Naomi Fink, Amova AM

Japan: Yen-Schwäche und Ölschock treiben die Inflation

Wie wird die Bank of Japan (BOJ) unter Zugzwang handeln und wie widerstandsfähig ist Japans Wirtschaft?

Naomi Fink, Amova AM

Die BOJ ist derzeit nicht zu beneiden

Eine Zinserhöhung noch in diesem Monat erwarten die Märkte nicht mehr. Doch die Zentralbank hat allen Grund, ihre Inflationsprognosen anzuheben und eine weitere Rücknahme der geldpolitischen Lockerung zu signalisieren. Der Yen hat erheblich an Wert verloren und die Renditen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) tendieren stetig aufwärts – beides sollte die BOJ zu mehr Klarheit veranlassen.

Der Schock bei den Terms of Trade und den Inputkosten wirkt sich wie folgt aus:

  • Importpreise steigen schneller: Die Preise für Öl und Flüssiggas (LNG) sind ebenso gestiegen wie die weltweiten Transportkosten: Der Baltic Dry Index stieg zwischen Ende Januar und dem 17. April um 56 Prozent (lt. Bloomberg). Japans Importpreisindex hat sich zuletzt auf 7,9 Prozent beschleunigt. Verschlechtert haben sich die Rohstoff-Terms of Trade. In jüngsten Gewinnwarnungen japanischer Energieimporteure wurden höhere LNG-Beschaffungskosten und Ausgaben im Zusammenhang mit Lieferanten außerhalb des Persischen Golfs angeführt.
  • Realeinkommen bleiben unter Druck: Obwohl die „Shunto“-Frühjahrslohnverhandlungen starke Lohnerhöhungen erwarten lassen und der private Konsum im 4. Quartal 2025 robust blieb, bleibt die zentrale Frage: Können die Löhne schneller steigen als die Preise? Kraftstoffsubventionen sollen – befristet – den Preisdruck mildern.
  • Margen und Konjunktur beeinträchtigt: Der TOPIX hat in den letzten drei Monaten 4,5 Prozent zugelegt, dieser Anstieg war jedoch auf wenige Titel begrenzt. Mehr als 60 Prozent der von Tokyo Shoko Research befragten Unternehmen wollen die höheren Ölkosten mit Preiserhöhungen auffangen. Eine Mehrheit erwartet Kostensteigerungen um mehr als 20 Prozent, sollten die Ölpreise über 100 USD verharren. Der Reuters-Tankan-Konjunkturindex fiel im April um 11 Punkte – der stärkste monatliche Rückgang seit über drei Jahren.

Inflationsverstärker

  • Yen-Schwäche verstärkt Inflation: Die anhaltende Schwäche des Yen wirkte bereits vor dem Iran-Konflikt als Inflationsverstärker. Der Yen bleibt gegenüber dem Dollar nahe seinem Tiefstand. Das Risiko einer Intervention am Devisenmarkt steigt, das Finanzministerium ist bereit zu handeln, auch wenn es das bisher eher tat, um kurzfristige Schwankungen zu begrenzen.
  • Inflationserwartungen steigen: Die Inflationserwartungen beginnen gerade erst zu steigen. Dies könnte der BOJ Flexibilität hinsichtlich des Zeitpunkts weiterer Maßnahmen verschaffen. Selbst wenn sie bei ihrer Sitzung im April an ihrer Politik festhält, dürfte sie die Inflationsprognosen (von 1,9 Prozent im jüngsten Ausblick) für das laufende Geschäftsjahr deutlich anheben.

Naomi Fink

Naomi Fink ist Global Strategist bei Amova Asset Management. Amova AM ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200 Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 260,3 Milliarden US-Dollar (konsolidert). Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.