Ulrich Kirstein, Börse München

Superbörsen im Goldrausch

Obwohl auch am Feiertag Christi Himmelfahrt gehandelt werden konnte, verlief die Woche zumindest an der Börse mit einem Auf und Ab um die 500 Punkte einigermaßen ruhig.

Ulrich Kirstein, Börse München

Die Bundesregierung tüftelt an Reformen, versucht einen „Neustart“, wenn wir der Süddeutschen Zeitung Glauben schenken wollen. Die NZZ witzelt: „Die deutsche Bundesregierung beschließt, Reformen zu beschließen“. US-Präsident Donald Trump stattet seinem Erz-Feind China einen Besuch ab, im Schlepptau eine Wirtschaftsdelegation der Superreichen. „Große Gesten, begrenzte Ergebnisse“, moniert die Süddeutsche Zeitung und Die Welt konstatiert: „Schlechte Karten für Trump bei Xi“. Die 1.000-Euro-Prämie, die jeder Beschäftigte hätte bekommen sollen, vielleicht aber nicht hätte bekommen können, bekommt er jetzt sicher nicht. Dies veranlasste die Süddeutsche Zeitung, den reibungslosen Politikbetrieb der Koalition unter die Lupe zu nehmen: „Weshalb die Machtmaschine so stottert“. Wir dachten immer, damit eine Maschine ins Stottern kommt, muss sie erst einmal gelaufen sein? Und zuletzt: 10 Gramm sind 10 Gramm. So viel weniger ist in den neuen Milka-Schokoladenverpackungen – Preiserhöhung durch Gewichtsreduzierung. Dabei will die Bundesregierung doch die Zuckersteuer erhöhen, also Gewichtsreduzierung durch Preiserhöhung schaffen. Verkehrte Welt. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Weniger drin, trotzdem teuer“. Und zu guter Letzt: Vor Dänemarks Küste treibt ein toter Wal und alle Welt und damit auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung fragt sich: „Ist der tote Wal vor Dänemark Timmy?“. Er soll sich endlich ausweisen.

Bonanza in Deutschland

Das Titelbild von Börse Online zu beschreiben, fällt nicht ganz leicht: Im Prinzip ist eine Goldgräberstadt samt mit Gold bepackten Loren auf eine Chipplatine gesetzt, vielleicht erklärt es der Text: „Techbonanza – 10 Top-Aktien für den Goldrausch“. Allerdings erinnert das Holzhäuschen auf dem Titel wenig an die Ponderosa-Ranch und auch Adam, Hoss oder Little Joe suchen wir vergebens. Die Landkarte Deutschlands in schwarz-rot-gold unter die Lupe nimmt Focus Money: „Große Analyse – Die besten deutschen Aktien – 21 Chancen auf mehr Rendite“. So schlecht sieht es also gar nicht aus mit unserem Land – bei etwa 550 börsennotierten Unternehmen hierzulande? Einen coolen Bullen mit Sonnenbrille und in Superman-Kostüm präsentiert uns Der Aktionär: „Super Börsen“ ist das Thema und wir fühlen uns geschmeichelt. Aber wir sind nicht gemeint, schade eigentlich, sondern es geht um „Chips, Weltall, Wasserstoff“. Denn die „sind heiß – so sind 100 Prozent drin“. Zumindest das Weltall hielten wir bisher für relativ kühl. Ganz geheimnisvoll gibt sich Euro am Sonntag: „Die heimlichen Rüstungsgewinner – Top Secret“.

Gotische Welle

Eines unserer Dauerthemen an diesem Ort können (und wollen) wir an diesem Brückentag vermutlich endgültig beenden: Das Problem mit dem Surfen unterhalb der Brücke am Eisbach in München. „Welle der Freude“, titelt die tz. „Endlich: Münchner Eisbachwelle ist wieder geöffnet“, schreibt die Abendzeitung, und auch überregional wird berichtet: „Eisbachwelle wieder offen – grüner Oberbürgermeister gibt Kultattraktion frei“, meldet Die Welt. Damit ist eines der größten Probleme Münchens offensichtlich gelöst. Jedenfalls führte das Opening am Wochenende zu einem „gewaltigen Andrang“, wie die tz feststellt. Mir nichts, dir nichts hat sich am Eisbach wieder eine natürliche Welle gebildet, nachdem alle Versuche, sie künstlich zu erzeugen, gescheitert waren oder gleich verboten wurden. „Die Eisbachwelle ist ein Wahrzeichen der Stadt München“, verkündet der neue, grüne OB Dominik Krause. Der Autor dieser Zeilen hat sein erstes Buch bescheiden mit „Fast ein Wahrzeichen Münchens“ überschrieben – aber darin geht es auch nicht um eine Surferwelle, sondern nur um die gotischen Moriskentänzer von Erasmus Grasser

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.