Eine kurze Woche der Notenbanken
Rückblick: Vorsicht und Gewinnmitnahmen
All dies führte dazu, dass die Anleger deutlich vorsichtiger agierten als in den Wochen zuvor und Gewinne mitgenommen haben.
Insgesamt gab der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich 2,3 Prozent auf 24.128,98 Punkte ab. Der MDax, der sich in den Vorwochen deutlich besser entwickelt hatte als der Dax, rutschte um 5,3 Prozent auf 30.249,93 Zähler ab, während der TecDax um 2,7 Prozent auf 3.664,30 Punkte nachgab. Der m:access All Share gewann dagegen 1,3 Prozent hinzu und beendete die Handelswoche bei 1.158,75 Punkten.
Nur wenige Wochengewinner im Dax
Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von MTU. Sie rutschten um 14,2 Prozent ab und lagen damit auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr. Das Minus war unter anderem auf eine Verkaufsempfehlung der UBS zurückzuführen. Auch Rheinmetall (-10,1 Prozent) und Beiersdorf (-7,7 Prozent) gaben deutlich nach. Dabei litt der Kurs des Hamburger Konsumgüterherstellers unter den jüngsten Quartalszahlen. Bei SAP wurden diese zwar durchaus positiv aufgenommen, dennoch wies der Softwarehersteller ein Wochenminus von 3,2 Prozent aus. Zu den wenigen Wochengewinnern im Dax zählten dagegen einmal mehr Infineon (+12,1 Prozent), die inzwischen auf dem höchsten Kursniveau seit 2001 stehen. Gesucht waren zudem Siemens Energy . Die Aktien verbesserten sich um 10,7 Prozent.
Anleihen: Der Krieg bestimmt die Kurse
Auch die Entwicklung an den Anleihemärkten wurde in der Vorwoche unverändert wesentlich von dem Thema Iran-Krieg und dessen wirtschaftlichen Folgen bestimmt. Dabei gaben die Kurse insgesamt leicht nach, bewegten sich allerdings in relativ engen Grenzen. So warf die richtungsweisende zehnjährige Bundesanleihe im späten Freitagshandel eine Rendite von 2,99 Prozent ab. Das waren 3 Hundertstel mehr als eine Woche zuvor. Die Umlaufrendite wiederum stieg im Wochenvergleich um 2 Basispunkte auf 3,01 Prozent.
USA: Deutliche Kursgewinne bei Tec-Aktien
Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten setzten die US-Börsen in der Vorwoche ihre Hausse zumindest in Teilen fort. Gründe dafür waren vor allem Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran sowie teilweise gut ausgefallene Quartalszahlen. Diese führten vor allem auch zu deutlichen Kursanstiegen bei einigen Tec-Werten. Unter anderem dadurch beendeten sowohl der S&P-500-Index als auch der Nasdaq-Composite-Index den Freitags-Handel mit Allzeit-Hochs. Insgesamt gewann der S&P-500 im Wochenverlauf 0,6 Prozent auf 7.165,08 Punkte. Der Nasdaq Composite machte 1,5 Prozent auf 24.836,60 Zähler gut. Der Dow-Jones-Index wies dagegen ein Wochenminus von 0,4 Prozent aus und ging am Freitagabend mit 49.230,71 Zählern aus dem Handel. Zu den größten Gewinnern zählten Intel mit einem Wochenplus von 21,3 Prozent. Die Papiere des Chip-Herstellers erzielten am Freitag nach hoffnungsvollen Quartalszahlen den höchsten Tagesgewinn seit Oktober 1987. Nvidia wiederum beendeten den Freitagshandel mit einem Wochengewinn von 3,6 Prozent. Damit erreichten sie nicht nur ein All-Time-High, sondern kamen als erste Unternehmen überhaupt auf einen Börsenwert von über 5 Billionen Dollar.
Ausblick: Auch Daten jenseits des Krieges werden wichtiger
Mit dem Iran-Krieg ist es wie mit allen anderen Großereignissen auch: Je länger sie dauern, desto mehr rücken sie in den Hintergrund. So sind sich die Auguren an den Börsen zwar darüber einig, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran auch in der neuen Woche das Geschehen an den Aktien- und Rentenmärkten maßgeblich beeinflussen wird. Angesichts dessen, dass die Aussichten auf einen kurzfristigen Frieden verschwindend gering sind und die nun bereits seit zwei Monaten geschlossene Straße von Hormus aller Voraussicht nach auch weiterhin geschlossen bleiben wird, richtet sich der Blick der Börsianer aber Schritt für Schritt wieder etwas mehr auf andere Ereignisse bzw. Nachrichten. An den US-Börsen wurde das bereits in den vergangenen zwei Wochen deutlich, in Europa und Deutschland könnte es in dieser aufgrund des 1. Mai verkürzten Handelswoche der Fall sein. Denn in der stehen sehr viele wichtige Konjunktur- und Unternehmensdaten im Kalender.
Notenbanken und Unternehmenszahlen
Dies gilt vor allem für die Wochenmitte. Wesentliches Augenmerk dürften die Anleger dabei am Mittwoch auf die Offenmarkt-Sitzung der US-Notenbank Fed richten, bzw. darauf, was US-Notenbank-Präsident Jerome Powell zur weiteren Zinsentwicklung in den USA sagen wird. Am Donnerstag folgt dann das gleiche Spiel in Europa, wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor die Presse tritt.
Umrandet wird all das unter anderem mit neuen Daten zum Geschäftsklimaindex in der Eurozone (Mittwoch) sowie zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und der Eurozone am Donnerstag. Ebenfalls am Donnerstag wird zudem die deutsche Arbeitslosenquote veröffentlicht.
Da die Schätzungen bei all diesen Themen sehr vorsichtig sind, steht zu erwarten, dass die Anleger sehr abwartend agieren werden, heißt es am Markt. Anderes gilt für die Entwicklung von Einzelwerten. Denn – dies hat der bisherige Verlauf der Quartalsberichts- und der Hauptversammlungssaison gezeigt – auf neue Zahlen reagieren die Börsianer zurzeit teilweise extrem. Dies gilt sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Dabei ist der Unternehmenskalender in dieser Woche sehr gut gefüllt.
Gut gefüllter Unternehmenskalender
So veröffentlichen in den USA mit Amazon am Mittwoch und Apple am Donnerstag zwei absolute Schwergewichte ihre neuesten Zahlen. In Deutschland wiederum lädt unter anderem Henkel bereits an diesem Montag zur Hauptversammlung. Ebenfalls zum Wochenauftakt veröffentlicht Airbus seinen neuesten Quartalszahlen. Am Mittwoch wiederum stehen unter anderem die Quartalszahlen von Mercedes-Benz, VW, Porsche und Scout24 ebenso im Kalender wie die Hauptversammlung der Münchener Rück; während am Donnerstag BASF zur Hauptversammlung lädt und MTU Quartalszahlen veröffentlicht.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Montag, 27.04: GfK-Verbrauchervertrauen.
- Dienstag, 28.04: EZB-Bankkredit-Umfrage; ADP-Beschäftigungsänderung in den USA; Immobilienpreisindex (USA); Entwicklung des US-Verbrauchervertrauens.
- Mittwoch, 29.04: Verbraucherpreisindex in Deutschland; Entwicklung des Geschäftsklimaindex und des wirtschaftlichen Vertrauens in der Eurozone. Zinsentscheidung der Fed; Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA.
- Donnerstag, 30.04: Zinsentscheid der EZB; Bruttoninlandsprodukt Deutschland; Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Arbeitslosenquote Deutschland; Verbraucherpreisindex für die Eurozone; Bruttoinlandsprodukt für die Eurozone; Entwicklung der Konsumausgaben in den USA; Bruttoinlandsprodukt USA.
- Freitag, 01.05: ISM-Einkaufsmanagerindex (USA)