Was Investoren von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing lernen können
Der Deutsche Bank-Chef investiert seit 2019 monatlich 15 Prozent seines Nettogehalts in den Kauf von Deutsche Bank-Aktien. Das Ergebnis heutzutage: Der Wert der Aktien hat sich etwa versechsfacht. Sewings Anteil hat mittlerweile einen Wert von 15 Millionen Euro.
Sewings systematische und mit eigenem Geld realisierten Investments in die Deutsche Bank tangieren folgende Logik aus der Unternehmensführung: Menschen treffen andere Entscheidungen, sobald sie ihr eigenes Kapital aufs Spiel setzen.
Forschung bestätigt: höhere Marktrenditen, wenn CEOs hohen Aktienanteil halten
Dazu gehört auch Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA: Er hält etwa 3 bis 4 Prozent der Unternehmensanteile, was einem Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar entspricht. Eine solche Beteiligung bedeutet, dass sich praktisch alle strategischen Entscheidungen direkt auf sein eigenes Vermögen auswirken: In den letzten fünf Jahren hat sich NVIDIAs Aktienkurs mehr als verzehnfacht. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat 3 Billionen Dollar überschrittenf.
Auch die Finanzwissenschaft beschäftigte sich mit der Thematik „CEOs als Aktionäre“: Unternehmen, in denen der CEO und das Management einen hohen Aktienanteil ihrer Firma halten, erzielen im Durchschnitt höhere Marktrenditen. Dabei kommt die Studie „CEO Ownership, Stock Market Performance and Managerial Discretion“ zu konkreteren Ergebnissen: Untersuchte Unternehmen erzielten überdurchschnittliche Renditen von etwa 4 bis 10 Prozent über dem Markt pro Jahr.
„Grundsätzlich ist es wichtig, zwischen echten Investitionen und Optionen zu unterscheiden. Optionen können Teil eines Vergütungspakets sein und spiegeln nicht immer das echte Vertrauen des Managements in das Unternehmen wider. Ein viel stärkeres Signal für Investoren ist es, wenn ein CEO, wie Sewing, Aktien seines Unternehmens auf dem freien Markt systematisch mit seinem eigenen Geld kauft“, erklärt Mayr.
Worauf Investoren achten sollten und welche Warnsignale es gibt
Neben dieser Frage gibt es weitere, die Investoren sich stellen sollten:
- Wie viele Aktien des Unternehmens hält der CEO?
- Hält die Unternehmensleitung einen bedeutenden Anteil, der ihre Interessen eng mit denen der Minderheitsaktionäre in Einklang bringt?
- Gab es in den letzten Monaten größere Verkäufe durch Insider?
- Hängt das Vermögen des CEOs von der langfristigen Wertentwicklung der Aktien ab
Nahezu alle Antworten auf diese Fragen sind öffentlich zugänglich. Dazu zählen unter anderem in den USA „SEC Form 4“ hinsichtlich Insidergeschäfte und in Europa Geschäftsberichte – insbesondere die Bereiche „Aktionärsstruktur“, „Beteiligungen des Vorstands“ oder „Interessen der Verwaltungsratsmitglieder“. Auch Seiten, wie Bloomberg und Yahoo Finance, bieten Antworten.
Hinsichtlich konkreter „Hausnummern“ in Bezug auf den Aktienanteil raten wir: Eine kontinuierliche Beteiligung des CEOs von 1 bis 3 Prozent oder mehr ist signifikant. Bei Mid-Cap-Unternehmen wird ein Anteil von 5 Prozent oder mehr als starkes Signal gewertet. Wenn der CEO weniger als 0,1 Prozent des Unternehmens besitzt oder praktisch keine direkten Beteiligungen hält, ist dies nicht unbedingt negativ, aber die Übereinstimmung zwischen Management und Aktionären ist in der Regel geringer.
Beim Thema „Insidergeschäfte“ gibt es Warnsignale, wie zum Beispiel den regelmäßigen Aktienverkauf durch die Unternehmensleitung, während diese rosige Aussichten für das Unternehmen vermeldet.
Insgesamt kann man sagen, dass CEOs, die mit ihrem eigenen Geld Aktien ihres Unternehmens kaufen, für Investoren eine bessere Einschätzung darüber liefern, inwiefern die Interessen der CEOs mit denen der Aktionäre übereinstimmen. Dies sollte man nicht als nebensächliches Detail ansehen, sondern als vollwertiges Anlagekriterium.