Adrian Fritz, 21Shares

Wenn die Blockchain den Ölpreis vor der Wall Street kennt

Welche Entwicklungen prägen den Krypto-Markt und haben langfristige Relevanz? Worauf sollten Krypto-Enthusiasten, -Anleger und -Besitzer aktuell achten? Das erläutern wir kurz in unserem kompakten, wöchentlich erscheinenden Überblick. Das aktuelle Update beleuchtet die in Zusammenhang mit dem Krieg im Iran nach oben geschnellten Ölpreise – und der Möglichkeit, "alter" und "neuer" Börsen, diese schnell genug abzubilden.

Adrian Fritz, 21Shares

Hyperliquid: Wenn die Blockchain den Ölpreis vor der Wall Street kennt

Während die geopolitischen Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran durch gezielte Militärschläge eskalierten, passierte an den globalen Finanzplätzen – nichts. Zumindest nicht an den klassischen. Denn während der Iran die Schiffe auf der Straße von Hormus angriff, war die Chicago Mercantile Exchange (CME) geschlossen, die Händler im Wochenende, die Orderbücher eingefroren. Doch während die Welt auf die Eröffnung der Märkte am Montagmorgen wartete, lief eine Engine im Hintergrund ununterbrochen heiß: Hyperliquid.

Was ist Hyperliquid eigentlich?

Bevor wir die Implikationen für den Ölmarkt analysieren, ein kurzer Blick unter die Haube. Hyperliquid ist keine klassische Krypto-Börse im Sinne einer Website wie Coinbase. Es handelt sich um eine spezialisierte Blockchain, die ausschließlich darauf optimiert wurde, ein hochperformantes Orderbuch für Derivate zu betreiben.

Im Gegensatz zu herkömmlichen dezentralen Börsen (DEXs) wie Uniswap, die oft auf trägen automatisierten Market Makern (AMMs) basieren, bietet Hyperliquid die Geschwindigkeit und Tiefe einer Wall-Street-Plattform – mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie niemals schließt und für niemanden die "Pausentaste" drückt.

Die 48-Stunden-Lücke: Krypto als Frühwarnsystem

Der jüngste Ölpreisanstieg lieferte den ultimativen Beweis für die Reife dieser Technologie. Während die CME-Futures bei rund 90 USD verharrten, reagierte der WTI-Crude-Kontrakt auf Hyperliquid in Echtzeit auf die Nachrichtenlage und schoss auf über 111 USD hoch.

Das ist mehr als nur Arbitrage-Trading; es ist eine Verschiebung der Preisfindung. Hyperliquid agierte hier de facto als globaler Liquiditätsindex, der den Schock fast 48 Stunden vor dem traditionellen System einpreiste. Als die "echten" Märkte am Montag schließlich öffneten und der Ölpreis prompt über die 110-Dollar-Marke sprang, hatte die Blockchain die Arbeit bereits erledigt. Die Lücke war geschlossen.

Dies verdeutlicht einen entscheidenden Punkt für die Krypto-Adoption: Der Nutzwert liegt hier nicht in der Dezentralisierung als ideologischem Selbstzweck, sondern in der schlichten Tatsache, dass die Blockchain-Schienen 24/7 befahrbar sind. Das Öl wurde nicht auf Hyperliquid gehandelt, weil die Trader "Web3-Fans" sind, sondern weil es der einzige Ort auf dem Planeten war, an dem zu diesem Zeitpunkt ein liquider Markt existierte.

Effizienz-Check: 11 Mitarbeiter gegen 3.800

Ein Blick auf die nackten Zahlen offenbart die disruptive Kraft dieser Infrastruktur, wenn man sie mit den Giganten der Finanzwelt vergleicht:

Der direkte Vergleich zeigt eindrucksvoll die Umsatz- und Mitarbeiter:innen-Zahlen beider Börsen (©21shares)

Natürlich hinkt der Vergleich in puncto regulatorischer Last und Produktvielfalt, doch die Relation ist atemberaubend. Hyperliquid demonstriert, was "Lean Finance" bedeutet. Durch den Wegfall von Clearinghäusern, Depotbanken und Heerscharen an Middle-Office-Personal erzielt das Protokoll eine operative Effizienz, die im klassischen Sektor schlicht physikalisch unmöglich ist.

Mehr als nur “Hype-Coins”

Lange Zeit galt DeFi (Decentralized Finance) als Inzest-Wirtschaft: Man handelte Krypto gegen Krypto, oft ohne Bezug zur Außenwelt. Hyperliquid bricht dieses Muster auf.

Durch das sogenannte "HIP-3"-Framework können Märkte für nahezu alles erstellt werden. Das Ergebnis? Das Handelsvolumen von Rohstoffen wie Öl, Gold und Silber wächst rasant. Inzwischen machen diese "Traditional Markets" zeitweise über 30 Prozent des gesamten Open Interest (der Summe aller offenen Kontrakte) auf der Plattform aus. An Tagen geopolitischer Unruhen überholt das Öl-Volumen auf Hyperliquid sogar regelmäßig Ether (ETH). Wir beobachten hier die Transformation einer Krypto-Börse zu einer universellen Makro-Börse.

Die Realität: Wo die Blockchain noch an ihre Grenzen stößt

Trotz der beeindruckenden Performance wäre es verfrüht, Hyperliquid als perfekten Ersatz für etablierte Institutionen zu feiern. Es gibt strukturelle Hürden, die das Protokoll eher als "Work in Progress" denn als fertiges Endprodukt kennzeichnen:

  • Regulatorische Isolation: Hyperliquid unterliegt für US-Nutzer offiziell einem Geoblock. Um wirklich in den Mainstream vorzudringen, müsste das Protokoll – ähnlich wie Plattformen wie Polymarket – vermutlich Wege finden, innerhalb eines regulierten Rahmens zu operieren. "Permissionless" bedeutet in der realen Welt oft auch "angreifbar".
  • Zentralisierungsrisiken: In Krisenmomenten wie den Hackerangriffen auf bestimmte Token-Vaults im Jahr 2025 mussten die Validatoren manuell eingreifen. Das rettete zwar das Kapital, kratzte aber am Narrativ der vollautomatisierten, unaufhaltsamen Maschine.
  • Token-Ökonomie: Die aktuelle Deflation des systemeigenen HYPE-Tokens ist ein Nebenprodukt des massiven Volumens. Sollte sich die geopolitische Lage beruhigen und das Volumen sinken, muss sich erst noch zeigen, ob das Modell die kontinuierlichen Token-Unlocks (Freischaltungen für das Hyperliquid-Team selbst) langfristig ohne Preisdruck absorbieren kann.

Nutzen schlägt Ideologie

Der Case Hyperliquid zeigt: Die spannendsten Entwicklungen im Kryptosektor finden derzeit dort statt, wo die Technologie reale Marktlücken schließt. Wenn eine Handvoll Programmierer ein System bereitstellen können, das die Preisfindung für den wichtigsten Rohstoff der Welt effizienter abbildet als die milliardenschwere Infrastruktur der Wall Street, dann hat das wenig mit "Hype" zu tun. Es ist ein Beweis für die Überlegenheit der Schiene, auf der die Transaktionen rollen.

Ob sich Hyperliquid dauerhaft als "Global Liquidity Index" etablieren kann, wird weniger von der Technik als vielmehr von der Fähigkeit abhängen, institutionelles Kapital unter Einhaltung regulatorischer Leitplanken zu binden. Die Richtung jedoch ist klar: Die Finanzmärkte der Zukunft schlafen nicht – auch nicht am Wochenende.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im aktuellen Research Insight von 21shares.

Adrian Fritz

Adrian Fritz ist Global Head of Research und verantwortet bei 21Shares die Research-Abteilung des Krypto-ETP-Anbieters. Fritz ist zusammen mit seinem Team für die Bereitstellung von Einblicken in den Kryptomarkt zuständig, einschließlich der Bereiche DeFi, NFTs, Krypto-Infrastruktur und den Entwicklungen von Krypto im Kontext der globalen Wirtschafts- und Geopolitik. Er absolvierte ein Masterstudium an der HULT International Business School in San Francisco und begann seine Karriere als Stockbroker in New York. Bevor er zu 21Shares kam, war er unter anderem bei Signature Management Consultants SL in Barcelona und als Financial Analyst bei Cellnex Telecom in Zürich tätig.  

 

Disclaimer

Disclaimer
Das in dieser Pressemitteilung enthaltene Material dient ausschließlich Informationszwecken. Die 21Shares AG und ihre verbundenen Unternehmen empfehlen keine Maßnahmen auf der Grundlage dieser Informationen. Das Material ist nicht als Angebot oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, noch als Anlageberatung auszulegen. Darüber hinaus stellen diese Informationen keine Zusicherung dar, dass die hier beschriebenen Anlagen für eine Person geeignet oder sinnvoll sind. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Kursentwicklungen

This document and the information contained herein are not for distribution in or into (directly or indirectly) the United States, Canada, Australia or Japan or any other jurisdiction in which the distribution or release would be unlawful. This document does not constitute an offer of securities for sale in or into the United States, Canada, Australia or Japan. This document does not constitute an offer to sell, or a solicitation of an offer to purchase, any securities in the United States. The securities of 21Shares AG to which these materials relate have not been and will not be registered under the United States Securities Act of 1933, as amended (the "Securities Act"), and may not be offered or sold in the United States absent registration or an applicable exemption from, or in a transaction not subject to, the registration requirements of the Securities Act. There will not be a public offering of securities in the United States.This document is only being distributed to and is only directed at: (i) to investment professionals falling within Article 19(5) of the Financial Services and Markets Act 2000 (Financial Promotion) Order 2005 (the "Order"); or (ii) high net worth entities, and other persons to whom it may lawfully be communicated, falling within Article 49(2)(a) to (d) of the Order (all such persons together being referred to as "relevant persons"); or (iv) persons who fall within Article 43(2) of the Order, including existing members and creditors of the Company or (v) any other persons to whom this document can be lawfully distributed in circumstances where section 21(1) of the FSMA does not apply. The Securities are only available to, and any invitation, offer or agreement to subscribe, purchase or otherwise acquire such securities will be engaged in only with, relevant persons. Any person who is not a relevant person should not act or rely on this document or any of its contents. In any EEA Member State (other than the Austria, Belgium, Denmark, Finland, France, Germany, Great Britain, Ireland, Italy, Luxembourg, Malta, the Netherlands, Norway, Spain and Sweden) that has implemented the Prospectus Regulation (EU) 2017/1129, together with any applicable implementing measures in any Member State, the "Prospectus Regulation") this communication is only addressed to and is only directed at qualified investors in that Member State within the meaning of the Prospectus Regulation. Exclusively for potential investors in Austria, Belgium, Denmark, Finland, France, Germany, Great Britain, Ireland, Italy, Luxembourg, Malta, the Netherlands, Norway, Spain and Sweden the 2019 Base Prospectus (EU) is made available on the Issuer’s website under www.21Shares.com. The approval of the 2019 Base Prospectus (EU) should not be understood as an endorsement by the SFSA of the securities offered or admitted to trading on a regulated market. Eligible potential investors should read the 2019 Base Prospectus (EU) and the relevant Final Terms before making an investment decision in order to understand the potential risks associated with the decision to invest in the securities. You are about to purchase a product that is not simple and may be difficult to understand. This document is not an offer to sell or a solicitation of an offer to buy or subscribe for securities of 21Shares AG. Neither this document nor anything contained herein shall form the basis of, or be relied upon in connection with, any offer or commitment whatsoever in any jurisdiction. This document constitutes advertisement within the meaning of the Swiss Financial Services Act and not a prospectus. Copies of the current Base Prospectus dated 13 November 2020 are available free of charge from the website of the Issuer. Subject to applicable securities laws, the Base Prospectus and the final terms of any product mentioned herein can be obtained from 21Shares AG on the website. Copies of this document may not be sent to jurisdictions, or distributed in or sent from jurisdictions, in which this is barred or prohibited by law. The information contained herein does not constitute an offer to sell or the solicitation of an offer to buy, in any jurisdiction in which such offer or solicitation would be unlawful prior to registration, exemption from registration or qualification under the securities laws of any jurisdiction.