Ulrich Kirstein, Börse München

Zölle - und ewig grüßt das Murmeltier

Die deutschen Aktienmärkte habe eine sehr uneinheitliche verkürzte Handelswoche hinter sich. Dabei zeigten sich die Anleger angesichts der anstehenden Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank sowie aufgrund stark steigender Ölpreise und der Angst vor höheren Inflationsraten zunächst sehr zurückhaltend.

Rückblick: Wochenplus vor dem langen Wochenende

Vor allem am Donnerstag griffen sie dann aber wieder zu und sorgten damit dafür, dass sich die Börsen letztlich mit einem Wochenplus in das verlängerte Mai-Wochenende verabschiedeten. Gründe dafür waren nach Angaben von Marktteilnehmern die wieder fallenden Ölpreise sowie Impulse durch eine starke Quartalsberichtssaison vor allem in den USA. Die Tatsache, dass sowohl die Fed als auch die EZB ihre Zinsen trotz der Inflationsgefahren noch unverändert ließen, bewegte die Märkte dagegen kaum. Dies war allgemein erwartet worden. 

Unter dem Strich legte der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich um 0,7 Prozent auf 24.292,38 Punkte zu. Der MDax machte 1,1 Prozent auf 30.589,95 Zähler gut, und der TecDax verbesserte sich um 0,9 Prozent auf 3.697,16 Punkte. Der  m:access All Share wiederum gewann in der vergangenen Woche 0,6 Prozent auf 1.165,95 Punkte hinzu.

Airbus im Höhenflug, Autowerte im Sinkflug

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten Airbus mit einem Plus von 4,7 Prozent. Wesentlicher Grund dafür waren die neuesten Quartalszahlen des Flugzeugherstellers. Bei Volkswagen (-1,2 Prozent) und Porsche (-1,7 Prozent) ging es nach den neuesten Quartalszahlen dagegen nach unten. Auch die Quartalsbilanzen von Mercedes-Benz (-1,4 Prozent) und MTU (-1,2 Prozent) kamen am Markt nicht sonderlich gut an.

Die Aktie von Airbus zählte zu den Wochengewinnern im Dax /Bild: Auslieferung einer A 321XLR an die Air Canada/Airbus

Anleihen: Merkliche Kursverluste

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben entgegen dem generellen Trend am Aktienmarkt in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Grund dafür waren vor allem anziehende Ölpreise und die Angst vor einer weiter steigenden Inflationsrate. Zudem gehen Volkswirte inzwischen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen aufgrund dessen womöglich bereits im Juli anheben wird. Zwar erholten sich die Kurse am Donnerstag wieder etwas, aber unter dem Strich stiegen die Renditen aufgrund der Kursverluste merklich. So warf die richtungsweisende zehnjährige Bundesanleihe im späten Handel am Donnerstag eine Rendite von 3,03 Prozent ab. Das waren 4 Hundertstel mehr als eine Woche zuvor. Die Umlaufrendite stieg im Wochenvergleich um 7 Basispunkte auf 3,08 Prozent.

USA: Fortgesetzte Rekordjagd

Die US-Börsen wiederum haben in der vergangenen Woche ihre Rekordjagd fortgesetzt. Vor allem angetrieben von guten Unternehmensdaten im Rahmen der laufenden Bilanzberichtssaison und den gegen Wochenende wieder fallenden Ölpreisen erreichten einige der führenden Indizes neue Allzeit-Hochs. So beendete der S&P-500-Index den Handel am Freitag auf dem Rekordhoch von 7.230,12 Punkten. Dies war ein Wochenplus von 0,9 Prozent. Auch der Nasdaq-Composite-Index schloss am Freitag auf einem Rekordhoch. Der Schlussstand von 25.114,44 bedeutete im Wochenvergleich einen Zuwachs um 1,1 Prozent. Der Dow-Jones-Index wiederum legte innerhalb der vergangenen Woche um 0,5 Prozent auf 49.499,27 Zähler zu.

Ausblick: Der Iran-Krieg bleibt im Blickfeld

Noch immer sind der Iran-Krieg und die dadurch verursachten wirtschaftlichen Verwerfungen das Thema, auf das alle an der Börse schauen. Dies hat sich in der vergangenen Woche gezeigt, und dies wird nach Auffassung so gut wie aller Marktteilnehmer auch in der neuen Woche der Fall sein. Dass der Iran den USA einen neuen Friedens-Vorschlag übermittelt hat und die USA darauf wohl am Wochenende geantwortet haben, nährt unter den Börsianern leichte Hoffnungen auf ein Ende des Konflikts. Wie zu all dem die sonntägliche Ankündigung von US-Präsident Trump passt, dass die USA die in der Straße von Hormus festsitzenden Schiffe ab diesem Montag befreien werden, bleibt allerdings abzuwarten. Auch wenn sie möglicherweise nicht mehr als heiße Luft ist, hat die Meldung zumindest am Sonntag US-Futures gestützt.

Und die Zölle sind wieder da

Zweites wesentliches Thema könnten die angekündigten höheren US-Zölle auf europäische Automobile sein. Immerhin prognostizierte Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Instituts, dass Deutschland in diesem Jahr eine Rezession drohe, falls sich daraus ein neuer Handelskrieg entwickle. Insofern dürften die Börsianer gespannt auf die Reaktion aus Brüssel auf die neuen Zölle sein. Unverändert nur für die Randnotizen zuständig sind dagegen nach Auffassung der meisten Beobachter die sonstigen allgemeinen Wirtschaftsthemen. Davon stehen – siehe Auflistung unten – in der neuen Woche allerdings wieder einige im Kalender. Sie alle dürften darauf abgeklopft werden, ob und in welchem Umfang sie Auswirkungen des Iran-Kriegs widerspiegeln.

Gut gefüllter Unternehmenskalender

Unverändert gut gefüllt ist derweil der Unternehmenskalender. Im Rahmen der Quartalsberichtssaison legen z. B. am Dienstag Covestro, Infineon und Schaeffler neue Zahlen vor. Am Mittwoch folgenden unter anderem Daimler Truck, HelloFresh, die Lufthansa und Renk  – und am Donnerstag Henkel und die BayWa. Unter den meist beachteten Quartalszahlen von US-Titeln dürften am Dienstag AMD stehen und am Mittwoch Uber sowie Walt Disney.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

  • Montag, 04.05: HCOB EMI des verarbeitenden Gewerbes für Deutschland; Entwicklung des Investorenvertrauens in der Eurozone; Auftragseingänge der Industrie in den USA.
  • Dienstag, 05.05: ISM Beschäftigungsindex für das nichtproduzierende Gewerbe in den USA; ISM Index der Auftragseingänge im nichtverarbeitenden Gewerbe in den USA. 
  • Mittwoch, 06.05: HCOB EMI Gesamtindex und HCOB EMI Dienstleistungsindex für Deutschland; Erzeugerpreisindex für die Eurozone; ADP Beschäftigungsänderungen in den USA.
  • Donnerstag, 07.05: Entwicklung der Werkaufträge in Deutschland; Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA; Entwicklung der Lohnstückkosten in den USA. 
  • Freitag, 08.05: Entwicklung der deutschen Handelsbilanz; Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland; Entwicklung der Stundenlöhne in den USA; Entwicklung der Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft in den USA; US-Arbeitslosenquote.
  • Samstag, 09.05: Chinesische Handelsbilanz

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.