Trump-Zöllen und KI-Zweifel: Markt nimmt Neubewertung vor

Nach der jüngsten Ankündigung von US-Präsident Trump, neue Zölle zu erheben, erwarten wir eine erhöhte Volatilität bei den beliebtesten und am höchsten bewerteten Technologiewerten.

Michaël Nizard, Edmond de Rothschild AM

 Die Marktteilnehmer reagierten zunächst skeptisch, allerdings ohne eine globale Korrektur auszulösen. Vor allem europäische Exportwerte, der Dax und zyklische Titel gerieten unter Druck, während Binnenmarkt-orientierte Sektoren relativ robust blieben. 

Die Entscheidung, Zölle vorübergehend gemäß Section 122 zu erheben, markiert zwar eine neue Etappe im US-Handelskonflikt, begrenzt aber zugleich den Handlungsspielraum. Zwei Sicherungsmechanismen schränken die Dauer der Maßnahme ein: mögliche gerichtliche Prüfungen sowie das automatische Auslaufen ohne Verlängerung durch den Kongress. 

Zölle werden stärker fragmentiert

Vor diesem Hintergrund dürfte das Weiße Haus versucht sein, andere, traditionellere Instrumente zu nutzen, etwa Section 301 (unfaire Handelspraktiken) oder Section 232 (nationale Sicherheit). Die Wahrscheinlichkeit universeller, hoher und dauerhaft geltender Zölle nimmt jedoch ab – zugunsten eines stärker fragmentierten, rechtlich anfechtbaren und gezielteren Vorgehens nach Ländern oder Sektoren.

Ein gemischtes Bild für die Märkte

Für die Märkte ergibt sich damit ein gemischtes, aber nicht unlesbares Bild. Einige Länder zählen in diesem neuen Rahmen eher zu den Gewinnern – etwa Brasilien, China und Indien. Diese standen in früheren Zollrunden besonders im Visier und können nun mit einer Entspannung rechnen. Umgekehrt erscheinen Verbündete wie das Vereinigte Königreich und Australien als relative Verlierer, da sie nun höheren Zollsätzen ausgesetzt sein könnten als zuvor. Insgesamt sind die handelspolitischen Spannungen keineswegs beendet, die Willkür nimmt leicht ab – ein Umfeld, das tendenziell zur Stabilisierung der Märkte beiträgt.

Neubewertung bei KI

Ein weiterer Faktor rückt zunehmend in den Vordergrund: wachsende Zweifel und Fragen rund um Künstliche Intelligenz (KI). In den USA entbrennt eine intensive Debatte über die potenziellen Auswirkungen fortgeschrittener Automatisierung auf qualifizierte Arbeitsplätze; einige Szenarien beinhalten eine deutlich steigende Arbeitslosigkeit bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Ohne sich alarmierenden Prognosen anzuschließen, lässt sich festhalten, dass der Markt eine Neubewertung vornimmt: KI wird nicht mehr ausschließlich als Treiber von Wachstum und Margen wahrgenommen, sondern auch als Auslöser sektoraler und gesellschaftlicher Umverteilung. Diese veränderte Sichtweise trägt zu höherer Volatilität bei, insbesondere bei den beliebtesten und hoch bewerteten Technologiewerten.

Selektive Allokation

Unsere Positionierung zielt darauf ab, diese Veränderungen nachhaltig zu berücksichtigen – vor allem über die Themen wirtschaftliche Resilienz und Big Data. Insgesamt treten wir in eine Marktphase ein, in der die Performance nicht mehr von einem einzigen Motor – sei es US Technologie oder ein dominantes Momentum – angetrieben wird, sondern von einer selektiveren Allokation. Im Vordergrund stehen robuste Bilanzen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile und die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Darüber hinaus bleiben wir in japanischen Aktien und Papieren aus Schwellenländern übergewichtet und nutzen die Schwäche des Yen, um Gewinne aus Hedges in dieser Währung mitzunehmen.

Michaël Nizard

Michaël Nizard ist Head of Multi Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild AM, ein Investmenthaus, das auf Private Banking und Asset Management spezialisiert ist. Zum internationalen Kundenkreis zählen Familien, Unternehmer und institutionelle Investoren. Die Edmond de Rothschild Gruppe ist auch in den Bereichen Corporate Finance, Private Equity, Immobilien und Fund Services tätig. Als familiengeführtes Unternehmen besitzt Edmond de Rothschild die notwendige Unabhängigkeit, um mutige Strategien und langfristige Anlagen vorschlagen zu können, die in der Realwirtschaft verankert sind. Die Gruppe wurde 1953 gegründet und verfügte per Ende Dezember 2023 über ein verwaltetes Vermögen von rund 163 Milliarden Schweizer
Franken, 2.600 Mitarbeiter und 28 Niederlassungen weltweit