Was der Krieg im Iran für deutsche Anleger bedeutet
Der Krieg im Iran verändert die Lage an den Kapitalmärkten. Blockierte Handelsrouten, steigende Energiepreise und neue Inflationsrisiken lassen die Zinserwartungen steigen. Mögliche Zinssenkungen rücken damit in weitere Ferne, während zugleich die Wachstumsaussichten belastet werden. Für deutsche Anleger rücken damit Fragen in den Vordergrund, die zuletzt weniger präsent waren: Was bedeuten die Entwicklungen für Aktien? Wie krisenresilient ist das eigene Depot? Wie stabil sind Anleihen? Und welche Rolle kann Gold spielen?
Trotz der Eskalation im Nahen Osten reagieren die Märkte bislang erstaunlich ruhig. Das ist ein Zeichen dafür, dass Unsicherheit nicht zwangsläufig in Panik münden muss. Für Anleger heißt das: nicht hektisch handeln, aber die eigene Aufstellung kritisch überprüfen.
Gestiegene Zinserwartungen machen Leitzinssenkungen unwahrscheinlich
Nach unserer Einschätzung wirkt die Krise vor allem über den Ölpreis auf Wirtschaft und Kapitalmärkte. Höhere Energiepreise können die Inflation erneut antreiben und dann auch das globale Wachstum belasten. Vor diesem Hintergrund sei aktuell nicht mit Leitzinssenkungen zu rechnen. Vielmehr dürfte der Druck auf die Anleihemärkte steigen. Bereits sind die Renditen von deutschen Bundesanleihen gestiegen.
Für Anleger ergeben sich bei Anleihen dennoch Chancen, vor allem durch das insgesamt gestiegene Renditeniveau. Wir empfehlen in der aktuellen Lage eine breite internationale Streuung, einen vorsichtigen Blick auf Laufzeiten und einen Fokus auf solide Bonitäten. High-Yield-Anleihen und Private-Debt-Investments sollten derzeit besonders sorgfältig geprüft werden. Gold kann nach den jüngsten Rückgängen für Zukäufe als Beimischung wieder interessanter werden, sollte aber vor allem im Rahmen einer ausgewogenen Anlagestrategie eingesetzt werden.
Neben den unmittelbaren Krisenfolgen sehen wir auch strukturelle Themen, die Anleger weiter im Blick behalten sollten: Positiv bewerten wir zudem die jüngst geschlossenen Freihandelsabkommen der Europäischen Union. Sie eröffnen europäischen Unternehmen zusätzliche Märkte und können dazu beitragen, Exportrückgänge in anderen Regionen, etwa infolge der US-Zollpolitik, zumindest teilweise abzufedern. Hinzu kommt ein verbesserter Zugang zu kritischen Rohstoffen.
Folgen des KI-Booms noch nicht absehbar
Ein weiterer wichtiger Markttreiber bleiben die hohen Investitionen großer US-Technologieunternehmen in künstliche Intelligenz. Die wirtschaftlichen Folgen und die Auswirkungen auf andere Branchen sind allerdings noch nicht abschließend absehbar. Entsprechend gilt auch bei Aktien: genau hinschauen, ohne die grundsätzliche Strategie infrage zu stellen.
Anleger sollten die aktuelle Lage nicht nur durch die Krisenbrille betrachten. Freihandel, Rohstoffzugang und künstliche Intelligenz bleiben wichtige strukturelle Themen. Entscheidend ist, die unsichere Situation ein Stück weit zu akzeptieren, Ruhe zu bewahren und Chancen wie Risiken nüchtern zu analysieren.
Mehr dazu im aktuellen „Kapital & Märkte“-Bericht: https://privatbank.de/downloads/