Zinsen und Ölpreis weiter nach oben
Dazu trug auch die Europäische Zentralbank bei. Wie erwartet erhöhte sie am Donnerstag die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Während diese Erhöhung weitgehend im Vorfeld eingepreist war, fiel vor allem der Inflationsausblick der Notenbanker aber negativer aus, als von Beobachtern erhofft.
Insgesamt rutschte der Deutsche Aktienindex in der vergangenen Woche um 1,8 Prozent auf 25.568,56 Punkte ab, und der MDax verlor 2,1 Prozent auf 31.663,79 Zähler. Vergleichsweise gut hielt sich der Tech-Dax. Er gab im Wochenvergleich um 1,1 Prozent auf 3.980,48 Punkte nach. Beim m:access All Share belief sich das Minus auf 1,3 Prozent. Er wurde zuletzt mit 955,09 Zählern berechnet.
Rückblick: Sportartikler unter Druck
Zu den großen Verlierern im Dax zählten die Papiere von Vonovia, die weiter unter dem schwierigen Zins-Umfeld für Immobilienunternehmen litten. Die Aktien gaben um 5,3 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief nach. Alleine seit Anfang des Jahres haben sie rund ein Viertel ihres Werts verloren. Auch Adidas lagen mit einem Minus von 4,8 Prozent deutlich im roten Bereich; und dies obwohl RBC Capital Markets zur Wochenmitte seine Outperform-Einstufung für die Aktien des Sportartikel-Konzern bestätigt hatte. Marktteilnehmer führten den Rückgang vor allem auf einen generellen Margendruck bei Adidas sowie auf die schwierige Entwicklung des Branchenführers Nike und von Lululemon zurück. Noch schlechter als Adidas erging es mit Puma dem im MDax notierten zweiten Herzogenauracher Sportartikelhersteller. Die Aktien rauschten um 9,6 Prozent nach unten. Dies war auch auf die Mitteilung zurückzuführen, dass Vertriebsvorstand Matthias Bäumer seine Position zum Monatsende aufgeben wird.
Die Papiere der vor der Übernahme durch die UniCredit stehenden Commerzbank waren dagegen einer der wenigen Gewinner im Dax. Die Papiere verbesserten sich um 2,6 Prozent und bauten damit ihr Plus seit ihrem Jahrestief Mitte März auf 45 Prozent aus. An diesem Montag wird sich Finanzminister Lars Klingbeil mit UniCredit-Chef Andrea Orcel treffen, um über die Übernahme zu sprechen.
Anleihen: Zinserhöhung war bereits eingepreist
Auch die deutschen Anleihebörsen standen in der Vorwoche wieder unter Druck. Dies war einmal mehr vor allem auf den Ölpreis und die Inflationssorgen zurückzuführen. Die Zinserhöhung durch die EZB hatte der Markt dagegen schon im Vorfeld weitgehend eingepreist. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe erhöhte sich im Wochenvergleich um 14 Basispunkte auf 3,50 Prozent. Die Umlaufrendite stieg um 12 Hundertstel auf 3,47 Prozent.
Schwächere US-Börsen
Ähnlich wie die deutschen Aktienmärkte haben auch die US-Börsen eine schwache Woche hinter sich – bei der sie am Freitag zumindest aber einen Teil ihrer vorhergehenden Verluste wieder wettmachen konnten. Für letzteres sorgten vor allem der zum Wochenausklang wieder fallende Ölpreis sowie Inflationsdaten, die im Rahmen der Erwartungen lagen. Auch das überwiegend besser als erwartet ausgefallene Quartalsergebnis von Oracle trug zur Stabilisierung bei, obwohl Oracle selbst deutlich nachgaben. Apple (+4,1 Prozent) wiederum profitierte von der Präsentation seiner neuen Produkte. Der marktbreite S&P-500-Index verlor im Wochenvergleich insgesamt 0,8 Prozent auf 7.656,98 Punkte. Beim Dow-Jones-Index summierte sich das Wochenminus auf 1,6 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 52.573,29 Zählern. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index gab 0,7 Prozent auf 26.333,04 Punkte ab.
Ausblick: Ölpreis und Zinsen weiterhin marktbestimmend, KI schwingt mit
Der Ölpreis, die Zinsen und das Thema KI – dies dürften die drei Punkte sein, die die Märkte in der neuen Woche am meisten beschäftigen. Beim Ölpreis stellt sich vor allem die Frage, ob und wie stark sich die Eskalation im Jemen sowie der Angriff auf Saudi-Arabiens wichtigste Öl-Pipeline auf die Preise auswirken werden. Etliche Marktteilnehmer glauben in diesem Zusammenhang bereits an einen Anstieg auf bis zu 120 Dollar je Barrel bei der Sorte Brent, auch wenn deren Preis am vergangenen Freitag von einem Wochenhoch von rund 110 Dollar auf etwas unter 105 Dollar gefallen ist. Allerdings liegen auch die 105 Dollar rund 16 Prozent über dem Wert zu Monatsanfang und nahezu 44 Prozent über dem Niveau von Anfang Juli. Wie also wirkt sich dieser rapide Anstieg auf die Inflation, die Konjunkturentwicklung und damit auf die Zinsen aus?
Wie die US-Notenbank die Lage einschätzt, werden die Anleger am Mittwoch ab 20 Uhr erfahren, wenn der Offenmarktauschuss der Fed über die Leitzinsen entscheidet. Dass dieser die Leitzinsen in den USA um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird, erwartet inzwischen wieder die überwiegende Mehrheit der Analysten. Diese Zinserhöhung sollte in den Kursen eingepreist sei. Sollte sie also eintreffen, dann geht es am Mittwochabend vor allem auch darum, welche Zwischentöne die Notenbanker setzen und um ihren Blick in die Zukunft – also um die Frage, wie sie die Lage generell einschätzen und was von der Fed in diesem Jahr noch kommen kann.
Darüber hinaus hat sich über das Wochenende noch ein weiteres Thema in den Vordergrund gedrängt, das das Potenzial hat, den Markt massiv zu bewegen: die KI. Diese spielt an den Märkten in diesem Jahr zwar sowieso eine herausragende Rolle und war zuletzt von massiven Unsicherheiten begleitet, da sich die Anleger immer häufiger fragten, inwieweit die massiven Kursgewinne der Aktien in diesem Bereich wirklich gerechtfertigt sind. Aber durch die Absage des Börsengangs von OpenAI über das Wochenende sowie die fast zeitgleichen Warnungen von Anthropic-Chef Dario Amodei vor den existentiellen Gefahren der KI für die Menschheit und seiner damit einhergehenden Forderung, die Entwicklung der KI zu verlangsamen, hat das Thema eine ganz neue Dimension erreicht. Abseits der grundlegenden nötigen übergeordneten Diskussion, dürfte es damit im realen Börsengeschehen ab der Marktöffnung an diesem Montag vor allem darum gehen, wie die Börsianer auf die neue Entwicklung reagieren und welche Folgen das für die KI-Aktien haben wird. Fest steht dabei eines: Ignorieren können die Marktteilnehmer die jetzt eröffnete Debatte nicht.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 14.9: Neue Kredite China
Dienstag, 15.9: Industrieproduktion in China; chinesische Einzelhandelsumsätze; ZEW-Konjunkturerwartungen und aktuelle Lage für Deutschland; Großhandelspreisindex Deutschland; ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone; ADP-Beschäftigungsänderungen USA; NY Empire-State-Produktionsindex.
Mittwoch, 16.9: Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone; Zinsentscheidung der FED; Einzelhandelsumsätze USA.
Donnerstag, 17.9: Verbraucherpreisindex für die Eurozone; Zinsentscheidung der Bank of England; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA; Philly-Fed-Herstellungsindex.
Freitag, 18.9: Erzeugerpreisindex Deutschland; Leistungsbilanz Eurozone; Entwicklung der Industrieproduktion in den USA.