Thomas Schumm, Plusvisionen

Reise zum Mond vom griechischen Hafen, der Chinesen gehört

Neue Aktien an der Börse München. Einmal im Monat wird eine spannende Auswahl näher vorgestellt. Diesmal geht es um Verbundstoffe, Logistik, einen griechischen Hafen, Medtech, Raumfahrt, Computerspiele, Wellness, Luxus-Uhren, Container-Hotels und Silber.

Schweiter Technologies ist ein 1912 gegründetes Schweizer Unternehmen, das sich inzwischen auf die Herstellung vom Verbundwerkstoffen konzentriert hat. Die Wurzeln liegen im Bereich der Textilmaschinen-Industrie. Aktuell produziert Schweiter extrudierte und gegossene Kunststoff- und Leichtbauplatten, Aluminium-Verbundplatten für Fassaden sowie auf Balsaholz und PET-Schaum basierte Kernmaterialien. Die Kunden kommen aus den Branchen Display, Architektur, Windenergie, Marine, Transport und Industrie. 2024 setzte das Unternehmen 1,0 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) um und erzielte damit einen Betriebsgewinn (Ebit) von 23,1 Millionen Franken. Schweiter kommt auf einen Börsenwert von 373,8 Millionen Euro.

Furniture & Interior Design - Redesign des Arcona Hotels in Schweden /Bild: Schweiter Technologies/Bengt Höglund

Daifuku aus Japan ist auf dem Geschäftsfeld Beratung, Planung, Engineering, Herstellung, Installation und After-Sales-Service für Logistik- und Material-Handling Systeme tätig. Die Produktpalette umfasst: Fördersysteme, Transportsysteme (zum Beispiel für Flughäfen), Sortier- und Kommissionierungssysteme, Flurfördersysteme (für Fabriken) sowie Kontrollsysteme. Die Börse bewertet das Unternehmen aus Osaka derzeit mit 11,6 Milliarden Euro.

Ein Schiff wird kommen

Piraeus Port: Einst sang Caterina Valente sie sei ein Mädchen aus Piräus und sie liebe den Hafen und das Meer… Damals war der Hafen noch griechisch. Inzwischen (seit 2016) gehören dem chinesischen Staatskonzern Cosco Shipping 67 Prozent und dem griechischen Staat nur noch 7,1 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Investoren im Streubesitz. Der Hafen von Athen/Piräus ist Teil des chinesischen Seidenstraßen-Projekts, mit dem sich China auch global Einfluss sichern will. 2024 kletterte der Umsatz um fünf Prozent auf 231 Millionen Euro. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung 1,0 Milliarde Euro.

Medline ging am 17. Dezember an die amerikanische Nasdaq. Mit einem Erlös von 7,2 Milliarden Dollar (brutto) war es einer der größten Börsengänge des Jahres. Der Ausgabekurs des Medizinbedarf-Anbieters lag bei 29 Dollar und der erste Kurs bei 35 Dollar. Derzeit notiert das Papier bei knapp 38 Dollar. Medline, mit Sitz in Northfield, Illinois, ist in mehr als 100 Ländern mit insgesamt 43.000 Mitarbeitern tätig. In Europa gibt es zehn Standorte und drei Fertigungsstätten. Seit seiner Gründung im Jahre 1966 hat sich Medline als Hersteller von OP-Abdeckungen, Instrumenten, Schürzen, OP-Textilien sowie Masken und Handschuhen zu einem 26-Milliarden-Dollar-Unternehmen entwickelt. Die Medtech-Aktie ist für die Börse zurzeit 30,8 Milliarden Euro wert.

Spielerisch um Mond

Firefly Aerospace ist ein US-Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen. Die Trägerraketen des Unternehmens können kleine bis mittlere Lasten (Satelliten) in den Orbit bringen. Firefly ist als bislang einzigem kommerziellen Unternehmen eine Mond-Landung geglückt: Fireflys „Blue Ghost Mission 1“ mit dem Namen „Ghost Riders in the Sky“ startete am 15. Januar 2025 und absolvierte am 2. März 2025 ein erfolgreiches Aufsetzen auf dem Erdtrabanten. Blue Ghost führte mehr als 14 Tage Oberflächenoperationen (346 Stunden Tageslicht) und etwas mehr als fünf Stunden Operationen in der Mondnacht durch. Die Börse bewertet diese Weltraum-Abenteuer mit 4,7 Milliarden Euro.

Roblox  ist eine virtuelle Spieleplattform, auf der Entwickler neue Computerspiele entwickeln und mit anderen Spielern spielen, lernen, forschen und kommunizieren können. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 1,4 Milliarden Dollar (plus 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und der freie Cash-flow bei – positiven – 442,6 Millionen Dollar. Ganz spielerisch kommt das US-Unternehmen so auf eine Marktkapitalisierung von 49,2 Milliarden Euro.

Luxuriöse Schönheit

Seiko Group ist ein japanischer Luxusgüter-Hersteller (Uhren, Armbanduhren, Brillen), Betreiber eines Luxus-Kaufhauses (Wako) sowie Produzent von Elektronik-Artikeln (hochwertige Magnete, Infrarotsensoren, Mikrobatterien, Quarz-Kristallen und Quarz-Oszillatoren). Der Umsatz lag im ersten Halbjahr 2025 (bis 30. September) bei umgerechnet 866 Millionen Euro und der operative Gewinn bei 91 Millionen Euro. Die Börse bewertet das Traditionsunternehmen aktuell mit 1,7 Milliarden Euro.

Oddity ist ein Consumer-Tech-Unternehmen der Schönheits- und Wellnessbranche. Um Verbraucherbedürfnisse zu identifizieren und Lösungen in Form von Beauty- und Wellness-Produkten zu entwickeln, betreibt das israelische Unternehmen eine Online-Plattform – KI-gesteuert, klar – mit rund 60 Millionen Nutzern. Ziel: Data Science. Oddity hält die Brands: Il Makiage, Spoiledchild und Methodiq. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in New York, ein F&E-Zentrum in Tel Aviv und ein Biotechnologielabor in Bosten. In den ersten neun Monaten 2025 betrug der Umsatz 657 Millionen Dollar (plus 26 Prozent) und der operative Gewinn (Ebitda) 151 Millionen Dollar. Die Börse ruft für diese schöne Plattform 1,4 Milliarden Euro auf.

Silbrige Container-Hotels

Tin Inn zimmert aus alten Seecontainern schicke Hotels zusammen. Für ein Hotel werden 16 Container benötigt. Jedes Hotel hat einheitlich 20 Zimmer. Die Zielgruppe sind Handlungsreisende. Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Tin Inn einen Umsatz von 3,7 Millionen Euro und die Gesamtleistung lag bei 8,7 Millionen Euro, einschließlich sonstiger Erträge und Bestandsveränderungen aus Projekten im Bau. Der operative Gewinn (Ebitda) bezifferte sich auf 3,2 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2025 plant der Vorstand eine Gesamtleistung von rund 14 Millionen Euro, ein Ebitda von rund 4,1 Millionen Euro und einen Betriebsgewinn (Ebit) von 2,5 Millionen Euro. Die Börse sieht derzeit einen Wert von 336,8 Millionen Euro.

Silver Mountain Resources ist ein kanadischer Silber-Explorer. Das Unternehmen konzentriert sich auf Projekte im peruanischen Huancavelica. Hier geht es auch um die Wiederaufnahme einer Untertagemine. Silber ist zurzeit stark gefragt, aus den unterschiedlichsten Gründen: Silber wird beispielsweise für neue KI-Rechenzentren oder Solarpaneele benötigt, aber das Metall erlebt auch eine Renaissance als Spekulationsobjekt gegen Finanzmarktrisiken. Silber Mountain aus Toronto kommt auf einen Marktwert von aktuell 147,9 Millionen Euro.

Thomas Schumm

Thomas Schumm ist Gründer und Herausgeber von Plusvisionen.de, einem der führenden Wirtschafts-Blogs in Deutschland - 2015 erhielt er beim renommierten comdirect finanzblog award den 1. Preis. Schumm war u.a. Chefredakteur beim Optionsschein Report, der Anfang der 1990er wegweisend in Sachen Derivate war, und und freier Journalist bei Forbes. Dann leitender Redakteur bei Börse Online und Chefredakteur bei boerse-online.de. Er schrieb die Bücher Life Reloaded und Praxisratgeber Hedge Funds.