Naomi Fink, Amova AM

BOJ-Zinsentscheidung: Wie schnell geht’s zur „Normalität“?

Der Vorstand der Bank of Japan hat einstimmig und wie erwartet beschlossen, die Zinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent anzuheben – ein 30-Jahres-Hoch. Der Beschluss folgt auf eine 7:2-Entscheidung im Oktober, die Zinsen unverändert zu lassen. Die Ansichten innerhalb des Vorstands deuten jetzt auf eine größere Übereinstimmung hin.

Naomi Fink, Amova AM

Allerdings sollen zwei der eher hawkischen Vorstandsmitglieder der BOJ (Tamura und Takata) mit der Prognose nicht einverstanden gewesen sein, da sie davon ausgehen, dass die Inflationsprognose eher früher als in der Basisprognose der BOJ das Ziel der BOJ erreichen wird, was auf ein Unbehagen gegenüber der vorsichtigen Formulierung der Inflationsprognose hindeutet. Die Tendenz zu Zinserhöhungen bei überraschend hohen Inflations- und Wachstumsraten bleibt bestehen, was die Tür für eine frühere Aufhebung der Konjunkturmaßnahmen als derzeit prognostiziert offen lässt.

Leichter Rückgang des Yen

Die unmittelbare Reaktion der Märkte war ein leichter Rückgang des Yen nach Bekanntgabe der Entscheidung, da die Forward Guidance der Notenbank, die Aufschluss über das Tempo der Zinserhöhungen gibt, eher von Vorsicht als von einer eindeutig restriktiven Haltung geprägt war.

Zur Rechtfertigung der Zinserhöhung kommuniziert die BOJ, dass der „positiver Kreislauf“ aus „moderaten“ Lohn- und Preissteigerungen nachhaltig ist und dass die Unsicherheit hinsichtlich externer Risiken zwar nicht beseitigt, aber verringert wurde.

In der Erklärung zur Geldpolitik wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Realzinsen nach der Zinserhöhung „voraussichtlich deutlich negativ bleiben“ werden. Dies ist ein Signal dafür, dass der Leitzins selbst bei 0,75 Prozent weiterhin akkommodierend ist.

Steilere Zinskurve

Die akkommodierenden finanziellen Bedingungen dürften „die Wirtschaftstätigkeit nachhaltig stützen”, ohne jedoch eine Beschleunigung des Ausstiegs aus der akkommodierenden Geldpolitik zuzusichern. Obwohl die BOJ ihre Absicht, die Zinsen anzuheben, klar zum Ausdruck gebracht hat, stützt sie sich weiterhin auf eine künftige „Verbesserung der Wirtschaftstätigkeit und der Preise, um den Zeitpunkt dieser Anhebungen festzulegen.

Die anhaltende Tendenz zu einer steileren Zinskurve dürfte bestehen bleiben, da die Anleihemärkte künftige Risiken einpreisen, auch wenn sich kurzfristig keine Beschleunigung der Inflation abzeichnet.
 

Naomi Fink

Naomi Fink ist Global Strategist bei Amova Asset Management. Amova AM ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200 Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 260,3 Milliarden US-Dollar (konsolidert). Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.