Paul Xiradis, Ausbil

Warum Nebenwerte, essenzielle Infrastruktur und australische Aktien 2026 besonders profitieren

In diesem Jahr erwarten wir eine Verbesserung des Wirtschaftswachstums in Australien, den USA und weltweit sowie eine Rückkehr zu stabileren Handelsbeziehungen. Vor diesem Hintergrund sehen wir attraktivere Chancen an den Aktienmärkten und rechnen mit einem deutlich über den Konsenserwartungen liegenden Gewinnwachstum. Insbesondere möchten wir drei Themen beleuchten.

1. Globale Nebenwerte

Die globalen Märkte entwickelten sich im Jahr 2025 positiv, unterstützt durch Zinssenkungen in den USA. Die Aussicht auf weitere US-Zinsschritte dürfte als Rückenwind für die anhaltende Verbreiterung der Marktperformance wirken und die Wertentwicklung globaler Nebenwerte unterstützen. Die weltweiten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe deuten weiterhin darauf hin, dass das Wachstum zurückkehrt und sich sowohl innerhalb der Gesamtwirtschaft als auch geografisch verbreitert.

Für Europa zeigen die Umfragen im verarbeitenden Gewerbe weiterhin einen Aufwärtstrend. Im Einklang mit dem Trend des letzten Jahres setzte Europa – insbesondere Deutschland – seine laufende Erholung fort.

Mit Blick nach vorn hängt jedoch vieles von der weiteren Entwicklung der Handelspolitik ab – davon, wie Zollkosten an die Endverbraucher weitergegeben werden, sowie von der Widerstandsfähigkeit der Unternehmensgewinne angesichts anhaltender Unsicherheiten. Inzwischen wurden mehrere Handelsabkommen abgeschlossen und haben für eine gewisse Stabilität an den Märkten gesorgt. Zudem hat die Europäische Union Zölle und Quoten zum Schutz ihrer Stahlindustrie vorgeschlagen, was die Gewinne globaler Nebenwerte zusätzlich unterstützen dürfte. Im globalen Small-Caps-Segment sehen wir weiterhin Chancen bei Unternehmen, die in ihrer Nische führend sind und aus unserer Sicht ein bislang nicht ausreichend eingepreistes Gewinnwachstum erzielen können.

Für das Jahr 2026 sehen wir insbesondere bei Industrieunternehmen sowie in der europäischen Region potenzielle Chancen. Anhaltende fiskalische Ausgaben für die Modernisierung und den Ausbau globaler Stromnetze sowie, da sich die europäischen NATO-Mitglieder dem vereinbarten Ziel von Ausgaben in Höhe von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) annähern, deutliche Erhöhungen der Verteidigungs- und Sicherheitsinvestitionen könnten zahlreiche Chancen für Nischenmarktführer innerhalb unseres aus Bewertungssicht attraktiven globalen Small-Cap-Universums schaffen.

2. Globale Infrastruktur

Essenzielle Infrastruktur bietet nach wie vor eine attraktive Kombination aus defensiven Eigenschaften, ansprechender Bewertung und Wachstumspotenzial. Während große Aktienindizes nahe ihrer Allzeithochs notieren, liegt das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis dieser Anlageklasse sowohl absolut als auch relativ zum MSCI World nahe historischen Tiefständen. Gestützt durch niedrigere Realrenditen und stärker als erwartete Gewinne ist der Sektor unseres Erachtens gut positioniert, um 2026 eine Outperformance zu erzielen – insbesondere, wenn Investoren ihre defensiven Allokationen erhöhen.

Die weltweite Entwicklung hin zur Elektrifizierung, verbesserter Datenvernetzung und Energiesicherheit sorgt für eine anhaltend hohe, strukturelle Nachfrage nach den essenziellen physischen Anlagen, die diese Trends erst ermöglichen. Unser Fokus liegt 2026 weiterhin auf qualitativ hochwertigen Assets mit regulierten oder vertraglich gesicherten Cashflows, Inflationsindexierung und langer Nutzungsdauer.

Wir sehen 2026 als ein Jahr mit attraktiven Chancen im gesamten Versorger- und Energieinfrastruktursegment. Der globale Trend zur „Elektrifizierung von allem“ sowie der stark steigende Strombedarf durch Rechenzentren sorgen für einen strukturellen Anstieg der Investitionen entlang der gesamten Stromwertschöpfungskette. Dazu zählen nicht nur zusätzliche Erzeugungskapazitäten, von Gas über erneuerbare Energien bis hin zu Kernenergie, sondern auch nachhaltige Investitionen in Übertragungs- und Verteilnetze zur Sicherstellung der Netzstabilität.

Auch Erdgasinfrastruktur bleibt gut positioniert – insbesondere in den USA. Ein kostengünstiges Angebot stützt dort sowohl die inländische Stromerzeugung als auch steigende LNG-Exporte. Die wachsenden LNG-Handelsvolumina nach Europa und Asien unterstreichen die strategische Bedeutung des Sektors und seine Rolle für die globale Energiesicherheit.

3. Australische Aktien

Australien ist in gewissem Maße gegen US-Zölle abgeschirmt. Dies wird auch durch die vorteilhafte bilaterale Vereinbarung mit den USA über kritische Mineralien und Seltene Erden untermauert. Wir erwarten, dass sich das durchschnittliche Wirtschaftswachstum Australiens von 2 Prozent im Jahr 2025 auf ein robustes Tempo im Jahr 2026 beschleunigen wird.

Die zugrunde liegenden Inflationskennzahlen für das Septemberquartal 2025 zeigten, dass die auf sechs Monate annualisierte Rate auf 3,3 Prozent gestiegen ist und damit das obere Zielband der Reserve Bank of Australia (RBA) von 3 Prozent überschreitet. Wir rechnen damit, dass die Inflation bis 2027 über 3 Prozent bleibt. Wichtiger noch: Gouverneurin Michele Bullock und der Vorstand diskutieren erstmals offen ihre Einschätzung der Produktionslücke sowie die Frage, ob die Geldpolitik „noch immer leicht restriktiv“ ist.

Die Arbeitslosenquote dürfte im niedrigen Bereich von 4 Prozent bleiben. Entscheidend ist, dass sich das nominale Lohnwachstum voraussichtlich bei 3,5 Prozent stabilisiert – im Einklang mit dem Kerninflationsziel – sofern sich das Produktivitätswachstum verbessert. Dies stützt die Binnennachfrage, während die Entwicklung der Lohnstückkosten auf Unternehmensebene genau beobachtet werden sollte. Angesichts der strukturell anhaltenden Nachfrage nach Rohstoffen sowie einer Annäherung der australischen und US-amerikanischen Leitzinsen erwarten wir eine geringere Volatilität im AUD/USD-Wechselkurs. Dieser dürfte sich 2026 mit einem leichten Aufwärtstrend um etwa 0,65 US-Dollar bewegen. Diese Kombination aus stabilen Währungsbedingungen und widerstandsfähigen Rohstoffpreisen schafft ein unterstützendes Umfeld für Cashflows, Dividenden und Investitionen in Schlüsselbereichen des australischen Aktienmarkts.

Fazit

Wir sind optimistisch hinsichtlich des Gewinnwachstumspotenzials im Jahr 2026 – sowohl in Australien als auch weltweit. Ähnlich wie im Jahr 2025 ist der Markt aus unserer Sicht zu pessimistisch in Bezug auf die Konjunkturentwicklung und zu negativ hinsichtlich der Aussicht auf eine Entspannung der Handelskonflikte. Unsere konstruktivere Einschätzung hat sich 2025 bestätigt und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend 2026 weiter verstärken wird.

Trotz der intensiven Diskussionen über eine mögliche KI-Blase richten wir den Blick stärker auf das Gewinnwachstumspotenzial in einem Umfeld niedrigerer Zinsen. Rückenwind erwarten wir durch US-Stimulusmaßnahmen, die zunehmende Kommerzialisierung von KI in unterschiedlichsten Geschäftsmodellen – mit Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen sowie realem Aufwärtspotenzial für Gewinne – und ein neues Handelsumfeld, eingebettet in ein stetig wachsendes globales BIP.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für wahrscheinlich, dass das Gewinnwachstum die derzeit eher verhaltenen Konsenserwartungen übertreffen könnte.

Paul Xiradis

Paul Xiradis ist Executive Chairman, Chief Investment Officer und Head of Equities bei Ausbil Investment Management, und Fondsmanager des NYLIM GF AUSBIL Global Essential Infrastructure Fund, der in Deutschland von Candriam vertrieben wird. Ausbil Investment Management Limited ist ein führender australischer Vermögensverwalter. Das Kerngeschäft von Ausbil wurde im April 1997 gegründet und umfasst die Verwaltung von australischen und globalen Aktien für große Rentenfonds, institutionelle Anleger, Master Trusts und Privatkunden. Ausbil verwaltet aktive australische und globale Aktienanlagen im Wert von über 19,4 Milliarden australischen Dollar2. Eigentümer von Ausbil sind seine Mitarbeiter und New York Life Investment Management (NYLIM), eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der New York Life Insurance Company.