ein Markt zwischen Emotion und Struktur 

Die aktuelle Marktphase ist geprägt von scharfen Schlagzeilen, Extremprognosen und hoher Unsicherheit. Gleichzeitig zeigen Onchain-Daten, institutionelle Fusionspläne und regulatorische Klarheit, dass sich das Ökosystem weiter professionalisiert. Ob sich bereits ein tragfähiger Boden ausbildet oder weitere Abwärtsbewegungen folgen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Markt reagiert zunehmend selektiv. Fundamentaldaten wie nachhaltige Einnahmen, Sicherheit und institutionelle Integration gewinnen an Gewicht. In Phasen maximaler Angst trennt sich Spekulation von Substanz und genau dort beginnt häufig der nächste strukturelle Zyklus. 

Darius Moukhtarzadeh

Darius Moukhtarzadeh ist bei 21Shares Teil des globalen Research-Teams. In dieser Rolle analysiert er die neuesten Entwicklungen und Projekte im Kryptomarkt mit einem besonderen Fokus auf Bitcoin, Smart Contract Plattformen wie Ethereum und Solana und Web3 Applikationen. Er absolvierte sein Masterstudium an der Universität St.Gallen (HSG) und der UC Berkeley in Business Innovation. Er ist seit 2016 im Blockchain-Sektor tätig als Investor, Gründer, Autor und Berater. Vor 21Shares arbeitete er bei der Sygnum Bank, der ersten Krypto-Bank der Welt, Ernst & Young Blockchain und bei mehreren Startups im Schweizer Crypto Valley. 

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