Zwischen Hoffen und Bangen
Rückblick: Angst vor weiterer Eskalation
Belastet wurden sie auf der anderen Seite von der Angst, dass der Krieg noch weiter eskalieren könnte und deutlich länger dauert als erhofft – und dies im Endeffekt die Wirtschaftsentwicklung auf Dauer noch stärker belastet, als sowieso schon befürchtet. Dass die Kursanstiege eher auf Hoffnungen als auf Überzeugungen beruhten, zeigte auch die hohe Tagesvolatilität an den Börsen; und zwar sowohl in Deutschland als auch an den internationalen Aktienmärkten. Konjunkturdaten spielten in diesem Umfeld wie schon in den Wochen zuvor nur geringe Rollen. Allerdings führten sie teilweise dazu, dass Trends verstärkt wurden.
Dax-Familie im Plus
Insgesamt stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) in der vergangenen Woche um 3,9 Prozent auf 23.168,08 Punkte. Der MDax verbesserte sich um 2.0 Prozent auf 28.916,26 Zähler. Der TecDax kam um 3,5 Prozent voran und beendete den Handel am Gründonnerstag bei 3.467,91 Punkten. Der m:access All Share bewegte sich dagegen kaum und blieb mit 1.088,54 Punkten nahezu auf seinem Vorwochen-Niveau.
Zu den großen Gewinnern unter den Blue Chips zählten Versicherungs- und Energiewerte. So verbesserten sich beispielsweise RWE um 9,4 Prozent und E.on um 6,6 Prozent. Allianz (+ 5,6 Prozent) und Münchener Rück mit einem Gewinn von 4,3 Prozent standen dem kaum nach. Rheinmetall, davor deutlich unter Druck, konnten sogar um 13,7 Prozent zulegen.
Anleihen: Erstmals seit Kriegsbeginn steigende Kurse
Auch am Rentenmarkt kletterten die Kurse erstmals seit dem Beginn des Iran-Krieges wieder und verbesserten sich unter dem Strich trotz anhaltender Sorgen über eine steigende Inflationsrate und ein Andauern des Krieges im Wochenvergleich deutlich. Dadurch sank die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe insgesamt um 14 Hundertstel auf 2,98 Prozent. Die Umlaufrendite gab um 8 Basispunkte auf 2,99 Prozent nach.
USA: Deutlich zugelegt
Ebenso wie die deutschen Aktienmärkte haben auch die US-Börsen in der Vorosterwoche deutlich zugelegt. Dabei war aber auch die Kursentwicklung an der Wall Street hoch volatil. Der Dow-Jones-Index verbesserte sich im Wochenvergleich um knapp 3 Prozent auf 46.504,67 Zähler. Der marktbreitere S&P-500-Index gewann 3,4 Prozent auf 6.582,69 Punkte. Und der technologielastige Nasdaq Composite machte sogar 4,4 Prozent gut und beendete den Handel in der vergangenen Woche bei 21.879,18 Zählern. Auch am Ostermontag legten die wesentlichen Indizes in den USA zu. So kletterte der Dow-Jones-Index um weitere 0,36 Prozent auf 46.669,88 Punkte. Der S&P-500-Index kam um 0,44 Prozent voran. Sein Montags-Schlussstand lag bei 6.611.83. Und der Nasdaq-Composite schnitt mit einem Plus von 0,54 Prozent auf 21.996,34 Punkte noch etwas besser ab.
Ausblick: Hoffnung auf Waffenstillstand
Das Kursplus in den USA am Montag war dabei insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Marktteilnehmer auf eine kurzfristige Waffenstillstands-Einigung im Iran-Krieg hofften. Denn es bleibt dabei: Wie sich die Kurse an den Aktienmärkten in den kommenden Tagen entwickeln, wird unverändert vor allem davon abhängen, wie es in Sachen Iran weitergeht. Dass US-Präsident Donald Trump am Sonntag in einem ausfallenden Posting den „crazy bastards“ angedroht hatte, die iranischen Brücken und Kraftwerke zu zerstören, falls diese bis Dienstag die Straße von Hormus nicht wieder öffnen, befeuerte auf der einen Seite zwar die Ängste vor einer weiteren Eskalation des Konflikts, schürte auf der anderen Seite aber gleichzeitig die Hoffnungen auf einen Deal zwischen den USA und dem Iran. Verstärkt wurden diese durch eine Reuters-Meldung, wonach beide Parteien sich kurzfristig auf einen Waffenstillstand einigen könnten.
Sorge vor den langfristigen Folgen
Ob die Anleger in diesem Fall tatsächlich euphorisch reagieren und die Kurse weiter nach oben treiben werden, steht auf einem anderen Stern. Denn immer mehr Experten verweisen auf die langfristigen wirtschaftlichen Folgen des Konflikts. So betont beispielsweise der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman, die Krise stehe erst am Anfang. Dies begründet er unter anderem damit, dass die Ölpreis-Sprünge bislang vor allem spekulativ gewesen seien, da aktuell immer noch Schiffe, die vor dem Krieg die Straße von Hormus passiert hätten, in den internationalen Häfen ankommen würden. Diese Phase ende aber jetzt. Und dann werde die Preiskrise zu einer Versorgungskrise.
Was sagen die Konjunkturdaten
Zahlen dazu, wie die Verbraucher selbst die Krise beurteilen, und wie sich diese bereits auf die Wirtschaftsentwicklung auswirkt, gibt es in der neuen Handelswoche genügend. So werden beispielsweise am Mittwoch neue Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und zum Erzeugerpreisindex in der Eurozone veröffentlicht. Am Donnerstag folgen unter anderem die deutsche Handelsbilanz und Zahlen zur Industrieproduktion hierzulande. Und am Freitag gibt es dann neue Inflationsdaten: Dann nämlich stehen sowohl in Deutschland als auch in den USA Daten zur Entwicklung des Verbraucherpreisindex im Terminkalender. Ergänzt werden diese durch die Umfrageergebnisse der Universität Michigan zu den Inflationserwartungen in den USA.
Ruhig, soviel steht jedenfalls fest, wird es auch in der aktuellen Nachosterwoche an den Börsen nicht zugehen.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Dienstag, 07.04: HCOB EMI Dienstleistungsindex und Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; Auftragseingänge für langlebige Gebrauchsgüter (ohne Verteidigung) in den USA.
- Mittwoch, 08.04: Entwicklung der Werksaufträge in Deutschland; Sitzung des Zentralbankrats der EZB (nicht-geldpolitische Sitzung); Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; Erzeugerpreisindex in der Eurozone.
- Donnerstag, 09.04: Deutsche Handelsbilanz; Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland; Bruttoinlandsprodukt USA; Preisindex für persönliche Konsumausgaben in den USA; Einkommensentwicklung in den USA; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
- Freitag, 10.04: Verbraucherpreisindex für Deutschland; Verbraucherpreisindex für die USA; Entwicklung des Verbrauchervertrauens in den USA (Uni Michigan); Inflationserwartungen der Verbraucher in den USA (Uni Michigan).