Trommeln für Rekorde
Kinderlose Superreiche
Ansonsten beherrscht der gigantische Börsengang von SpaceX die Medien, „Musks SpaceX macht Rekord-Börsenpläne offiziell“, meldet das Handelsblatt, und „US-Banken trommeln für SpaceX“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ebenfalls für Furore sorgt die Übernahmeschlacht rund um die Commerzbank: „Woher stammen die Commerzbank-Aktien für Unicredit“, fragt das Handelsblatt, „Unicredit schafft Fakten“, erklärt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die WirtschaftsWoche befasst sich prophylaktisch mit einem möglichen Ergebnis: „Die Risiken einer Unicredit-Commerzbank-Megabank“. Ansonsten ist der Staat weiterhin auf der Suche nach Geld und kommt zumindest hierbei auf immer neue Ideen: „Höhere Beiträge für Kinderlose könnten Milliarden bringen“, vermutet das Handelsblatt und auch der DGB springt dem klammen Bund zur Seite: „Superreiche sollen zehn Prozent ihres privaten Vermögens abgeben“, fordert laut Süddeutscher Zeitung der Gewerkschaftsbund. Vielleicht sollten kinderlose Superreiche einfach den Haushalt übernehmen? In München fallen am Tag vor Fronleichnam Aschermittwoch und Volkstrauertag zusammen: 1860 muss in die Regionalliga absteigen, es fehlen 2,7 Mio. Euro, der Investor zahlt nicht: „Zwangsabstieg für 1860 München“, schreibt die Süddeutsche Zeitung einigermaßen nüchtern, nicht so der Boulevard: „Wut, Trauer, Scherben“, so die Abendzeitung, während die tz in Großbuchstaben meldet: „AUS!“ Ob sich das allerdings auf die Ehe von Thomas Müller (darüber) oder die Löwen (darunter) bezieht, oder auf beide bedeutende Ereignisse, wird nicht ganz klar.
Power mit Gurus
Einen Warren Buffett – eigentlich ja pensioniert – hinter einer aufgeklappten Geldkiste voller US-Dollar zeigt uns Focus Money: „Gewinne mit den Gurus“, heißt es dazu. Oder: „Reich werden mit den Strategien der Besten“. Dazu wartet das Magazin mit einer Schnapszahl auf: „111 Prozent Kurschance“. Jetzt müsste man nur noch einen echten Guru besser kennen. Einen imposanten Seeadler rückt Börse Online auf den Titel: „US-Power fürs Depot – 10 unentdeckte Werte – bis zu 90 % Kurschance“. Angesichts der Transparenzpflichten an der Börse können diese Aktien nicht gänzlich unentdeckt sein. Aber tatsächlich geht es um oftmals nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehende Nebenwerte aus dem Russell 2000. Der Aktionär stürzt sich hingegen auf „Mega Trend Aktien – 150 Prozent sind drin – hier greifen visionäre Anleger zu“. Und wer mag sich schon nachsagen lassen, nicht „visionär“ zu sein? Nachdem die Temperaturen deutlich abgekühlt sind, stellt Euro am Sonntag „die heißesten Aktien der Top-Experten“ vor. Es präsentieren sich mit Schlips und Kragen die Herren Michael Reuss, Hendrik Leber, Frank Fischer und Georg von Wallwitz auf dem Titel im Bilde und in der Ausgabe per Round Table.
Spanien kaufen
Research von Großbanken und ihren Aktien-Spezialisten ist ein hilfreiches Mittel, um sich für einen bestimmten Titel zu entscheiden. Bekanntlich gibt es meist eine der drei Empfehlungen: Kaufen, Halten, Verkaufen. Trotz hochqualifizierter Analysten und komplizierter Bewertungsmodelle fallen die Empfehlungen verschiedener Bankhäuser jedoch oftmals sehr unterschiedlich aus. Das ist für den eigenen Entscheidungsprozess dann eher lästig und im Endeffekt erweisen sich bei drei unterschiedlichen Meinungen zwei als falsch. Insofern ist es mehr als mutig, dass eine US-Bank jetzt aufgrund seiner Analysemodelle vorhersagt, wer Fußball-Weltmeister wird: „Goldman Sachs hat 20.000 Spiele analysiert und ist sicher: Dieses Land wird WM-Sieger“, verkündet uns der Business Insider. Zuerst zu Deutschland: Wir scheiden leider schon im Achtelfinale aus – gegen Frankreich. Auch ganz ohne kompliziertes ELO-Ranking tragen auch wir uns bereits länger mit diesem Gedanken. Ein Trost, Frankreich wird dann von Spanien geschlagen. Denn vorne in der Skala möglicher Gewinner liegt eindeutig Spanien, gefolgt von Argentinien, Brasilien und England. Deutschland kommt nur auf Platz sieben, gemeinsam mit Portugal. Und wenn wir daran denken, dass diese es in den UN-Sicherheitsrat geschafft haben, wir aber nicht…
Runde Knöpfe
Gleich zwei Headlines aus der Feiertagsausgabe der Süddeutschen Zeitung sprechen uns besonders an: „Gebt mir die Knöpfe zurück“ und „Die Gier ist rund“. Bei den Knöpfen können wir nur zustimmen, denn die Sucht, vom Auto bis zur Spülmaschine alles mit einem Touchscreen zu verunstalten, kennt offensichtlich keine Grenzen mehr. Wie optisch gelungen waren doch noch Armaturenbretter voller Knöpfe und Hebel und wie ungemein praktisch war es, am Herd einfach einen Knopf zu drehen, statt minutenlang auf ein Ceranfeld einzuklopfen? Aber laut der Designer sollen wir uns durch diese Welt wie Kleinstkinder tapsen. Und nachdem Gier auch ein typisches Verhalten an der Börse ist, das zumindest zeitweise die Kurse antreibt, wissen wir jetzt endlich, welche Form dieses menschliche Laster hat.