Alexander Roll, Global X

World-Water-Day: Die Wasserkrise als Investitionsthema

Der Zugang zu sauberem Wasser entwickelt sich immer mehr zu einer der kritischsten globalen Herausforderungen. Während die Nachfrage stetig steigt, wird das Angebot an Süßwasser durch den Klimawandel und eine unzureichende Infrastruktur zunehmend unter Druck gesetzt. Schätzungen der Global Commission on the Economics of Water (März 2023) zufolge könnte die weltweite Nachfrage das Angebot bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent übersteigen. Am 22. März ist der World-Water-Day, die Gelegenheit, um über Investmentchancen für Anleger nachzudenken.

Der Bedarf nach Wasser wird immer größer und Wasserstress entsteht / Bild: UK

Wasserstress tritt auf, wenn der Wasserbedarf in einem bestimmten Gebiet das verfügbare Angebot übersteigt. Dieses Ungleichgewicht, noch gefördert durch die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einer immer größeren globalen Herausforderung.

Wasserstress nimmt zu

Die Auswirkungen dieses Ungleichgewichts sind bereits heute spürbar. Im Jahr 2023 waren 25 Länder bzw. ein Viertel der Weltbevölkerung extrem hohem Wasserstress ausgesetzt, darunter Indien, Chile und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bis 2050 könnten laut dem Umwelt-Thinktank World Resources Institute Gebiete, die für rund 31 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (etwa 70 Billionen USD) verantwortlich sind, von hohem Wasserstress betroffen sein. Wasserstress entsteht, wenn die Nachfrage nach Wasser in einem bestimmten Gebiet das Angebot langfristig übersteigt (World Resources Institute, 2023).
Um diese Krise zu bewältigen, sind massive Investitionen erforderlich. Der Bedarf für die weltweite Wasserinfrastruktur wird von der Weltbank bis 2030 auf 6,7 Billionen US-Dollar geschätzt und könnte bis 2050 auf 22,6 Billionen US-Dollar ansteigen (Voegele, J. et al., 2024). In den USA verdeutlicht die Bewertung der American Society of Civil Engineers (ASCE) für die Trinkwasserinfrastruktur mit der Note „C-“ auf einer Skala von A bis F den dringenden Handlungsbedarf aufgrund veralteter Systeme und extremer Wetterereignisse.

Der neue Nachfragetreiber: Künstliche Intelligenz

Ein oft unterschätzter Faktor für den steigenden Wasserverbrauch ist die Expansion der generativen KI. Rechenzentren benötigen erhebliche Mengen an Wasser zur Kühlung ihrer Prozessoren. Ein großes Rechenzentrum kann täglich bis zu 19 Millionen Liter Wasser verbrauchen. Morgan Stanley (Shalett, L. & Skelly, D., 2025) prognostiziert, dass der jährliche Wasserverbrauch für KI-Rechenzentren bis 2028 auf 1,068 Billionen Liter ansteigen wird – eine Vervielfachung gegenüber den Schätzungen von 2024. Besonders kritisch: In den USA – dem Land mit den meisten Datenzentren weltweit – befinden sich fast 66 Prozent der im Bau oder in Entwicklung befindlichen Zentren in Gebieten mit hohem Wasserstress. Weitere Stressregionen sind Städte wie London, Frankfurt und Sydney, siehe Grafik 1.

Grafik 1: Datenzentrenkapazitäten und Referenzwert für Wasserstress in ausgewählten Städten

Alexander Roll

Alexander Roll ist Investmentstratege bei Global X Europe. Global X, 2008 in New York gegründet und seit 2020 auch in Europa tätig. Global X konzentriert sich auf innovative ETFs mit dem Fokus auf Technologie und IT, wie zum Beispiel Cloud-Computing, Metaverse oder Internet of Things. An der Börse München sind knapp 40 ETFs von Global X handelbar.