Nicola Grass, Zürcher Kantonalbank/Swisscanto

Öl, Gas, US-Dollar: So reagieren Märkte auf die Iran-Eskalation

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten haben die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen ins Wanken gebracht. Wir geben einen Überblick über die Lage, die Märkte und mögliche Auswirkungen und verraten, wie wir angesichts dessen die Portfolios anpassen.

Nicola Grass, Zürcher Kantonalbank/Swisscanto

Wir befinden uns am dritten Börsentag nach der US-israelischen Militärattacke im Iran. Die iranische Opposition ist zu schwach, um die Macht zu übernehmen. Der Fokus der Märkte liegt derzeit auf der Straße von Hormuz. Eine Schließung dieser Route könnte die weltweite Energieversorgung beeinträchtigen. Die USA haben angekündigt, die Schifffahrt in der Region militärisch zu schützen, um eine Eskalation zu verhindern. 

Wie reagieren die Märkte?

Die Märkte zeigten zunächst eine überraschend gelassene Reaktion, doch am Dienstag verschlechterte sich die Stimmung deutlich. Sämtliche Anlageklassen, mit Ausnahme des US-Dollars, mussten starke Verluste hinnehmen. Hier sind die wichtigsten Entwicklungen seit Freitag, dem 27.02.:

  • Energiepreise: Der Ölpreis ist um 15,1 Prozent gestiegen, während der europäische Gaspreis um 69,9 Prozent zulegte. Dies schürt Inflationsängste, vor allem in Europa.
  • Aktienmärkte: Aktienmärkte, insbesondere in den Schwellenländern und Europa, verzeichneten deutliche Verluste. Der MSCI Emerging Markets Index fiel um 8,7 Prozent, während der europäische Markt um 6 Prozent nachgab.
  • Währungen: Der US-Dollar zeigte Stärke und legte gegenüber dem Schweizer Franken und dem Euro leicht zu.
  • Zinsen: Die Renditen von Staatsanleihen sind gestiegen, da die Märkte eine restriktivere Geldpolitik einpreisen.

Keine Panik, aber Risiken im Blick behalten

Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf die Märkte von kurzfristiger Dauer sein werden. Historische Daten zeigen, dass geopolitische Schocks in der Regel innerhalb von 3-5 Wochen verarbeitet werden. Die Inflationsgefahr in Europa ist zwar gestiegen, aber die Teuerung bleibt noch weit unter den Niveaus von 2022. Zudem zeigt der Kreditmarkt bislang keine systemischen Stresssignale, was ein positives Zeichen ist. Dennoch gibt es Risiken, die wir genau im Blick behalten: 

  • Ein weiterer Anstieg des Ölpreises über 100 US-Dollar pro Barrel könnte die Inflation weiter anheizen.
  • Der Software-Sektor bleibt anfällig für KI-induzierte Marktveränderungen, was auch den Bereich Private Credit belasten könnte.

Demnächst Zukaufchancen? 

Aktuell sehen wir keinen Anlass für vorschnelles Handeln. Wir erwarten, dass der Einfluss auf die Finanzmärkte von kurzfristiger Dauer ist. Die Unsicherheit an den Märkten hält aber üblicherweise 10 bis 12 Tage an. Mögliche Handlungsfelder in den nächsten Tagen könnten sein, unser Übergewicht in Gold zu reduzieren und selektiv an den Aktienmärkten zuzukaufen.

Nicola Grass

Nicola Grass ist Senior Portfolio Manager Multi-Asset bei der Zürcher Kantonalbank, der delegierten Asset Managerin von Swisscanto LU Fonds. Die Luxemburger Fondsleitung Swisscanto Asset Management International S.A. steht europaweit Kundinnen und Kunden mit Produkten und Dienstleistungen rund ums Anlegen zur Seite. Sie ist dabei bekannt als Vorreiterin für nachhaltige Anlagen, zu 100 Prozent in der Schweiz verwaltet durch das Asset Management der Zürcher Kantonalbank.