Die andere Seite der Medaille: Schwarmdummheit

Alexander Maertens, DBHW Ravensburg
Bild: BBAG/UK nach Vorlage Lena Kirstein
Gemeinsam kann man alles schaffen, heißt es. Im Tierreich sieht man das sehr häufig. Ameisen, die im „Schwarm“ auftreten,, errichten die größten Bauwerke und können die schwersten Dinge bewegen. Aber auch vom Menschen wird erwartet, dass er ein Team-Player ist. Denn wenn viele Einzelne gute Ideen haben und gute Entscheidungen treffen, gewinnt dadurch natürlich auch das Kollektiv. Dieses Phänomen nennt man Schwarmintelligenz, auch Weisheit der Massen oder kollektive Intelligenz genannt. Moderne Beispiele gibt es genug. Zum Beispiel Twitter oder auch die Enzyklopädie Wikipedia. Jeder weiß ein bisschen und trägt (s)einen Anteil zum Ganzen bei.

Faule Kompromisse statt selektive Klugheit

Der Mathematiker Gunter Dueck geht aber davon aus, dass jeder an sich ein doch recht kluger Kopf sei. Doch durch den Austausch von Gedanken und Meinungen, zum Beispiel während häufiger Meetings, ändert man seine Meinung oft, wenn man erfährt, dass andere unterschiedlich über ein Problem denken. Auch wenn man mit seiner Meinung absolut richtig gelegen wäre. Dadurch schlägt man im Team oft die falsche Richtung ein und trifft letztendlich auch schlechtere Entscheidungen. (Haben Sie sich schon mal über die Dummheit der anderen geärgert?) Rationalität und gute Verbesserungsvorschläge werden oft ignoriert. Stattdessen vertraut man auf einzelne laute Wichtigtuer und trifft faule Kompromisse. Dieser Effekt tritt oft in mittleren bis größeren Unternehmen auf. Genannt wird das Schwarmdummheit.

Das Maximum ist oft nicht das Optimum

„Wir wollen doppelt so schnell wachsen wie der Markt.“ So gut sich das auch anhört – es ist (meist) völlig unmöglich. In Unternehmen werden viel zu oft viel zu hohe Ziele gesetzt, die niemals erreicht werden können. Doch keiner stellt die von der Geschäftsleitung vorgegebenen Ziele in Frage und keiner fragt sich, ob das überhaupt realistisch ist und ob man das überhaupt schaffen kann. Während der Ingenieur vielleicht noch versucht, ein innovatives Produkt zu schaffen, macht der BWLer Überstunden. Überbelastung und Burnout sind oft die Folge. „Mit Überstunden kriegt man Wunder nicht hin“, sagt auch Dueck. Das Maximum ist einfach oft nicht gleichzeitig auch das Optimum.

Zuletzt kommt es doch auf den einzelnen an

Um die Weisheit aller nutzen zu können, ist es also wichtig, dass jeder einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, was die anderen denken und entscheiden werden. Auf diesem Prinzip beruhen auch demokratische Wahlen. Nur wenn jeder Einzelne auf sein eigenes Wissen vertraut und absurde Entscheidungen hinterfragt, kann man der Abwärtsspirale der Schwarmdummheit entkommen.
 
Studentische Profis
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) im idyllischen Ravensburg bietet mit einem voll ausgestatteten Fernseh- und Hörfunkstudio optimale Möglichkeiten, um praxisnah und berufsbegleitend zu studieren. Im Wintersemester 2017/2018 besuchten die Studentinnen und Studenten im Studiengang »Medien- und Kommunikationswirtschaft/Unternehmenskommunikation und Journalismus« den Kursus »Investor Relations/Börsen-Kommunikation«. Kursleiter Ulrich Kirstein, Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München, gab den Kursteilnehmern die Aufgabe, sich Gedanken zum Thema "Schwarmintelligenz - Schwarmdummheit" zu machen. Dabei kamen höchst unterschiedliche Beiträge, die mal mehr, mal weniger mit dem Börsengeschehen zu tun haben, zusammen - Vorgaben gab es nicht.
Die Studentinnen und Studenten sind, wenn sie nicht in Ravensburg studieren, bei Unternehmen, Pressebüros oder Verlagen tätig. Die Artikel, die mal optimistischer, mal pessimistischer gehalten sind, werden in unregelmäßigen Abständen in den nächsten Wochen auf Südseiten veröffentlicht.
                

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