Stefan Riedel, Büro für Kommunikation

Schmackhafte MidCap-Melange

An der Wiener Börse sind mittelständische Nischenchampions aus den unterschiedlichsten Branchen zu Hause. Der breite Branchenmix jenseits von technologielastigen Wachstumsthemen ist ein großer Pluspunkt, der auf internationale Investoren verstärkt Anziehungskraft ausübt. Unter Berücksichtigung der Dividenden hat der österreichische Leitindex ATX in den vergangenen 25 Jahren mit einer annualisierten Performance von über neun Prozent besser als namhafte Pendants wie DAX, EuroStoxx 50 oder MSCI World Index abgeschnitten.

Gebäude der Börse Wien /Bild: Wiener Börse/Nick Pichler

Die Wiener Börse ist alles andere als ein Exotenmarkt. Ihr Charme lässt sich am besten mit „klein, aber fein“ charakterisieren. Die meisten der im Wiener Leitindex ATX-20 gelisteten Unternehmen kommen auf einen Börsenwert im einstelligen Milliardenbereich. Im Gegenzug glänzt die Alpenrepublik wie ihr großer Nachbar Deutschland mit etlichen Nischenchampions in einer Vielzahl von Branchen. Dazu zählt Frequentis, mit 161 Prozent Kursgewinn die bestperformende österreichische Aktie im Kalenderjahr 2025. Mit diesem Kursfeuerwerk honorierten die Investoren das krisenresistente Geschäftsmodell des Unternehmens, das Kommunikationssysteme für sicherheitskritische Kontrollzentralen im Flugverkehr, der öffentlichen Sicherheit, dem öffentlichen Verkehr und der Schifffahrt entwickelt.

Weites Nebenwerte-Universum

Mit einem Börsenwert von rund einer Milliarde Euro ist Frequentis an der Wiener Börse mittlerweile den höhergewichteten Mid Caps zuzuordnen. Die Unternehmen aus dieser Gewichtsklasse sind jetzt verstärkt auf dem Radar der internationalen Investoren. Über 90 Prozent des institutionell gehaltenen Streubesitzes im Börsensegment prime market entfallen auf internationale Vermögensverwalter, allen voran aus den USA und Großbritannien. Über 85 Prozent aller Handelsumsätze werden im Ausland getätigt. Zu den aktivsten Handelsmitglieder zählen die US-amerikanischen Institute Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bank of America.

Eine wachsende Zahl der im Leitindex ATX und im prime market gelisteten Unternehmen ist weltweit unterwegs. Ein Spiegelbild dafür ist der Index ATX Global Players, der aktuell 16 Unternehmen aus dem prime market beinhaltet, die mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes außerhalb von Europa erzielen. In den vergangenen 24 Monaten hat der Index dieser internationalen Champions made in Austria rund 40 Prozent an Wert gewonnen. 

Breiter Branchenmix

Die Mitglieder des ATX Global Players sind in den unterschiedlichsten Branchen unterwegs. Dazu zählen langjährige Mitglieder in der Beletage des ATX wie der Stahlkonzern Voestalpine, der Anlagenbauer Andritz oder der in diesem Jahr zu den Top-Performern im ATX zählende Mikrochiphersteller AT&S, aber auch etliche Nischenplayer wie Rosenbauer, ein weltweit führender Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen und Löschfahrzeugen, oder Palfinger, ein Hersteller von Hebe- und Ladekränen, der kürzlich nach 16 Jahren die Rückkehr in den ATX feierte. „Viele Unternehmen hängen mehr an der gesamteuropäischen Wirtschaftsentwicklung und Weltkonjunktur, als an den inländischen Absatzmärkten. Diese internationale Ausrichtung erklärt auch zum Teil, warum der ATX sich so stark entwickeln konnte in den vergangenen Jahren, während die österreichische Wirtschaft in der Rezession steckte,“ erläutert Christoph Boschan, der Vorstandsvorsitzende der Wiener Börse.

Die 1932 gegründete Palfinger AG ist auch ein Mitglied des ATX Family Index. Dieser aus aktuell 14 Unternehmen gebildete Index bildet alle im ATX Prime enthaltenen Aktientitel ab, bei denen die Gründerfamilien, Vorstände oder Aufsichtsräte zwischen 25 und 75 Prozent der Aktien halten bzw. ihnen diese Anteile zurechenbar sind. Die wichtige Rolle von gründer- und familiengeführten Unternehmen ist ein Charakteristikum, das der österreichische Aktienmarkt mit anderen europäischen Märkten wie Deutschland, Italien, der Schweiz oder Schweden teilt. 

Investoren schätzen an familiengeführten Unternehmen eine Reihe von Faktoren. Strategisch denken diese Firmen in Generationen und nicht in Quartalen. Resilienz in Märkten mit langfristigem strukturellem Wachstum ist wichtiger als überdurchschnittliches Wachstum in kurzen Zeitintervallen. Starke Bilanzen spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Der vergleichsweise niedrige Anteil an Fremdkapital versetzt die Firmen in die Lage, auch in konjunkturellen Abschwüngen antizyklisch zu investieren.

Der k.u.k-Faktor

Eine weitere österreichische Spezialität ist die starke Ausrichtung vieler Unternehmen in Richtung Ost- und Südosteuropa (CEE). Die starke Position in diesen Märkten ist ein historisches Erbe aus den Zeiten der Habsburger Monarchie, in denen Unternehmen aus dem deutschsprachigen Österreich enge Wirtschafts- und Handelsbeziehungen in diesen Regionen aufbauten. Der Anteil an Umsätze und Erträgen mit Kunden aus dem CEE-Raum liegt bei einzelnen Konzernen bei bis zu 75 Prozent. Davon profitieren etwa Banken und Versicherer, die in Wachstumsmärkten wie Polen, Tschechien oder Rumänien unterwegs sind. Bei der Erste Group, der größten österreichischen Bank, zeigt sich dieser geografische Fokus auch darin, dass die Aktie nicht nur der Börse Wien, sondern auch in Prag und Bukarest gelistet ist, die beide Teile der Wiener Börse AG sind.

Infolge der aktuellen Marktschwäche bei zyklischen Branchen und bedingt durch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekriegs ist dieser CEE-Anteil innerhalb des ATX nach Berechnungen der Erste Research Group 2025 auf 64 Prozent gefallen, spielt aber weiterhin eine zentrale Rolle. „Vor diesem Hintergrund eignen sich ATX-Unternehmen auch als Proxy Investments in die Wachstumsregion CEE über einen Developed Market und eine Börse mit höchsten Governance-Standards“, meint der Wiener Börsenchef Christoph Boschan.

Stefan Riedel

Stefan Riedel ist selbstständiger Finanzjournalist und schreibt vor allem für Focus Money und Focus Online, aber auch den BörsenKurier aus Österreich. Von 2000 bis 2007 war der studierte Politikwissenschaftler Stefan Riedel Redakteur bei Börse Online und danach u.a. als Senior PR-Berater tätig.

Disclaimer

Interessenkonflikte: Mit Wiener Börse existiert ein entgeltlicher IR und PR-Vertrag. Inhalt der Dienstleistungen ist u.a., den Bekanntheitsgrad des Kapitalmarktes Österreich zu erhöhen. Dr. Reuter Investor Relations handelt daher bei der Erstellung und Verbreitung des Artikels im Interesse der Wiener Börse. Es handelt sich um eine werbliche redaktionelle Darstellung. 

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