Ulrich Kirstein, Börse München

Verlierer zu Gewinnern

Die Woche beginnt mit einem deutlichen Aufschwung an der Börse, weil Trump seinen angekündigten Schlag gegen die iranische Erdölindustrie aufschiebt. Lange hält die Begeisterung aber nicht vor. Insofern bleiben der Nahostkrieg und der Ölpreis so oder so die bestimmenden Faktoren für Wirtschaft und Börse.

Ulrich Kirstein, Börse München

Planlos ins Schmerzhafte

„Der große Energieschock am Golf und seine Folgen“, textet das Handelsblatt, während wir den kleinen Schock für den Golf an der Tankstelle erleben. Einen gewaltigen Rückenwind erhalten angesichts der Situation Rüstungsunternehmen, mit vollen Auftragsbüchern und steigenden Kurse. Das macht Appetit bei Unternehmen, die ihre Produktion anpassen möchten, und bei Investoren, die Rendite erzielen wollen. Porsche wird künftig wohl keine Hochgeschwindigkeitspanzer produzieren, aber die Eigentümer gehen fremd: „VW-Familienholding steigt in Verteidigungsfonds ein“, meldet das Handelsblatt. „Planlos in den Frühling der Reformen“, so nennt die Süddeutsche Zeitung die bisherigen Verlautbarungen aus der Bundesregierung und setzt mit einer zweiten Headline nach: „Klingbeil schwört die Bürger auf schmerzhafte Reformen ein“. Schmerzhafte Politik sind wir allerdings inzwischen auch ganz ohne Reformen gewohnt, Hauptsache es kommt am Ende mehr Geld beim Staat an und wir ahnen, wo es herkommt. 

Eine Extraportion Ewigkeit

Schwarz auf blau überzeugt uns Der Aktionär von „5 Rebound Aktien“. Was sich viele wünschen, nicht nur an der Börse: „Aus Verlierern werden Gewinner – jetzt auf den Turnaround setzen“. Das Unendlich-Zeichen mit Hilfe von 100-Euro-Scheinen verwendet Focus Money und sagt uns damit: „25 sichere Aktien für die Ewigkeit – So schützen Sie Ihren Wohlstand für alle Zeiten“, denn an der unteren Heftkante klimmt bereits ein Höllenfeuer. Ein Schleckeis in Deutschlandfarben präsentiert Börse Online und spendiert uns damit eine „Extraportion Dividende – Deutsche Top-Titel liefern bis zu 15%“. Mit Vanille, Erdbeere und Schwarzer Johannisbeere wäre das Eis wohl bestückt. Eine Welle, die die verhinderten Münchner Surfer erfreuen würde, bietet Euro am Sonntag auf mit der Titelzeile: „Börsen-Sturm zieht auf“. 

Konstruktives Ringen

Apropos Surfer in München, haben wir etwa länger nicht über die Eisbachwelle berichtet? Könnte zutreffen. Da kommt uns die Süddeutsche Zeitung gerade recht, die auf die anhaltende Problematik verweist: „Das Ringen um die Eisbachwelle“, heißt es dort, denn kurz nach der OB-Wahl funktioniert die Welle plötzlich wieder und bei gar nicht frühlingshaften Temperaturen wagen sich die ersten wieder aufs Brett. Die Ursache für das Wiedererstarken der Welle ist schnell gefunden: Unbekannte haben ein Gitter im Fluss versenkt und verankert. Das muss aus Sicherheitsgründen selbstverständlich wieder entfernt werden, obwohl wir uns auf der Prinzregentenstraße flanierend gar nicht unsicher fühlen. Immerhin tröstet uns das Umweltreferat, Zitat: „Die Stadtverwaltung, einschließlich der Stadtspitze, arbeitet entschlossen und konstruktiv, mit erheblichem Aufwand an der Wiederherstellung der Welle“. Entschlossen, konstruktiv und mit erheblichem Aufwand – mehr kann man nicht verlangen, außer vielleicht „mit Erfolg“ und gerne auch aufgewandt auf tatsächliche Probleme der Stadt. 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.