Öl, Dollar, Spreads: So verändert der Irankrieg den Anleihemarkt
Das Jahr begann für Anleiheinvestoren vielversprechend: Die sinkende Inflation nährte Hoffnung auf niedrigere Zinsen, und die Anleiherenditen gingen zurück. Im März schickte der Irankonflikt die Märkte jedoch auf eine Achterbahnfahrt. Der Ölpreis schoss in die Höhe, die Erwartungen an die Geldpolitik wurden neu justiert, die Anleiherenditen stiegen und risikoreiche Anlagen gaben nach. Anleger sollten ihren Blick jetzt auf die langfristigen Auswirkungen richten und dabei auch Themen berücksichtigen, die zuletzt weniger in den Schlagzeilen zu finden waren.
Langfristige Auswirkungen rücken in den Fokus
Auch wenn der Konflikt gelöst wird, dürfte dies einige Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin müssen sich Anleger auf weitere Schwankungen einstellen. Die Entwicklung an den westlichen Märkten wurde bislang vor allem durch die Auswirkungen des Ölpreises auf die Inflation sowie durch eine restriktive Geldpolitik und höhere Renditen bestimmt. Nun richtet sich der Blick auf die langfristigen Folgen für das globale Wachstum.
Eine Lösung innerhalb des nächsten Monats wird die Rohstoffmärkte beruhigen und die Ölpreise sinken lassen. Zwar werden die kurzfristigen Inflationseffekte spürbar bleiben, sodass die Zentralbanken vorerst an ihrem restriktiven Kurs festhalten dürften. Insgesamt sollten jedoch die Wachstumssorgen überwiegen. Dies spricht im Laufe des Quartals für rückläufige Anleiherenditen. In Ländern wie Frankreich, die bereits fiskalische Schwächen aufweisen, dürfte die Zinskurve steiler werden. Staaten mit solideren Haushalten, wie beispielsweise Irland, dürften dagegen outperformen.
Starker Dollar: Belastung für Japan und Schwellenländer
Der US-Dollar bleibt stabil und profitiert im Zuge des Konflikts im Nahen Osten von einer moderaten Nachfrage nach sicheren Häfen. Gegenüber dem japanischen Yen erreichte der US-Dollar erneut ein jüngstes Hoch von rund 160 Yen je US-Dollar – ein Niveau, bei dem die japanischen Behörden bereits mit Interventionen gedroht haben. Die Kombination aus nachlassenden geopolitischen Spannungen und der Angst vor einer Währungsintervention dürfte dazu führen, dass der US-Dollar gegenüber dem Yen wieder nachgibt.
In den Schwellenländern wecken die Risiken einer globalen Wachstumsschwäche zunehmend Bedenken hinsichtlich der für Anleihen relevanten Fundamentaldaten, insbesondere mit Blick auf die öffentlichen Finanzen. Vor diesem Hintergrund werden sich die Spreads etwas ausweiten – vor allem in Ländern, die von Energieimporten abhängig sind, wie etwa den Philippinen. Sollte der US-Dollar wie erwartet nachgeben, dürften sich Schwellenländeranleihen in Lokalwährung besser entwickeln als Titel in Hartwährung. Gerade brasilianische Lokalwährungsanleihen sind hier besonders attraktiv, da das Land relativ energieunabhängig ist und die Inflation sinkt.
Private Credit im Stresstest
Abseits der geopolitischen Schlagzeilen rücken auch andere relevante Themen in den Fokus. Zunehmende Besorgnis gilt dem Private-Credit-Markt. Nach dem Zusammenbruch des US-amerikanischen Autoteileherstellers First Brands und des Autohändlers und Kreditgebers Tricolor im Oktober vergangenen Jahres steht diese Anlageklasse nun vor ihrem ersten echten Stresstest. Dabei geht es weniger um Einzelfälle als um potenzielle strukturelle Schwachstellen, denn Private Credit unterliegt weitaus geringerer Regulierung und Aufsicht als das traditionelle Bankensystem.
Institutionelle Anleger haben ihr Engagement im Private-Credit-Segment in den vergangenen zehn Jahren erheblich ausgeweitet. Auch wenn kein systemisches Risiko zu erwarten ist, dürften die Folgen vor allem Lebens- und Rentenversicherer sowie die Vermögensverwaltungsbranche als Ganzes treffen. Insbesondere jene Segmente des Anleihenmarktes könnten unter Druck geraten, die auf die Finanzierung durch Private Credit angewiesen sind – etwa Softwareunternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf für riesige Rechenzentren und KI-Projekte.
Hochzinsanleihen attraktiv
Die Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen liegen nach wie vor nahe historischer Tiefststände. Vor diesem Hintergrund dürften ein schwächeres Wirtschaftswachstum und Bedenken rund um den Private-Credit-Markt zu einer Ausweitung der Spreads führen. Aus diesem Grund sind Hochzinsanleihen aus unserer Sicht attraktiver als Investment-Grade-Anleihen: Die höhere Gesamtrendite bietet einen besseren Puffer gegenüber einer möglichen Ausweitung der Spreads. Gleichzeitig dürften die Ausfallrisiken begrenzt bleiben – dank solider Fundamentaldaten wie einer hohen Zinsdeckung und hohen Liquiditätsbeständen.