Wachstum in Japan und China
Japans Wirtschaft wächst, aber fiskalische Risiken lauern
Die Risiken nehmen zu in Japan. Das BIP-Wachstum dürfte im neuen Jahr zwischen 0 und 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr schwanken; das Potenzial liegt bei 0,5 Prozent. Die Schwankungen in den einzelnen Quartalen reichen von leicht negativ bis über 2 Prozent (jeweils im Vergleich zum Vorjahr). Hier wird die Anfälligkeit der Konjunktur gegenüber der Auslandsnachfrage und der schwankenden Stimmung im Inland sichtbar.
Der Gesamt-Verbraucherpreisindex dürfte unter 2 Prozent fallen, wobei die Kerninflation ohne frische Lebensmittel aufgrund staatlicher Unterstützungen für Privathaushalte etwas darunter liegen dürfte. Die Reallöhne wachsen nach wie vor nur langsam, was eine robuste Erholung des Konsums erschwert.
Die Bank of Japan (BOJ) dürfte die Zinsen im Laufe des Jahres auf 1 Prozent anheben und dann eine Pause einlegen, da die Realzinsen das untere Ende des „neutralen” Bereichs erreichen. Verstärkte staatliche Anreize könnten die BOJ allerdings zu aggressiveren Maßnahmen veranlassen.
Japanische Staatsanleihen (JGB) hängen vom Ausland ab
Die JGB-Renditen werden mehr von der Nachfrage ausländischer Investoren und der Einschätzung der fiskalischen Nachhaltigkeit geprägt als von den Käufen durch die BOJ. Sollte die fiskalische Expansion anhalten und nicht mit Produktivitätssteigerungen einhergehen, könnte die Zinskurve steiler werden und den geldpolitischen Kurs der BOJ erschweren. Die Renditen 10-jähriger JGB sollten im Laufe des Jahres zwischen 1 Prozent und 2 Prozent liegen.
Japanische Aktien werden durch Governance-Reformen gestützt
Aktien aus Japan werden weiterhin durch Governance-Reformen, verbesserte Aktionärsrenditen und Investitionstrends gestützt, beispielsweise in den Bereichen KI, Halbleiter und Automatisierung. Die Märkte könnten nach den deutlichen Gewinnen eine Konsolidierung durchlaufen, bevor es zu einer Erholung kommt. Die Gewinne im TOPIX dürften in der ersten Jahreshälfte einstellig wachsen. Danach könnten sie sich beschleunigen, da die Zollunsicherheit nachlässt und robuste globale Investitionen – zusätzlich zum Konsum, der durch das Lohnwachstum im Inland und staatliche Anreize angekurbelt wird – die Unternehmensgewinne stützen.
China 2026: Ungleichmäßiges Wirtschaftswachstum
Chinas Wirtschaft dürfte 2025 um etwa 5 Prozent gewachsen sein – und das sollte im neuen Jahr erst einmal so weitergehen. Der neue Fünfjahresplan signalisiert jedoch eine Verlagerung hin zu qualitativen Wachstumszielen. Daher wird das Niveau von 5 Prozent möglicherweise nicht eingehalten. Zudem werden sich die von der Politik unterstützten Sektoren deutlich besser entwickeln als etwa der Immobiliensektor.
Die externen und internen Wachstumsfaktoren laufen immer weiter auseinander. Im verarbeitenden Gewerbe wird stabil investiert, im Exportgeschäft wurden sogar Marktanteile gewonnen. Der private Konsum und die Immobilienaktivitäten sind dagegen weiterhin schwach. Die jüngste Rückkehr der Kerninflation in den positiven Bereich spiegelt eher eine Normalisierung als eine Nachfrageerholung wider. Da der neue Fünfjahresplan dem Konsum hohe Priorität einräumt, droht keine Rückkehr in die Deflation. Die Staatsausgaben könnten sich auf die Förderung von Dienstleistungen konzentrieren, u.a. bei der Gesundheitsversorgung, Altenpflege, Kinderbetreuung und bei Freizeitdienstleistungen.
Nur geringfügige Lockerung der Geldpolitik
Die Geldpolitik dürfte sich nur geringfügig lockern, bis Peking seine kurzfristigen Prioritäten klarstellt. Ende des ersten Quartals findet der Nationale Volkskongress statt, gefolgt von einer Sitzung des Politbüros im April, die weitere Klarheit bringen sollte. In der Zwischenzeit könnten das alle drei Jahre stattfindende Belt-and-Road-Forum zur Jahresmitte und die laufenden Handelsverhandlungen mit den USA zu Schwerpunkten werden.
Chinas Aktienmärkte haben sich trotz des Deflationsdrucks in letzter Zeit erholt. Das Gewinnwachstum dürfte sich im Laufe des Jahres weiter verbessern, unterstützt durch innovative Branchen, Exportsektoren und Rückkäufe. Eine kurzfristige Konsolidierung ist nach vereinzelten Marktübertreibungen nicht auszuschließen. Bedenken bestehen weiterhin in Bezug auf den Immobilienmarkt, die Kreditvergabe und die Nachhaltigkeit der Auslandsnachfrage.