Verhaltener Ausblick
Rückblick: Rückwärtsgang wegen KI-Aktien
Händler verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass die hohen Bewertungen von KI-Aktien sowie die Angst vor einer Knappheit bei Speicherchips für Verunsicherung sorgten. Die Anleger würden bei Aktien aus diesen Segmenten deutlich vorsichtiger werden. Zusätzlich belastet wurden die Papiere durch die Meldung, dass OpenAI seinen geplanten Börsengang möglicherweise auf das kommende Jahr verschiebt. Gestützt wurden die Kurse auf der anderen Seite durch den sinkenden Ölpreis und einige erfreuliche Konjunkturdaten. Zu diesen zählte auch der ifo-Geschäftsklimaindex, der im Juni etwas besser als erwartet ausgefallen ist.
Dax entfernt sich von 25.000er Marke
Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Wochenvergleich 1,3 Prozent auf 24.671,22 Punkte und entfernte sich damit relativ deutlich von der 25.000-Punkte-Marke. Der MDax rutschte um 3,2 Prozent auf 31.588,65 Zähler ab, während sich das Wochenminus des TecDax bei einem Schlussstand von 3.860,16 Punkten auf 2,4 Prozent summierte. Der m:access All Share wiederum verlor 0,4 Prozent und wurde zuletzt mit 1.070,40 Zählern berechnet.
Glyphosat-Urteil stützt Bayer-Aktien
Mit einem Plus von 23,9 Prozent waren Bayer der mit Abstand größte Gewinner unter den Dax-Werten. Mit dem Kursplus feierten die Anleger eine für die Leverkusener positive Entscheidung des US-Verfassungsgerichts in Sachen Glyphosat. Größter Wochen-Verlierer unter den Blue Chips waren Rheinmetall. Die Papiere des Rüstungskonzerns stürzten nach einem geplatzten Fregattenauftrag um 21,2 Prozent ab. VW Vorzüge wiederum setzten ihren Abwärtstrend der Vorwoche unvermindert fort. Das Wochenminus belief sich dieses Mal auf 8,0 Prozent. Für viel Aufmerksamkeit hatte dabei die Meldung gesorgt, dass der Konzern unter anderem vier Werke in Deutschland schließen und weltweit rund 100.000 Stellen abbauen will. Infineon konnten sich dem weltweiten Verkaufsdruck bei Chip-Werten nicht entziehen und verloren 4,5 Prozent. Zalando retteten dagegen trotz deutlicher Kursverluste am Freitag, die auf eine Meldung über eine Bafin-Untersuchung über mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Erstellung des Jahresabschlusses 2025 zurückzuführen waren, noch ein Wochenplus von 2,5 Prozent über die Ziellinie.
Anleihen: Starke Woche
Die deutschen Anleihemärkte haben eine starke Woche hinter sich. Dazu haben vor allem der sinkende Ölpreis und die sich dadurch verringernden Inflationssorgen beigetragen, da sie die Sorgen der Marktteilnehmer über eine Leitzinserhöhung im Euroraum etwas dämpften. Insgesamt gab die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 12 Basispunkte auf 2,85 Prozent nach. Die Umlaufrendite reduzierte sich um 11 Hundertstel auf ebenfalls 2,85 Prozent.
USA: Deutliche Verluste bei KI- und High-Tech-Werten
Die US-Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche uneinheitlich entwickelt. Grund dafür waren deutliche Verluste bei KI- und High-Tech-Werten – und dies, trotz eines ausgesprochen starken Quartalsergebnisses von Micron Technology – während die Anleger gleichzeitig erhebliche Summen in konservative Aktien umschichteten. Dies trieb den Dow-Jones-Index im Wochenverlauf sogar auf neue Rekordhochs. Er beendete die Handelswoche mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 51.876,11 Punkten. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index rauschte dagegen bei einem Freitags-Schluss von 25.297,62 um 4,6 Prozent in den Keller – und der S&P-500-Index war mit einem Wochenminus von knapp 2 Prozent und einem Schlussstand von 7.354,02 Zählern ebenfalls im roten Bereich.
Ausblick: Konzentration auf die Inflation
Die meisten Analysten geben sich bei der Prognose für die Kursentwicklung an den Aktienmärkten in dieser Woche verhalten. Sie verweisen vor allem auch auf die Gefahr, dass sich die Kursrückgänge bei KI- und High-Tech-Werten fortsetzen könnten, und dies die Märkte generell weiter nach unten ziehen würde. Zudem haben sie auch die neuerliche Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran auf dem Schirm. Sollten die gegenseitigen Angriffe dazu führen, dass die Straße von Hormus wieder geschlossen wird, würde dies den Ölpreis nach oben treiben, die Inflationssorgen wieder aufflammen lassen – und damit auch die Entwicklung der Weltwirtschaft belasten.
Angesichts dessen werden die Anleger noch genauer also sowieso bereits auf die für diese Woche anstehenden Inflationsdaten schauen. So wird am Dienstag der Verbraucherpreisindex für Deutschland veröffentlicht und am Mittwoch der für die Eurozone. Ebenfalls im Blick dürften am Dienstag die neuesten Arbeitslosenzahlen für Deutschland stehen.
Nike und die WM
Während darüber hinaus noch zahlreiche weitere Konjunkturdaten veröffentlicht werden, ist der Unternehmenskalender kaum gefüllt. Ein Termin ist angesichts der laufenden Fußball-WM aber besonders interessant: Am Dienstagnacht deutscher Zeit veröffentlich mit Nike der weltgrößte Sportartikel-Hersteller seinen Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahrs. Am Donnerstag wiederum könnte Infineon einmal mehr in den Blickpunkt rücken. Denn dann eröffnet der Halbleiterhersteller seine Smart Power Fab in Dresden.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Montag, 29.06: Entwicklung der Geldmenge M3 in der Eurozone; Geschäftsklimaindex für die Eurozone; Verbrauchervertrauen in der Eurozone.
- Dienstag, 30.06: Verbraucherpreisindex für Deutschland; deutsche Arbeitslosenzahlen; DIW-Konjunkturbarometer; Immobilienpreisindex in den USA; Entwicklung des US-Verbrauchervertrauens; Chicago EMI.
- Mittwoch, 01.07: Verbraucherpreisindex für die Eurozone; HCOM EMI des verarbeitenden Gewerbes für Deutschland und die Eurozone; ISM Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes in den USA; ISM Beschäftigungsindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA.
- Donnerstag, 02.07: Arbeitslosenquote in der Eurozone; Entwicklung der Stundenlöhne in den USA; Arbeitslosenquote in den USA; Entwicklung der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in den USA.
- Freitag, 03.07: HCOM EMI Dienstleistungs- und Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone.