US-Dominanz bleibt hoch
Die USA sind weltweit der dominierende Aktienmarkt mit einer ganzen Reihe von hoch innovativen und global aktiven Unternehmen. Anders als beim Fußball ist die Übermacht gegenüber Europa riesig: Während beide Regionen vor rund 20 Jahren beim Gewinnwachstum der Unternehmen noch auf Augenhöhe lagen, machen US-Aktien heute den Großteil des weltweiten Aktienmarktes aus. So ist etwa die Gewichtung der USA im MSCI World auf knapp 70 Prozent gestiegen.
Dies liegt in erster Linie am rasanten Wachstum des Technologiesektors. Dieser hat inzwischen einen Anteil von an die 40 Prozent am Index, wenn man Unternehmen wie Amazon, Alphabet und Meta mit einbezieht, die anderen Sektoren zugeordnet sind. Die Konzentration hat sich verstärkt, da die Gewinne der US-Unternehmen, vor allem aus dem Technologie-Sektor, in den vergangenen 15 Jahren deutlich stärker gewachsen sind als in den anderen Regionen.
Gewinne und Bewertungen steigen
Der Hauptgrund für das aktuell starke Gewinnwachstum ist der Boom in künstlicher Intelligenz. Sowohl die gewaltigen Investitionen in den Aufbau von KI-Infrastruktur, insbesondere Rechenzentren, als auch der hohe Bedarf an Rechenkapazitäten führen zu einer hohen Nachfrage. Die Folge sind steigende Margen und Gewinne vieler Unternehmen. Auch für die anderen US-Branchen wird aktuell ein hohes Gewinnwachstum erwartet.
Vor diesem Hintergrund sind die US-Unternehmen zurecht meist höher bewertet als Unternehmen aus anderen Regionen. Dennoch ist gerade in einigen Segmenten viel Optimismus zu beobachten. Dies sieht man zum Beispiel an den Bewertungen der geplanten Börsengänge der KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic sowie des kürzlich erfolgten Börsengangs von SpaceX, bei welchem die KI-Tochter xAI für einen wesentlichen Teil der Bewertung verantwortlich ist. Alle drei Unternehmen sind noch in der Verlustzone, werden in der Erwartung hoher zukünftiger Gewinne aber ambitioniert bewertet (SpaceX wurde zum Börsengang mit einem Kurs/Umsatz Verhältnis von über 90 bewertet, wogegen das des S&P 500 bei ca. 3,5 liegt, Quelle: Bloomberg).
Was bedeutet das für Euro-Anleger?
Für Euro-Anleger bedeutet das hohe Gewicht der USA und die deutlich gesunkene Bedeutung von Unternehmen aus der Eurozone (unter 10 Prozent), dass ein wesentlicher Teil des MSCI World in Fremdwährungen, insbesondere den US-Dollar, investiert ist. Der hohe Fremdwährungsanteil erhöht die Schwankungsanfälligkeit und kann wegen der hohen US-Staatsverschuldung perspektivisch zu einer Belastung werden. Dennoch sind die USA nach wie vor der mit Abstand größte Aktienmarkt: Mehr als die Hälfte der hundert weltweit größten börsennotierten Unternehmen haben dort ihren Sitz. Daher sind die USA ein wichtiger Portfoliobestandteil, auch wenn manche Bewertungen hoch erscheinen. Allerdings ist es überlegenswert, das Portfolio – abhängig von der individuellen Risikoneigung und -tragfähigkeit – regional ausgewogener auszurichten, den Fremdwährungsanteil zu reduzieren oder andere Segmente wie z.B. Small Caps mit aufzunehmen.